Mo., 25. September 2017
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Von: 21. März 2017 weiterlesen →

Akutes aus dem Aktenkoffer

NK im Gespräch mit Arnulf Rating / Gastspiel am 24. März im Wormser LincolnTheater

Rasant und wortgewandt nimmt Arnulf Rating sein Wormser Publikum am 24. März mit auf eine satirische Rundreise quer durch die deutsche Medienlandschaft. Foto: Vera Beiersdörfer

Rasant und wortgewandt nimmt Arnulf Rating sein Wormser Publikum am 24. März mit auf eine satirische Rundreise quer durch die deutsche Medienlandschaft. Foto: Vera Beiersdörfer

Eine Unterhaltung mit Satiriker Arnulf Rating, der bereits während der heißen bundesrepublikanischen Sponti-Phase der 1970er Jahre mit dem legendären Anarcho-Kabarett „Die 3 Tornados“ durchstartete, gestaltet sich höchst interessant und äußerst kurzweilig. Vergangenen Samstag traf sich NK-Redakteurin Vera Beiersdörfer mit dem Standpfeiler des deutschen Kabaretts, um bei einem gemeinsamen Spaziergang durch die Nibelungenstadt und einer wärmenden Tasse Tee über sein aktuelles Programm „RATING AKUT“ zu sprechen. Mit dabei, sein kleines braunes Büchlein, das er hin und wieder zückt, um sich Notizen zu machen. Rating, der nicht zum ersten Mal Halt in Worms macht, kommt gern in die Nibelungenstadt. Begeistert von der Architektur des Domes und beeindruckt von der Größe des Lutherdenkmals, schwärmt er auch vom Charme des LincolnTheaters. Dort wird er am kommenden Freitag, dem 24. März, erneut ein Feuerwerk an pointiertem, intelligentem Polit-Witz abbrennen. Rasant und wortgewandt nimmt er sein Publikum mit auf eine satirische Rundreise quer durch die deutsche Medienlandschaft. Wenn der Mann im Anzug seinen Stapel Zeitungen packt, führt er Schlagzeile um Schlagzeile vor Augen, wo wir vielleicht nicht immer genau hinschauen und was wir schon gar nicht hinterfragen möchten.

Vergangenen Samstag traf sich NK-Redakteurin Vera Beiersdörfer mit dem Standpfeiler des deutschen Kabaretts.

Vergangenen Samstag traf sich NK-Redakteurin Vera Beiersdörfer mit dem Standpfeiler des deutschen Kabaretts.

NK: Herr Rating, was dürfen die Besucher von Ihrem Programm „RATING AKUT“ erwarten?
A.R.: Akutes zur gegenwärtigen Lage – also Fluchtbewegungen von Syrien bis Wolfsburg.

NK: Mit „RATING AKUT“ stehen Sie seit September 2015 auf der Bühne. Die Welt hat sich seither weitergedreht, wie spiegelt sich das in Ihrem Programm wider?
A.R.: Das Schöne ist ja, dass sich die Welt weitergedreht hat – es ist viel passiert. Hatte die BILD-Zeitung zu Halloween 2016 noch mit Passanten erschreckenden Horrorclowns in den USA getitelt, kann man mittlerweile darüber sprechen, dass die US-Bürger einen solchen kurz darauf sogar zu ihrem neuen Präsidenten gewählt haben.

NK: Hätten Sie mit einem Wahlsieg von Donald Trump gerechnet?
A.R.: Nein, überhaupt nicht. Aber dahinter stehen viele finanzielle Interessengruppen wie etwa die Waffenlobby und die Rüstungsindustrie. Mit dem Kampf gegen den Terror legitimierten die USA allein im vergangenen Jahr den Abwurf von 26.172 Bomben über sieben muslimischen Ländern. Dass dabei 90 Prozent der Opfer Zivilisten und keine Terroristen waren, wird billigend in Kauf genommen. Dabei sind diese Anti-Terror-Maßnahmen vor allem eines, der Deckmantel für das eigentliche Anliegen der westlichen Mächte: Unsere Gier nach Öl!

NK: Trump, Erdogan, Putin, Kim-Jong-Un macht Ihnen das Angst?
A.R.: Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Wer Angst hat, bewegt sich nicht und Stillstand bringt keine Verbesserung. Ich habe schon andere gefährliche Zeiten miterlebt und bin heilfroh, dass die Menschheit den kalten Krieg ohne atomaren Zwischenfall überstanden hat.

NK: Was macht für Sie gute Satire aus?
A.R.: Für Satire ist es entscheidend, Stellung zu beziehen, geradeheraus das zu sagen, was einen bewegt und es dennoch so rüberzubringen, dass sich die Zuschauer vor Lachen biegen. Gemeinsames Lachen verbindet, das heißt aber nicht, dass die thematische Brisanz dadurch geschmälert wird.

NK: Sie geben Denkanstöße zur Finanzkrise, AfD, zu Flüchtlingen und auch zur Abgas-Affäre von VW: Wie schaffen Sie den Spagat, diesen schlagzeilenträchtigen Themen dennoch etwas Komisches abzugewinnen?
A.R.: Auf der Bühne verbinde ich meinen Spaß mich lustig zu machen mit meiner Empörung über unhaltbare Zustände. Für mich hat es keinen Unterhaltungswert, wenn lediglich die Optik von verschiedenen Personen durch den Kakao gezogen wird. Die Frisur von Frau Merkel ist mir herzlich egal. Es ist auch nicht meine Art, die Politiker in den Vordergrund meiner Show zu stellen. Entscheidend sind ja wir. Das ist der Hebel, an dem ich ansetze, nur dort kann etwas verändert werden.

NK: Sie und Ihre Mitstreiter der „3 Tornados“ standen Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre wegen Blasphemie vor Gericht. Auslöser war Ihre Version eines Gesprächs zwischen Maria und Josef zur unbefleckten Empfängnis. Denken Sie, das könnte sich heutzutage in Deutschland nochmals so abspielen?
A.R.: Nein, das war ja auch wirklich eine alberne Geschichte, die aber letzten Endes durch drei Instanzen ging und einen Gutachter wie Udo Lindenberg brauchte, um vom Tisch zu sein. Natürlich sind Scherze über die Kirche noch immer nicht gern gesehen, aber Deutschland ist da wesentlich toleranter geworden.

NK: Gretchenfrage – Wie halten Sie es denn nun mit der Religion?
A.R.: Ich bin kein Atheist, dafür ist die Welt viel zu komplex, um das behaupten zu können. Ich habe Ehrfurcht vor der Schöpfung. Aber Religionsausübung bedeutet, sich Ordnungsregeln zu unterwerfen und das war nie mein Ding. Beruflich hätte ich mir auch nie vorstellen können Angestellter zu sein. Ich bin mein eigener Angestellter und mein eigener Chef, was zuweilen zu innerbetrieblichen Spannungen führt!

NK: Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei Ihrem Auftritt in Worms.
A.R.: Danke, ich freue mich schon darauf.

Karten für den brisanten, amüsanten Abend mit Arnulf Rating gibt es im Vorverkauf u.a. beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms, sowie bei allen bekannten Ticket Regional-Vorverkaufsstellen. Foto: Vera Beiersdörfer

Karten für den brisant-amüsanten Abend mit Arnulf Rating gibt es im Vorverkauf u.a. beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms, sowie bei allen bekannten Ticket Regional-Vorverkaufsstellen. Foto: Vera Beiersdörfer

Weitere Informationen über Arnulf Rating sowie über sein aktuelles Programm gibt es unter: www.rating.de

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