Mo., 11. Dezember 2017
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Antifaschismus als Auftrag 

Vortrag von Lilo Rademacher in der KZ Gedenkstätte Osthofen

Lilo Rademacher vom VVN Landesverband Baden-Württemberg und in siebziger und achtziger Jahren DGB Landesbezirksjugendsekretärin in Rheinland-Pfalz zeichnete den Weg von den Anfängen 1961 bis zur Gründung des Fördervereins Projekt Osthofen 1986. 1961 luden zwei ehemalige Häftlinge aus Bürstadt, ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers ein. Lilo Rademacher betonte, dass zwar Osthofen ein Außenlager des frühen KZ Dachau gewesen sei, aber Osthofen selbst kein Vernichtungslager war. Insgesamt seien 3.000 politische Häftlinge, darunter auch jüdische Mitbürger in Osthofen, teilweise bis zu einem Jahr interniert gewesen. Die Häftlinge seien zum Teil schwer misshandelt worden, viele hätte Folgeschäden erlitten.

Die 1972 gegründete Lagergemeinschaft ehemaliger Häftlinge hätte mit Unterstützung der VVN/BdA den Antrag bei der Stadt Osthofen gestellt, sie solle eine Gedenkstätte errichten. 1978 wurde der Lagergemeinschaft erlaubt ihre gespendete Gedenktafel an der Außenmauer anzubringen. Philipp Wahl aus Worms, einer der Häftlinge hätte als Zeitzeuge wertvolle Arbeit, auch bei der DGB Jugend geleistet. Er bekam für seinen unermüdlichen Einsatz bis ins hohe Alter das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die DGB Jugendbewegung hätte zu Beginn der achtziger Jahre durch ihre Friedensfahrten zu den Stätten der Erinnerung, die Forderung nach einer Gedenkstätte in Osthofen mit Unterstützung des damaligen DGB Landesvorsitzenden Julius Lehlbach wieder verstärkt in die Öffentlichkeit gebracht. Sie sammelte Spenden für die Gedenkstätte, am 9.11.1985 gab es ein Benefizkonzert mit Giora Feidman, Abendlicht, Frankfurter Rundschlag und der Wormser Rockband TT Zop  in der Jahnturnhalle, vom Stadtjugendring initiiert. In dieser Zeit trafen sich auf Einladung des DGB verschiedene Bündnis- partner darunter der BUND, Vertreter der ev. Kirchengemeinde, Christlicher Friedendienst, VVN/BDA, Jusos zu Gesprächen mit dem Ziel eine Gedenkstätte voranzutreiben und die Osthofener Bevölkerung mit einzubinden. 1986 sei dann der Förderverein Gedenkstätte KZ Osthofen gegründet worden.

Die Gewerkschaften hätten sich, aufgrund der leidvollen Erfahrungen aus dem Faschismus aktiv beteiligt. Trotz der breiten Bewegung hätte es zu Beginn auch Widerstand in der Osthofener Bevölkerung gegeben. Insbesondere hätten sich Vertreter einiger Parteien gegen die Aufstellung eines Gedenksteins, ausgesucht und gespendet von der DGB Jugend, ausgesprochen.

Steinmetz Auszubildende der überbetrieblichen Ausbildungswerkstatt des IB in Mainz-Hechtsheim, unterstützt durch die Handwerkskammer Rheinhessen, hätten fünf Gedenksteine erschaffen, die unter anderem das Leid der Häftlinge dargestellt hätten. Keiner der Gedenksteine durfte damals aufgestellt werden. 

Die anschließende lebhafte Diskussion der gutbesuchten Veranstaltung betonte die Wichtigkeit der Gedenkarbeit, sie müsse aber auch die Umstände wie es zum Faschismus kam mit einbeziehen. Der Vortrag von Lilo Rademacher hätte deutlich werden lassen, was eine gut organisierte antifaschistische Bewegung erreichen könne, „wir können es hier vor Ort in der Gedenkstätte sehen und erfahren, auch als Vermächtnis weiterhin antifaschistische Arbeit zu leisten gegen faschistoide Tendenzen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ so eine Teilnehmerin.