Fr., 28. Juli 2017
Sie sind hier: Home » Worms und Ortsteile » Auf der sicheren Seite

Auf der sicheren Seite

Rotes Kreuz verteidigt Sanitätsdienst auf dem Pfingstmarkt / Bezug auf Bericht der Freien Wähler im NK / Wunsch: Kostendeckende Finanzierung

Der Nibelungen Kurier berichtete am Samstag über Kritik der FWG-Stadtratsfraktion am Sicherheitskonzept für den diesjährigen Pfingstmarkt. An mindestens einem Tag sei der Sanitätsdienst unterbesetzt gewesen und die Stadtverwaltung habe sich über die personelle Besetzung nur unzureichend informiert, so Steffen Landskron von der FWG. Dem tritt nun das DRK entgegen, das den Sanitätsdienst seit Jahren organisiert. „Die Stadt hat uns die Durchführung in eigener Verantwortung übertragen und diese Verantwortung nehmen wir sehr genau wahr“, gibt Kreisbereitschaftsleiter Adolf Posselt zu Protokoll. Mehr als 700 Stunden waren die Sanitäter im Einsatz, in den bewegten Abendstunden ausnahmslos mit mindestens sechs Helfern gleichzeitig und bei hohem Betrieb an den Wochend- und Feiertagen nochmals mit deutlich mehr. Insgesamt 46 Hilfeleistungen wurden erbracht, darunter zwölf Transporte ins Krankenhaus. Von einer irgendwie gearteten Überforderung will Posselt nichts wissen.

„Wer das behauptet, ist nicht vom Fach oder stützt sich auf falsche Tatsachen.“ Es sei nicht ein einziges Mal notwendig gewesen, den Rettungsdienst zu alarmieren, auch nicht bei dem Polizeieinsatz am ersten Samstag, auf den sich Landskron vermutlich bezieht. Obwohl hier sechs Patienten gleichzeitig zu versorgen waren, während die Sanitätsstation von teilweise aufgebrachten Personen umringt war, konnten alle Verletzten versorgt und soweit notwendig mit den örtlichen Rettungsfahrzeugen ins Krankenhaus gebracht werden. Gerade im Hinblick auf solche Vorkommnisse unterstreicht der Pfingstmarkt-Einsatzleiter des DRK Kreisverbands, Patrick Pillipan, die gute Zusammenarbeit: „Stadt und Polizei haben uns den Rücken freigehalten, sodass wir unsere Arbeit machen konnten.“

Weitere Einsatzkräfte immer verfügbar

Kreisbereitschaftsleiter Posselt erläutert, dass im Hintergrund immer weitere Einsatzkräfte bereitstehen, sollte es die Lage erfordern. Binnen Minuten könne durch die Rettungsleitstelle in Mainz eine große Zahl von Rettungswagen aus der näheren Umgebung zusammengezogen werden. Die Stadt habe außerdem schon seit Jahrzehnten das DRK in Worms mit der Bereitstellung einer Schnelleinsatzgruppe im Sanitätsdienst beauftragt. Auf diese Weise könnten im sogenannten MANV-Fall, dem Massenanfall von Verletzten, in weniger als einer Stunde sämtliche Rotkreuz-Helfer des Kreisverbands mit zusätzlichen Fahrzeugen und Material über Funkmelder mobilisiert werden. Gefordert seien von der Stadt auch hier zwar lediglich zwölf Personen, im Hintergrund stünden jedoch rund 60 Sanitäter zur Verfügung. Sollte auch dies in Extremfällen nicht ausreichen, würden die überregionalen Alarm- und Einsatzpläne eingreifen. „Dass man so viel Personal nicht dauerhaft auf dem Festplatz vorhalten kann, leuchtet wahrscheinlich ein.“ Die Aufgabe der Sanitäter vor Ort sei daher in solchen, hoffentlich nie eintretenden Notlagen vor allem die Einweisung nachrückender Kräfte, genauso wie es das Sicherheitskonzept der Stadt auch vorsehe.

Effizienz und Flexibilität sind ein Muss

Das DRK sieht daher keine Veranlassung, am prinzipiellen Einsatzauftrag etwas zu ändern. Insofern stellt sich das DRK auch gegen zu starre Vorgaben im Sicherheitskonzept, wie sie von Landskron im Nibelungen Kurier gefordert wurden. Das würde nur Personal binden, wenn es gar nicht gebraucht werde, und dann fehlten die Helfer dort, wo es wirklich notwendig sei. Zu Bedenken gibt Posselt hier, dass alle Führungskräfte und Sanitäter ihren Dienst rein ehrenamtlich in ihrer Freizeit absolvieren und dafür nicht einen einzigen Cent erhalten. Effizienz und Flexibilität seien daher ein Muss. „Solange Stadt und Bevölkerung uns vertrauen, übernehmen wir die Organisation in eigener Verantwortung.“ Daher hält Posselt es auch für überzogen, von Stadt und Oberbürgermeister die Kenntnis jedes Details zu verlangen. Dafür sei das DRK schließlich da und man informiere gerne.

Einsatzzahlen haben zugenommen

Auch wenn der Sanitätsdienst für Großeinsätze gewappnet ist, möchte das DRK zum Schluss in Richtung der FWG-Fraktion und Steffen Landskron gerne zugeben, dass die Einsatzzahlen im Vergleich zu den Vorjahren tatsächlich zugenommen haben. Allerdings habe man sich mit der Stadtverwaltung bereits vor Wochen auf eine ausführliche Auswertung für das kommende Jahr verständigt, um notwendigenfalls noch Justierungen vorzunehmen. „Verbesserungen sind immer möglich, das ist doch klar“, meint Posselt, „aber das kostet natürlich auch.“ Wenn das DRK daher gegenüber der Stadt und Oberbürgermeister Kissel einen Wunsch äußern darf, dann wäre das eine kostendeckende Finanzierung. Bislang trage nämlich jeder Fastnachts- oder Fußballverein mehr für den Sanitätsdienst bei als die Stadt mit der Großveranstaltung Pfingstmarkt. Mit knappen Kassen haben allerdings vermutlich die Stadt und das DRK etwas gemeinsam.

Geschrieben in: Worms und Ortsteile