Mo., 25. September 2017
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Aus, vorbei! Adler sind raus!

Mannheim verliert das entscheidende 7. Match im Play-Off-Viertelfinale mit 1:2 Toren nach Verlängerung gegen die Eisbären Berlin

Die Adler (blaue Trikots) scheiterten immer wieder an Berlins überragendem Torsteher Petri Vehanen. Foto: Gernot Kirch

Die Adler (blaue Trikots) scheiterten immer wieder an Berlins überragendem Torsteher Petri Vehanen. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Für die Mannheimer Adler ist die Eishockey-Saison 2016/17 beendet. Am Dienstagabend unterlagen sie im alles entscheidenen Match Nummer 7 der Play-Off-Viertelfinalserie gegen die Eisbären Berlin mit 1:2 (0:0/0:0/1:1/0:1) Toren nach Verlängerung. Es war eine enge, spannende und hochklassige Serie, die über die volle Distanz von sieben Begegnungen ging, da jedes Team drei Partien gewann. Aber letztlich können sich die Adler dafür natürlich nichts kaufen. Für sie ging die Saison mit dem enttäuschenden Aus im Viertelfinale bereits früh zu Ende.

Natürlich war am Dienstag auch Pech dabei, denn die Adler waren fast die gesamte Partie über das eindeutig dominierende Team, aber am Ende waren sie nicht kaltschnäuzig und clever genug, um dies in einen Sieg umzumünzen. Über weite Strecken hatten die Mannheimer die Berliner fest im Griff und gaben ein Trommelfeuer auf den Eisbären-Kasten ab, aber es sprang nur ein mickriger Treffer dabei heraus. Dies war eindeutig zu wenig. Ein Blick auf die Statistik verrät die Adler-Dominanz. So feuerten die Mannheimer 49 Geschosse auf den Berliner Kasten ab, die Eisbären aber nur 16 Stück auf das Gehäuse der Nordbadener. Aber am Ende hieß es 2:1 für die Hauptstädter. Dies kann man Glück nennen, aber eben auch Effizienz.

Den Cracks im blau-weiß-roten Dress aus Mannheim ist kein Vorwurf zu machen, sie knieten sich in Match 7 rein und fighteten und rackerten die gesamten fast 70 Minuten. Aber Aufwand und Ertrag stimmten eben nicht überein. Wobei die Eisbären mit Petri Vehanen auch einen absolut stark haltenden Goalie im Tor hatten.

Besonders bitter für Mannheim, dass sie wieder einmal gegen die Eisbären Berlin, ihren Erzrivalen, den Kürzen zogen. Gegen die Hauptstädter scheinen die Nordbadener in den entscheidenden Momenten eben doch so etwas wie einen Komplex zu haben.

Blickt man auf die Serie zurück, muss man auch sagen, die Eisbären waren von Beginn an wacher, kaltschnäuziger und kompakter. So gewann Mannheim die erste Partie etwa nur mit sehr, sehr viel Glück, als der Treffer zum Ausgleich erst 3,5 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit fiel.

Berlin war in den Play-Offs, im Vergleich zur desaströsen Punktrunden, die sie hinlegten, nicht wieder zu erkennen. Die Eisbären spielten stark auf. Die Gründe dafür waren sicher, dass bei Berlin zu den Play-Offs wieder alle Cracks gesund waren und zudem hatten die Hauptstädter sich noch einmal vor den Play-Offs klug verstärkt.

Mannheim konnte hingegen in der Play-Off-Serie gegen Berlin nie an die Top-Leistungen der Punktrunde anknüpfen. So funktionierte die Adler-Torfabrik nicht mehr und die Abwehr war phasenweise extrem wacklig und anfällig. Dass die Eisbären die Viertelfinalserie gewannen, ist so eigentlich nur logisch, auch wenn bei einer Serie, die über die vollen sieben Partien gespielt wird, natürlich auch immer Glück dazugehört.

Somit wirft der Tabellenachte der Vorrunde, die Eisbären Berlin, den Tabellenzweiten, die Adler Mannheim, aus den Play-Offs. Dies macht den Reiz der Play-Offs aus, lässt andererseits aber auch das gesamte Play-Off-System hinterfragen, da viele Pucksportfreunde kritisch anmerken: „Warum wird überhaupt eine Vorrunde mit 52 Matches absolviert, wenn die Platzierung letztlich bei der Vergabe der Meisterschaft doch keine Bedeutung hat?“

Das Schicksal von Mannheim teilt übrigens ein anderer Traditionsclub und Top-Favorit auf den Meistertitel, die Kölner Haie, die gegen Wolfsburg die Serie ebenfalls in sieben Partien verloren.

In den Halbfinales spielen nun Red Bull München gegen die Eisbären Berlin und die Nürnberg Ice Tigers treffen auf die Wolfsburg Grizzlys.

Zur Chronologie

1. Drittel
Eine phantastische Stimmung in der mit 13.600 Zuschauern ausverkauften SAP-Arena. Die Fans peitschten ihre Cracks lautstark nach vorne. Beide Teams mit einem überraschend offensiven Beginn. Die erste, ganz dicke Chance besaß Adler-Stürmer Brent Raedeke in der 2. Minute, doch die Scheibe pfiff knapp am Berliner Gehäuse vorbei. Ab der 3. Minute die Mannheimer in Überzahl. Luke Adam und Matthias Plachta hier mit Großchancen, aber ohne Fortune. Eisbären-Verteidiger Micki Dupont in der 7. Minute mit der ersten tollen Gelegenheit für die Hauptstädter. Die Mannheimer aber weiterhin das dominierende Team. Adler-Nachwuchsstürmer Mikro Höfflin in der 9. Minute mit einer guten Einschusschance, aber er verpasste. Und die Raubvögel weiter im Vorwärtsgang. Verteidiger Mathieu Carle mit einem Hammer in 12. Minute, ebenso wie Andrew Joudrey eine Minute später, doch beide male kein Tor. Auch in der Folge immer wieder Mannheim, aber eben kein Treffer. Fazit: Mannheim brannte ein wahres Feuerwerk ab und war haushoch überlegen. Aber was half es? Es stand 0:0 unentschieden.

2. Drittel
Der zweite Abschnitt ein Duplikat des ersten Drittels. Ein Trommelfeuer der Mannheimer auf das Eisbären-Gehäuse. Die Adler investierten von Laufbereitschaft, Kampf und Leidenschaft eine Menge. Sie erspielten sich Großchance auf Großchance, bei der die Zuschauer den Puck schon oft im Berliner Kasten sahen, aber den Mannheimern wollte kein Treffer gelingen. Wobei auch die Eisbären durchaus gelegentlich ihre Kontermöglichkeiten besaßen. Fazit: Hoher Aufwand bei den Adlern, aber null Ertrag.

3. Drittel
Nach genau 1 Minute und 11 Sekunden im dritten Drittel erzielte Kapitän Marcus Kink das hoch verdiente 1:0 für die Adler. Die Fans jetzt vollkommen aus dem Häuschen. Logischerweise investierte Berlin jetzt mehr in die Offensive, wobei die Adler dominierend blieben und weiter vorwärts marschierten. Thomas Larkin (46. Minute) und Jamie Tardif (47. Minute) mit Chancen, die Führung zu erhöhen, aber beide scheiterten.
Dann, wie aus dem Nichts, in der 48. Minute der glücklich 1:1 Ausgleich durch Barry Tallackson, dem der Puck vom Oberkörper ins Mannheimer Tor springt. Also ging es quasi wieder von vorne los.

Nach dem Powerbreak, der kurzen Werbeunterbrechung, waren es noch zehn Minuten, die über Einzug ins Halbfinale oder Urlaub entscheiden mussten. In der 52. Minute hatte Adler-Angreifer Andrew Joudrey frei vor Berlins Torsteher den Führungstreffer auf dem Schläger, aber Petri Vehanen hielt. Die Partie bei noch sechs Minuten auf des Messers Schneide. Bei noch fünfeinhalb Minuten zwei Strafminuten gegen Berlin. Jetzt hielt es niemand mehr auf den Sitzen. Die Mannheimer Cracks jedoch mit einem Fehler im Spielaufbau und Eisbären-Stürmer Andre Rankel lief frei auf Mannheims Goalie Drew MacIntyre zu, doch scheiterte der Berliner. Dann hat Adler-Verteidiger Carlo Colaiacovo die Führung auf dem Schläger, aber auch er brachte die schwarze Hartgummischeibe nicht im Tor unter. Zweieinhalb Minuten vor dem Ende zimmerte Christoph Ullmann den Puck übers leere Berliner Gehäuse. Dann war Schluss und wieder ging es in die Verlängerung. Fazit: Berlin sicher im Glück, aber so ist Sport, es zählen Tore, nicht Chancen.

Verlängerung
In der Verlängerung waren knapp zehn Minuten gespielt, dann erzielte Charles Linglet den 2:1 Siegtreffer für die Eisbären und das Match war zu Ende.
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Aufstellung:

Mannheim: MacIntyre (Endras) – Colaiacovo, Larkin, Akdag, Carle, Richmond, Reul – Plachta, Adam, Kolarik, Wolf, Festerling, Höfflin, Raedeke, Ullmann, Tardif, Arendt, Joudrey, Kink, Sparre

Berlin: Vehanen (Cüpper) – Müller, Gervais, Baxmann, Dupont, Hördler, C. Braun, Roach – Busch, Aubry, Fischbuch, Linglet, Olver, Petersen, Talbot, Rankel, Noebels, L. Braun, Tallackson, Wilson

Strafen: Mannheim 2 Min – Berlin 8 Min

Torschüsse: Mannheim 49 – Berlin 16

Schiedsrichter: Piechaczek / Bauer

Zuschauer: 13.600

Tore: 1:0 (41:11) Kink (Arendt/Larkin) – EQ; 1:1 (47:10) Tallackson (DuPont/L. Braun) – EQ; 1:2 (69:32) Linglet

Geschrieben in: Eishockey, Sport

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