Do., 25. Mai 2017
Sie sind hier: Home » Aus dem Nibelungenland » Bockenheim „glühte“ für Geselligkeit und Genuss
Von: 18. Januar 2015 weiterlesen →

Bockenheim „glühte“ für Geselligkeit und Genuss

Das „7. Schlossmauerglühen“ tauchte die Weinstraßengemeinde am Samstagabend in atmosphärischen Fackelschein

Marlene Klingel führte kenntnisreich vom Weintor zum eigentlichen Schauplatz des Schlossmauerglühens. Foto: Robert Lehr

Marlene Klingel führte kenntnisreich vom Weintor zum eigentlichen Schauplatz des Schlossmauerglühens. Foto: Robert Lehr

VON ROBERT LEHR Am Samstagabend hatten die Bockenheimer einmal mehr Gelegenheit, für ihren Ort zu „glühen“. Und das taten die Bewohner der Weinstraßengemeinde gleich in mehrfacher Hinsicht: Denn beim stimmungsvollen „7. Schlossmauerglühen“ des „Kultur- und Verkehrsvereines Bockenheim e.V.“ gab es neben einer Fackelwanderung, einem in atmosphärischen Feuerschein getauchten Platz an der historischen Mauer des Schlossgutes Janson, so Einiges, um sich auch von Innen bestens zu erwärmen.

Durch die kalte, trockene Winterluft wehte der Duft von Original Schweizer Raclette, deftiger Landsknechtsuppe, Heißem Hugo oder Winzerglühwein. Für das leibliche Wohl der jüngeren Gäste war u.a. mit Stockrot, Waffeln und Kinderpunsch ebenso bestens gesorgt.

Bockenheim wäre nicht das nördliche Tor zur Weinstraße, gäbe es bei solch einer Veranstaltung keine der hiesigen Weinspezialitäten. Neben der obligatorischen Rieslingschorle waren es die angebotenen roten Sorten, die vom halbtrockenen Spätburgunder u.a. über einen Cabernet Mitos Spätlese bis hin zu einem Blanc de Noir reichten. Ganz der abendlichen Kälte, aber auch der richtigen Trinktemperatur ihrer Köstlichkeiten verpflichtet, wurden die Rotweingläser ebenso wie die Glühweinbecher professional angewärmt.

Neben den Aktiven des Vereines unter dessen Vorsitzendem Volker Griebel, waren aber auch die Bockenheimer Burschenschaftler vor Ort und bereicherten die kulinarische Palette mit Bratwurst und „Schlossburgern“ – der Bockenheimer Interpretation des beliebten amerikanischen Fast-Foods mit pfälzischem Saumagen.

Aufwärmen konnte man sich im stilvollen Weinlädchen des Schlossgutes Janson, wo Seniorchef und Ortsbürgermeister Kurt Janson alle Hände voll zu tun hatte, dem Ansturm gerecht zu werden.

Martinskirche „glühte“ mit
Lohnend war allerdings auch ein Besuch der geheizten Martinskirche. Hier gab es neben einer farbenfrohen Gemäldeausstellung der Sausenheimer Künstlerin Hiltrud Schwab vom leidenschaftlichen Kirchenführer Harald Ferber allerlei Interessantes zu dem romanischen Kleinod zu erfahren. So auch zu dem spätgotischen Taufstein, dessen Ursprung in Worms vermutet wird, oder zu den hochwertigen Fresken, die eher zufällig bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1964 entdeckt wurden und jetzt zu den dortigen Kunstschätzen gehören.

Für Bockenheimer natürlich bekannt, war es für die zahlreichen Gäste aus der Nachbarschaft wie Monsheim oder Worms spannend zu erfahren, dass der separat stehende und als eigentliches Bockenheimer Wahrzeichen geltende Kirchturm, ursprünglich zu einer anderen, nicht mehr existierende Kirche, gehörte.

Für ein Gotteshaus eher ungewöhnlich, aber in leisen, getragenen Tönen absolut passend, untermalte Karnevalsprinz Timo I. Benß die kleine Führung auf der historischen Kirchenorgel spontan mit Deep Purples „Child in Time“. Nicht nur als leidenschaftlicher Bockenheimer Chronist, Burschenschaftler und Musikminister des Bockenheimer Carneval Vereines von 1964 e.V., sei ihm der sympathische  Stilbruch nachgesehen.

Seine „närrischen Vereinskollegen“ im blau-rot-gelben Vereinsoutfit wärmten sich derweil draußen nach einer Probe für die kommenden Prunksitzungen mit Glühwein. Zwischenzeitlich war auch die zweite der beiden Führungen bei Fackelschein durch Klein-Bockenheim an der Schlossmauer angekommen.

Herbert Disch (Mitte) konnte sich auch in diesem Jahr über eine gelungene Veranstaltung freuen. Foto: Robert Lehr

Herbert Disch (Mitte) konnte sich auch in diesem Jahr über eine gelungene Veranstaltung freuen. Foto: Robert Lehr

Erstmals 770 erwähnt
Von Schriftführer Herbert Disch am Weintor mit Fackeln ausgestattet, führte Marlene Klingel durch die teils engen Gässchen, deren Namen wie Ried- oder Weiherweg daran erinnerten, dass es hier einst einen See gegeben habe. Vor dem „Blauen Rathaus“ erzählte sie u.a. von den fortschreitenden Renovierungsarbeiten an dem historischen Gebäude, dass nach der Fusion von Klein- und Groß-Bockenheim im Jahre 1956 seine eigentliche Funktion verloren habe. Erstmals urkundlich erwähnt sei Bockenheim in der Schenkungsniederschrift des Klosters Lorsch vom 7. Juni 770. Aus dieser Zeit stamme auch das sehenswerte Tor, das heute den Eingang des Schlossgutes bilde.

no images were found

Kommentare sind geschlossen