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Ein Lied kann eine Krücke sein – Solo for One

Irmgard Knef gastiert am 21. Oktober im Lincoln / NK im Gespräch mit Ulrich Michael Heissig / Verlosung von 3x2 Karten

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Foto: Robert Recker

 

Von Vera Beiersdörfer | Irmgard Knef ist die fiktive, zehn Minuten jüngere Zwillingsschwester von Hildegard Knef, also geboren am 28.12.1925 in Ulm. Sie erinnert in ihrem Aussehen, ihrem Sprechduktus, ihrer Stimmlage, ihrer Art zu singen unweigerlich an die reale Hildegard Knef, wie sie viele noch aus legendär gewordenen Talkshowauftritten und Konzerten kennen. Hinter der ersonnen, theatralisch-dramatischen Bühnenerscheinung der alten Dame steckt jedoch ein Mann: Ihr Erfinder, ihr Darsteller und sein Alter Ego – Ulrich Michael Heissig. Am Freitag, dem 21. Oktober, um 20 Uhr, schlüpft er im LincolnTheater erneut in seine liebste Rolle „Irmgard Knef“, der 90-jährigen Alters­präsidentin des deutschen Kabarett-Chansons. 

Die hoffnungslose Optimistin lässt am Spätabend ihres Lebens noch mal die Korken knallen – eine satirische Ode an die Vitalität einer unverwüstlichen Berlinerin und wie immer auch eine stilistisch-musikalische Hommage bzw. „Oma-ge“ an die Schwester mit dem großen Namen. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf u .a. beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms, sowie bei allen Ticket-Regional-VVK-Stellen. Der Eintrittspreis beträgt 23 Euro (an der Abendkasse 25 Euro). Im Vorfeld zu seinem erneuten Worms Besuch hat der Wahl-Berliner Ulrich Michael Heissig mit dem NK gesprochen.

NK: Wie entsprang die Idee für die Phantasiefigur „Irmgard Knef“?

UMH: Ich wurde 1965 geboren und so begleiteten mich bereits in frühster Kindheit die Lieder von Hildegard Knef. Vor allem ihre Präsenz als Stargast in Talkshows der 1990er, die Art und Weise, wie sie von sich und ihrem Leben zu berichten wusste, verlangten förmlich nach einer Schwester, die ihr zwar äußerlich ähnelt, jedoch von einem ganz anderen Leben erzählt.

NK: Was macht für Sie die „Faszination Knef“ aus?

UMH: Ihre gesamte Attitüde. Einerseits Diva, aber mit direkter, schnodderiger „Berliner Schnauze“. Selbst die Berliner haben ein ambivalentes Verhältnis zur ihrer Hilde.

NK: Was unterscheidet die beiden Schwestern Hildegard und Irmgard?

UMH: Schließlich unterscheidet die beiden die unterschiedlichen Lebenswege, die sie einschlugen. Hildegard Knef verlässt 1948 für eine Solokarriere Deutschland und somit ihre Schwester. Die Sängerin versucht ihr Glück in Hollywood. Ihre erdachte Schwester hingegen ist weniger vom Glück geküsst und kann lediglich von dubiosen Berliner Hinterhof-Konzerten erzählen. Die eine schwelgt in Erfolg und Glamour, während die andere sich immer durchschlagen muss. Das Programm erinnert  auch an Hildegard, handelt aber tatsächlich vom eigenständigen Blickwinkel, der immer zu kurz gekommenen Irmgard. Daher gebe ich auch nicht einfach irgendwelche Knef-Lieder zum besten, sondern präsentiere nur eigene Texte. Wenn es bei Hilde „rote Rosen regnet“, nieselt es bei Irmgard nur gelbe Nelken. Ein paar Melodien habe ich im Programm zwar eingebaut, aber stets mit neuen Texten, eben Texten von Irmgard, versehen.

NK: 20 Jahre als Irmgard auf der Bühne und noch kein bisschen müde? 

UMH: Irmgard ist noch rüstig und könnte locker noch 17 Jahre von ihrem Leben erzählen, falls Sie anstrebt Johannes Heesters nachzueifern. Seit 1996 habe ich neun Soloprogramme von Irmgard auf die Bühne gebracht. Ich liebe diese Figur einfach – 90 Jahre Lebenszeit bieten einen wahnsinnig großen Kosmos an Geschichten. Irmgard hat dem Publikum noch viel mitzuteilen – so auch, wie sie den Wandel der Zeit erlebte. Auf die Frage, was Telefonzellen seien, antwortete die unkonventionelle Großmutter, die stets bemüht ist mit der Zeit zu gehen, dass diese überdimensionale, begehbare Handys gewesen seien, die einst die Landschaft zierten. Das Publikum bekommt viel zu lachen und da ich das Lincoln-Publikum noch als besonders lachfreudig in Erinnerung habe, freue ich mich schon auf den 21. Oktober. Dann berichtet Irmgard auch von ihren Verwirrungen im Netz, den Erlebnissen beim Seniorentanz und darüber, wie cool sie bleibt, wenn es um das Alter und das Älterwerden geht.

NK: Hat Hildegard Knef ihr Bühnenprogramm einst gesehen?

UMH: Leider nein, da sie schon zu krank war, um eine Show zu besuchen, aber meine erste CD hat sie abgesegnet und mir alles Gute für die Zukunft gewünscht. Ihr Witwer Paul Schell, der ihr 25 Jahre lang zur Seite stand, hat im Januar dieses Jahres eine Aufführung in Berlin besucht. Sein augenzwinkerndes Fazit lautete: „Ich bin froh, nicht solch eine freche Schwägerin gehabt zu haben. Hilde hätte das Programm sicherlich gut gefallen“.

KARTENVERLOSUNG: Irmgard Knef ist eine Cross-Over-Künstlerin der Bereiche Jazz, Chanson, Satire, Kabarett, Parodie, Comedy, Schauspiel. Seit den späten 90er Jahren tourt Ulrich Michael Heissig mit ihr erfolgreich durch das gesamte deutschsprachige Mitteleuropa und war und ist Gast an vielen Schauspielhäusern, fast allen namhaften und traditionsreichen Kabarett-Theatern, Kleinkunstbühnen, Gast auf Satirefestivals, an Bord auf edlen Kreuzfahrtschiffen und in zahlreichen Funk- und Fernsehformaten.  Wer gern am 21. Oktober die „Faszination Knef“ live erleben möchte, sollte schleunigst zu einer Postkarte greifen und diese versehen mit dem Stichwort „IRMGARD“ bis zum 18. Oktober an den Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms, senden. Bitte Telefonnummer angeben, da die Gewinner angerufen werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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