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Von: 12. Oktober 2014 weiterlesen →

Ein „neuer“ Stadtteil ist am Entstehen

Mit den beiden Auftaktveranstaltungen am Freitag wurde das Vorhaben „Grüne Schiene“ endgültig zum Bürgerbeteiligungsprojekt gemacht

OB Kissel diskutierte vor einer riesigen Karte mit den Bewohnern über die Zukunft des Wormser Nordens. Foto: Gernot Kirch

OB Kissel diskutierte vor einer riesigen Karte mit den Bewohnern über die Zukunft des Wormser Nordens. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Das Projekt „Grüne Schiene“ steht für die Entwicklung des weiträumigen Hauptbahnhofumfeldes und erstreckt sich von Neuhausen bis in den Wormser Norden bzw. der nördlichen Innenstadt auf einer Gesamtfläche von 70 Hektar. Damit ist es das größte städtische Entwicklungsgebiet in Rahmen der „sozialen Stadt“ in Rheinland-Pfalz. Der Name „Grüne Schiene“ ist entstanden, weil die DB AG große Teile ihres Bahnhofsgeländes in einer Größenordnung von etwa zwölf Hektar nicht mehr benötigt und diese verkaufen will. Auf diesen Flächen sollen in erster Linie Grünanlagen entstehen.

Landesgartenschau

In den Jahren 2009 und 2010 war ursprünglich angedacht, auf dem zwölf Hektar großen Gelände der Bahn eine Landesgartenschau in Worms durchzuführen, doch hat sich dies zerschlagen, da das Land wohl keine Gartenschauen mehr vergeben und durchführen wird. Somit wurde als Alternative im Jahr 2013 von den Verantwortlichen der Stadt Worms der gedankliche Startschuss zur „Grünen Schienen“ im Rahmen des Städtebauförderprogrammes geben. Im Januar 2014 erfolgte die Zustimmung des Stadtrates.

Aufwertung eines Brennpunktes

Insgesamt sind davon 3.500 Bürger in Neuhausen und 2.500 im Nordend betroffen. Das angesprochene Areal reicht dabei bis in die Bensheimer Straße, die Gaustraße und die Güterhallenstraße hinein. Die Stadt möchte mit der „Grünen Schiene“ eine positive und nachhaltige Entwicklung im Wormser Norden einleiten, so wie es es im Wormser Süden in der Boosstraße funktioniert hat. Wobei das jetzt ins Auge gefasste Gebiet im Wormser Norden wohl mehr als zehnmal so groß ist wie das Vorhaben im Süden. Dabei soll die Förderung des Wormser Nordens sowohl bauliche wie soziale und gesellschaftliche Aspekte beinhalten. Die Entwicklung der „Grüne Schiene“ ist für einen Zeitraum von zwölf Jahren angedacht. Dabei werden zwölf Millionen Euro von Bund und Land in das Gebiet fließen.

Bewohner mitnehmen

Ein ganz wesentliches Element der Förderung ist die Bürgerbeteiligung. Es soll nichts über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden, sondern es ist beabsichtigt, im Dialog mit den Betroffenen die ganze Region nachhaltig voranzubringen, quasi einen neunen Stadtteil mit einem neuen Selbstwertgefühl der Menschen entstehen zu lassen. Eines der wichtigsten Anliegen ist es dabei, dass der Wormser Norden sein negatives Image, das ihm immer noch anhaftet, abstreift. Und dies alles kann nur gelingen, wenn die Bewohner mitmachen.

Auftakt der Bürgerbeteiligung

Am Freitagabend erfolgten die zwei Auftaktveranstaltungen, um die Bürger mitzunehmen und zum Engagement aufzurufen. Zunächst startete um 16 Uhr an der Lukaskirche in der Bensheimer Straße die erste der beiden jeweils anderthalbstündigen Präsentationen, um 18.30 Uhr folgte dann die zweite in Worms-Neuhausen vor dem „Haus der Jugend“ in der Würdtweinstraße.
Zunächst wurde dabei das Gesamtprojekt durch Oberbürgermeister Michael Kissel vorgestellt, dann erläuterte Dr. Sven Fries vom Büro für Stadtberatung die weitere Vorgehensweise. Dr. Sven Fries ist mit seiner Firma bzw. seinem Team so etwas wie der Projektbeauftragte, der die „Grüne Schiene“ nun zwölf Jahre lang federführende betreuen wird. Er verdeutlichte vor den rund 120 Personen, die alleine an der Lukasgemeinde erschienen waren, dass im Wormser Norden etwas mit den Bewohnern zusammen geschaffen werden soll. Er müsse daher erst einmal wissen, was den Menschen am dringensten fehlt, wo sie raschen Handlungsbedarf sehen und was langfristig verändert werden sollte.
Im Anschluss an diese Erläuterungen saßen die Bürger mit Mitarbeitern von Dr. Sven Fries in drei Zelten zusammen und sammelten in einer Dreiviertelstunde erste Idee und Anregungen. Dabei wurde etwa die Notwendigkeit von Treffs für Jugendliche aufgeführt, der Zustand des Lukaskindergartens bemängelt oder mehr Spielplätze gefordert. Viele muslimische Bewohner drückten ihre Sorge über die Zukunft ihres Gemeindezentrums an der Bensheimer Straße aus. Ein häufig genanntes Thema waren bezahlbare und große Wohnung. Auch die bessere Anbindung an den ÖPNV wurde gewünscht und das Thema Sicherheit bzw. die Existenz von Angsträumen spielte eine große Rolle. Alle Aspekte wurden gesammelt und fließen nun in die weitere Arbeit ein.

Weitere Projektarbeit

Doch damit ist die Bürgerbeteiligung noch lange nicht beendet, sondern sie fängt gerade erst an und wird nach den Vorstellungen von Dr. Sven Fries stetig wachsen und zwölf Jahre andauern. Der nächste Schritt ist eine Fragenbogenaktion für alle Einwohner der betroffnen Gebiete. Hierzu erhalte alle Bürger einen Brief zugeschickt. Danach folgte in ein paar Monaten eine Zukunftswerkstatt mit rund 60 Personen, die über die weitere Ausgestaltung diskutieren. Und schon in 2015 sollen die ersten kleinen Projekte anlaufen.

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