Di., 23. Mai 2017
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Von: 28. Januar 2017 weiterlesen →

„Evolutionär unumstößlich“

NK im Gespräch mit Martin Luding / „Caveman“ am 23. Februar um 20 Uhr im Lincoln Theater

Dank seines pointierten Einfallsreichtums und der liebevollen Aufarbeitung tiefer Wahrheiten nebst amüsanter Klischees ist Caveman mehr denn je ein Muss für alle, die eine Beziehung führen, führten oder führen wollen. Foto: Joerg Reichhardt

Dank seines pointierten Einfallsreichtums und der liebevollen Aufarbeitung tiefer Wahrheiten nebst amüsanter Klischees ist Caveman mehr denn je ein Muss für alle, die eine Beziehung führen, führten oder führen wollen. Foto: Joerg Reichhardt

Schon seit Anbeginn der Menschheit versuchen Mann und Frau leidenschaftlich, den gemeinsamen Alltag zu meistern – oder sogar eine Partnerschaft zu führen. Doch erst im aktuellen Jahrtausend liefert Caveman den charmanten Beweis, dass sich die grundlegenden Herausforderungen einer Beziehung auch in Zeiten der 3-Zimmer-Eigentumshöhle und der Jagd auf Smartphones nicht wesentlich geändert haben. Bereits die Vorlage von Rob Becker avancierte zum erfolgreichsten Solo-Stück in der Geschichte des Broadways.

Und auch hierzulande ist Caveman in der Inszenierung von Esther Schweins und der Übersetzung von Kristian Bader seit dem Jahr 2000 ein Bühnen-Dauerbrenner. Seit 2002 ist Martin Luding als CAVEMAN deutschlandweit unterwegs und erntet aktuell in Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Fürth und Ulm Abend für Abend tosenden Beifall. Am  Donnerstag, dem 23. Februar, kommt er ins Wormser LincolnTheater. Karten gibt es im Vorverkauf für 26,30 Euro u.a. beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms.

Der NK hat mit dem Wahl-Stuttgarter über das Stück und geschlechterspezifische Klischees gesprochen.

NK: Seit 2002 mimen Sie den Caveman. Wissen Sie noch ungefähr, wie viele Vorstellungen das insgesamt waren?
M.L.: Oh, das waren bestimmt schon an die 2.000 Vorstellungen.

NK: Setzt es einen dann nicht unter Druck, wenn von einem immer erwartet wird, extrovertiert und mit Freude bei der Sache zu sein?
M.L.: Das dachte ich zunächst auch. Aber während meines Studiums habe ich mit einem Kumpel in Berlin gemeinsam in einer WG gelebt. Er war Musiker in einer Band und ich habe ihn damals gefragt, ob ihm auf Tour nicht zum Halse raushängen würde, jeden Abend das Gleiche zu spielen. Er entgegnete mir, dass eben nicht jeder Abend gleich sei. Und das stimmt!
CAVEMAN macht mir einfach Laune und solange ich damit die Leute erreichen kann, werde ich mit dem Stück auf der Bühne stehen. Die Leute erwarten Spaß zu haben und haben schließlich auch dafür bezahlt, da ist es wohl keine gute Herangehensweise, an manchen Abenden nicht Vollgas zu geben und schließlich macht gerade das Spaß daran. Die Zuschauer würden sofort merken, wenn ich nicht authentisch bin.

NK: Irgendwann ist CAVEMAN zum Kult geworden. Können Sie mit dem Begriff etwas anfangen?
M.L.: Kult ist etwas, zu dem alle in Scharen hinrennen. Von dieser Warte aus gesehen, trifft das auf CAVEMAN mit Sicherheit zu. Ich bin zu der Rolle ja eher wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Was mich aber daran nach wie vor begeistert ist, dass es dem Publikum einen sympathischen Spiegel vorhält und nicht die Moralkeule auspackt. Kult ist für mich, zu sehen, dass bei den Paaren was ankommt und sie nach der Vorstellung noch darüber reden. Herrlich!

NK: Helfen Ihnen Ihre Erkenntnisse über die Abgründe von Männern und Frauen im Privatleben weiter?
M.L: Nicht wirklich. Ich bin nämlich ein sehr ordnungsliebender Mensch. Aber ich erkenne manches schon auch wieder. Auch bei meinen Söhnen und Töchtern stelle ich gewisse Parallelen fest.

NK: Das Stück ist relativ simpel aufgezogen – Männer sind so, Frauen sind so. Finden Sie das Zusammenleben zwischen Männlein und Weiblein wirklich so einfach?
M.L.: Das Stück wurde in den 80er Jahren geschrieben. In den letzten 30 Jahren hat sich das Rollenbild der beiden Geschlechter doch sehr stark verändert. Die Technisierung hat ebenfalls großen Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen genommen. Manche archetypischen Dinge in dem Stück sind evolutionär unumstößlich, andere mussten natürlich überholt werden, schließlich wollen wir ja auch junge Paare ansprechen. Toll ist es, wenn ich Pärchen mit Migrationshintergrund unter den Zuschauern entdecke, die sich genauso wiedererkennen wie Helmut und Traudl. Das liegt vor allem an der wahnsinnig genialen Übersetzung von Kristian Bader. Wichtig ist, dass beide Geschlechter etwas auf die Mütze kriegen…okay, die Männer etwas mehr als die Frauen. Es ist für mich auch nicht immer leicht, die Hauptfigur Tom weder als Weichei noch als Supermacho darzustellen. Das Publikum soll ihn zunächst ja sympathisch finden und sich fragen, wieso dieser Kerl überhaupt von seiner Frau verlassen wurde. Schließlich entblättert er sich dann ja selbst.

NK: Wie war die Zusammenarbeit mit Esther Schweins?
M.L.: Super! Sie ist wie eine Schwester für mich. Wir kennen uns seit den frühen 90ern und Esther ist einfach eine großartige, bodenständige Frau – vielleicht manchmal etwas zu gutmütig. Die Arbeit mit ihr war wirklich harmonisch.

Das Interview führte Vera Beiersdörfer

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