So., 19. November 2017
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Gedenken an Dr. Karl Schlösser

Zusammenfindung vor dem Grab zum Erinnern an seine Tradition

Gedenken an Dr. Karl Schlösser: OB Michael Kissel (links), Familienangehörige, Vertreter des Vereins Warmaisa und des Altertumsvereins erinnern an das große Engagement des Ehrenringträgers der Stadt Worms.

Gedenken an Dr. Karl Schlösser: OB Michael Kissel (links), Familienangehörige, Vertreter des Vereins Warmaisa und des Altertumsvereins erinnern an das große Engagement des Ehrenringträgers der Stadt Worms.

Am 11. November dieses Jahres wäre Dr. Karl Schlösser 100 Jahre alt geworden. An seinem Grab auf dem Friedhof Herrnsheimer Höhe gedachten Oberbürgermeister Michael Kissel mit Familienangehörigen, Vertretern des Vereins Warmaisa und des Altertumsvereins seiner besonderen Verdienste.

„Die Erinnerungskultur hat in Worms eine gute Tradition und sie verbindet sich auch mit Persönlichkeiten wie Dr. Karl Schlösser“, betonte OB Kissel. 1942 wurde Dr. Karl Schlösser in Russland schwer verwundet und kam als Kriegsblinder in seine zerbombte Heimatstadt Worms zurück. Mit seiner Behinderung konnte er seinen erlernten Beruf als Schriftsetzer nicht mehr ausüben, weshalb er das Abitur nachholte und im Anschluss studierte. Im Jahre 1960 wurde er zum Leiter der Wormser Volkshochschule bestellt. Unter seiner Leitung entwickelte sich die vhs zu einer herausragenden Erwachsenenbildungseinrichtung. 

Vor dem Hintergrund prägender Lebenserfahrungen während der NS-Diktatur machten sich Dr. Karl Schlösser und seine Frau Annelore um die Aufarbeitung des Schicksals der Wormser jüdischen Bürger verdient. „Mit dem Aufbau eines beispiellosen Netzwerks der Versöhnung und der Pflege weltweiter Kontakte zu den Überlebenden des Holocausts und ihren Familien ist es Annelore und Dr. Karl Schlösser zuzuschreiben, dass viele jüdische Bürger wieder Kontakt zu ihrer alten Heimatstadt Worms aufnahmen“, erinnerte der Oberbürgermeister. Im Jahre 1984 verlieh ihm die Stadt Worms für sein vielfältiges Engagement den Ehrenring. In Würdigung ihrer unschätzbaren Verdienste wurde zudem 2012 der Platz unweit der Wormser Synagoge nach Annelore und Dr. Karl Schlösser benannt.

„Ich habe Dr. Karl Schlösser stets als bescheidenen, mutigen und willensstaken Menschen erlebt, der sich in vielfältiger Weise für unsere Stadt verdient gemacht hat“, so der Stadtchef. Neben seinen Bemühungen um die Wormser Juden setzte sich der Historiker für die deutsch-französischen  Beziehungen ein, war Vorstandsmitglied im Altertumsverein und unterstützte den Theaterring und die Wormser Kantorei.

Geschrieben in: Worms und Ortsteile