Mo., 27. März 2017
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Von: 16. Februar 2017 weiterlesen →

Luther zum Anfassen

Rotary Club Worms-Nibelungen stiftet Worms ein Tastmodell des Lutherdenkmals

In diesem Jahr jährt sich zum 500. Mal der Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg. Ganz Deutschland feiert dieses Jubiläum der Reformation – auch die Stadt Worms, in der Luther kein Unbekannter war. Worms ist der Ort, an dem Martin Luther, ein „einfacher“ Mönch, vor dem übermächtigen Karl V. seine Schriften widerrufen sollte. Doch der Mönch verweigerte dies unter Verweis auf sein Gewissen.

Das Ereignis stellt eine Zäsur dar, die Europa in der Folge nachhaltig verändern sollte. Im Jahr des Reformationsjubiläums erwartet die Stadt nicht nur zahlreiche Touristen – auch die eigenen Bürger befassen sich intensiv mit der Reformationsgeschichte. Seit 1868 erinnert das Lutherdenkmal von Ernst Rietschel als größtes Reformationsdenkmal der Welt an die Szene von 1521 und die europäische Geschichte der Reformation. In diesem Jahr rückt das Denkmal erneut in das Interesse vieler Menschen.

Aufwändiges Bronzemodell
Um auch blinden Mitbürgerinnen und Mitbürgern und Touristen das Denkmal näher zu bringen, hat der Rotary Club Worms-Nibelungen den Bildhauer Prof. Egbert Broerken damit beauftragt, ein maßstabgetreues Tastmodell des Denkmals zu schaffen. „Zur Herstellung des aufwändigen Bronzemodells benötigt der Künstler etwa neun Monate, so dass das 80 x 80 cm große Modell, das auf einem Kubikmeter großen Granitquader platziert wird, pünktlich zu den Jubiläumsfeierlichkeiten aufgestellt werden kann“, verspricht Kai Hornuf, Präsident des Rotary Club Worms-Nibelungen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung hat er bereits einen geeigneten Platz für das Modell gefunden.

Links vor dem Lutherdenkmal soll es unter einem Baum stehen und ist damit von allen Seiten betastbar. Die Bronzeskulptur gibt Sehbehinderten die Möglichkeit, das Denkmal zu ertasten, zu erfahren und zu begreifen. Tasten ist hier kein Notbehelf, es hat eine eigene Erkenntnisqualität. Insofern ist es nicht nur ein künstlerischer, sondern auch ein menschlicher Beitrag zur Integration behinderter Mitbürger. Die bronzene Skulptur ibt aber nicht nur den blinden Menschen die Möglichkeit, dreidimensionale architektonische, geschichtliche oder touristische Erfahrungen zu machen.

Auch in der sehenden Bevölkerung stoßen die Tastmodelle des Künstlers auf große Resonanz. Jung und Alt, Blinde wie Sehende sollen an diesem Modell miteinander ins Gespräch kommen. Man soll voneinander lernen und sich füreinander interessieren. Der Bildhauer Egbert Broerken, der bereits 50 dieser Modelle gefertigt hat, lebt und arbeitet in einem kleinen Renaissance-Wasserschloss in der Nähe von Soest in Westfalen. Seine Modelle entstehen im Wachsausschmelzverfahren, einer alten handwerklichen Kunst, die Detailtreue und Unverwüstlichkeit der bronzenen Reliefs garantiert. Überall werden die Tastmodelle von Egbert Broerken als große Bereicherung angesehen und sind beliebter Ausgangspunkt für Stadtführungen.

Geschrieben in: Worms und Ortsteile

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