Mo., 24. Juli 2017
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Von: 19. April 2017 weiterlesen →

Neues Vannini-Café in letzter Sekunde geplatzt

Die Vorstellungen von städtischem Haupt- und Finanzausschuss sowie dem Investor Pietro Vannini lagen zu weit auseinander

Nun bleibt es doch wie es ist. Der Traum vom neuen Vannini-Café ist am Mittwochabend zerplatzt. Foto: Gernot Kirch

Nun bleibt es doch wie es ist. Der Traum vom neuen Vannini-Café ist am Mittwochabend zerplatzt. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Die Realisierung des neue Vannini-Cafés auf dem Marktplatz schien am Mittwochnachmittag schon perfekt zu sein. Der Investor Pietro Vannini zeigte in der gemeinsamen Sitzung von Haupt- und Finanzausschuss sowie dem Bauausschuss ein Video-Clip, wie er das Projekt verwirklichen wollte. Hier war auch die Presse und die Öffentlichkeit anwesend. Anschließend tagten die Mitglieder der beiden Ausschüsse noch etwa zwei Stunden hinter verschlossen Türen. Nun ging es um die Finanzen. Und was kaum einer für möglich gehalten hatte, trat ein, das Vorhaben scheiterte. Pietro Vannini zog seine Vorschläge zurück und erklärte das Projekt definitiv für beendet. 

Tiefe Enttäuschung

Am Mittwochabend traten Oberbürgermeister Michael Kissel und Pietro Vannini gemeinsam vor die Presse. Die tiefe Enttäuschung stand beiden Männern dabei ins Gesicht geschrieben. Beide wollten das Projekt unbedingt. Der Stadtchef erklärte, letztlich gingen die finanziellen Vorstellungen von Ausschuss und Pietro Vannini zu weit auseinander. Es lagen nach Aussage von Michael Kissel letztlich drei Varianten auf dem Tisch. Dies waren die Vorstellungen von Pietro Vannini, jene der Stadtverwaltung, die auch OB Kissel unterstützte, sowie die mehrheitlich angenommene des Haupt- und Finanzausschusses. Pietro Vannini wollte und konnte die Vorstellungen von Haupt- und Finanzausschuss nicht akzeptieren und zog daraufhin das gesamte Vorhaben zurück. Und dies sei, so der Italiener, definitiv.

„Kein Investor macht dies!“

Pietro Vannini erklärte gegenüber der Presse. Er respektiere die Entscheidung des Ausschusses, dies sei ein demokratischer Vorgang, aber die Forderungen seien für ihn unannehmbar. Dazu führte er aus, dass er das  zweigeschossige Gebäude für über zwei Millionen Euro komplett finanzieren und bauen wollte. Dies hätte die Stadt nichts gekostet. Darüber hinaus wäre das Gebäude, das auf städtischem Grundstücke errichtet werden sollte, nach 25 bzw. maximal 35 Jahren in den Besitz der Stadt übergegangen. Dazu komme, er zahle jetzt schon, seit 1. Januar 2017, eine hohe Miete an die Stadt. Nach Fertigstellung des Gebäudes hätte er aber noch einmal monatlich rund 900 Euro an die Stadt zahlen sollen, da er vor dem Geschäft keine Stellplätze anbieten könne, und die 900 Euro ein Ablösebetrag für die  fehlenden Parkplätze sei. Dies alles sei zu viel. Kein Investor und kein Geschäftsmann würde dies zahlen. Vanninis Vorstellung war, dass er deutlich weniger Miete zahlen müsse als bisher, da er ja das Gebäude baue und unterhalte.

Dank an Kissel

Ausdrücklich dankte Pietro Vannini Michael Kissel, Baudezernent Uwe Franz und Volker Roth von der Wirtschaftsförderung für deren engagierte Bemühungen, aber letztlich seien die Vorstellungen der Ausschussmitglieder unrealistisch und wirtschaftsfremd. Selbst wenn das Gebäude doppelt so groß würde wie das jetzige, bedeute dies nicht, dass er  die doppelten Einnahmen habe. Er müsse mehr Personal einstellen, für die Reinigung und die Heizkosten aufkommen und das Geschäft zwölf Monate öffnen, auch wenn der Winter keine Spitzenzeit für den Eisverkauf sei.

Das Projekt in Worms sei für ihn, Pietro Vannini, eine Herzensangelegenheit und seine große Leidenschaft gewesen, wegen des Geldes hätte er dies nicht getan.

Wie geht es weiter?

Das Tischtuch zwischen Pietro Vannini und dem Haupt- und Finanzausschuss scheint endgültig zerschnitten und das Projekt gescheitert. OB Kissel sprach davon, dass eine große Chance für die Stadtentwicklung vertan sei.

Pietro Vannini besitzt für das jetzige Gebäude einen Mietvertrag für die nächsten 15 Jahre. Diesen Vertrag möchte er erfüllen und das Eisgeschäft wie bisher im Sommerhalbjahr öffnen. Neben seinen drei weiteren Geschäften in Bad Kreuznach, Weinheim und Neustadt überlegt er jetzt, eine zusätzliche Filiale in Mannheim zu errichten.

Die geplante Aussprache und Entscheidung im Stadtrat entfällt jetzt auch, da Vannini ja das Projekt zurückzog.

Kein Wettbewerbsvorteil

Sucht man nach den Gründen für die mehrheitliche Haltung des Haupt- und Finanzausschusses, gilt es den Gleichheitsgrundsatz zu nennen.  So soll Vannini nicht besser behandelt werden, wie andere, ähnliche Geschäfte. Und die Stellplatzverordnung gilt nach Argumentation der Ausschussmitglieder für alle Geschäfte in Worms gleich, was bedeutet, wer keine Parkplätze vor seinem Geschäft anbieten kann, muss eine Ablöse entrichten. Und bei der Größe des geplanten Vannini-Cafés mit rund 430 Sitzplätzen, seien 30 Parkplätze nachzuweisen oder eben abzulösen.

Video-Clip als Erinnerung

Der bereits veröffentlichte Video-Clip ist somit eine Erinnerung, was hätte sein können. Für Pietro Vannini ist dabei nicht nur bitter, dass ein Traum geplatzt ist, sondern gegenüber der Press betonte er, dass er bereits viel Geld in die Planung, etwa für Architekten, investiert habe. Dies sei nun futsch.

Geschrieben in: Worms und Ortsteile