So., 19. November 2017
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„Nicht mit Not anderer Leute spielen”

Ex-Mieter äußert Unverständnis über Leerstände bei der Wohnungsbau GmbH: Wohnungen trotz Bedarf ungenutzt?

Der Leerstand von Wohnungen, nicht nur in der Alzeyer Straße, erweckt den Eindruck, dass die Wohnungsbau GmbH Worms Wohnraum ungenutzt lässt. Foto: Steffen Heumann

VON STEFFEN HEUMANN | Seit dem Wegfall der Gemeinnützigkeit 1990 bleibt die Wohnungsbau GmbH Worms auf freiwilliger Basis ihrer Unternehmensphilosophie treu und versorgt breite Schichten der Bevölkerung mit Wohnraum. Zudem ermöglicht sie insbesondere einkommensschwachen und sozial benachteiligten Mietern die langfristige Sicherheit preisgünstigen Wohnens. Mehr als 4.000 Objekte sind derzeit nach eigenen Angaben im Bestand. Als größtes Wohnungsunternehmen am Ort sieht sich die Wohnungsbau GmbH Worms als zuverlässiger Partner. Freier Wohnraum in Worms ist knapp, die Nachfrage groß und die Warteliste entsprechend lang.

Um diesem Dilemma entgegenzuwirken, ist die Wohnungsbau GmbH auch auf dem Sektor des Wohnungsneubaus verstärkt tätig. In den vergangenen Jahren wurde dieses Aufgabengebiet vorrangig durch die Liebenauer Feld GmbH, eine 50 %-ige Tochtergesellschaft, wahrgenommen. Die Liebenauer Feld GmbH ist eine Public Private Partnership (PPP) zwischen einem privaten Investor der Bauwirtschaft und dem kommunalen Wohnungsunternehmen der Stadt Worms. Um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wurden für den sozialen Mietwohnungsbau Förderprogramme verbessert und Bauvorschriften gelockert, damit Investoren und Kommunen Projekte schneller realisieren können.

Ziel des Maßnahmenpaketes: Menschen sollen zu vernünftigen Mieten wohnen können! Was aber, wenn vorhandener Wohnraum ungenutzt bleibt, Wohnungssuchende auf Nachfrage nach freien Wohnungen von zuständigen Mitarbeitern der Wohnungsbau GmbH nur vertröstet werden? „Mit Sicherheit kein Einzelfall”, empört sich Harald M. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) und versteht die „Wohnungsbauwelt” nicht mehr. Über Jahre wohnte der Wormser in einer 4-Zimmer-Wohnung im Stadtteil Pfiffligheim.

Tischtuch zerschnitten

Da die große Wohnung nicht mehr benötigt wurde, setzte er die Wohnungsbau darüber in Kenntnis und bat um Zuweisung einer kleineren Wohnung. Die angebotene Alternative in der Judengasse erwies sich als schlechter Scherz. „In Worms eine bekannte Adresse”, erklärt Harald M. gegenüber dem NK. „Von Insekten bewohnt und dringend sanierungsbedürftig”, so M., der das Angebot dankend ablehnte und zwischenzeitlich bei einem privaten Anbieter fündig wurde. Erwartet hätte M., dass nach seinem Auszug umgehend ein Nachmieter in seiner 4-Zimmer-Wohnung Einzug hält. Mitnichten! Stattdessen wurde ihm seitens der Wohnungsbau mitgeteilt, dass das Mietverhältnis nicht beendet sei und er bis Jahresende die Wohnung noch zu heizen habe.

Zudem wurde er aufgefordert, einen nicht existenten Speicher zu räumen. Da M. auch erfolgreich einer nicht gerechtfertigten Mietpreiserhöhung widersprochen hatte, war das Tischtuch seitens der Wohnungsbau GmbH scheinbar zerschnitten. Weiterer Beleg war die Mahnung zur Abgabe der Wohnungsschlüssel, die M. nachweislich 10 Tage zuvor bereits ausgehändigt hatte.

Beobachtungen nur subjektiv?

„Alles ist dokumentiert, es gibt für jeden Vorgang einen Beleg”, äußert M. nach weiteren Recherchen den Verdacht, dass die Wohnungsbau nicht nur mit ihm solche „Spielchen” treibe und er kein Einzelfall sei. Inzwischen verweist M. auf den ihm bekannten Leerstand in Pfiffligheim von mindestens vier Wohnungen. Auch im Wormser Norden gäbe es Wohnungen, die seit längerer Dauer nicht vermietet seien. Auf der anderen Seite gäbe es Menschen, die dringend eine Wohnung suchen. „Meine Wohnung könnte seit Mitte September vermietet sein, steht aber leer”, schüttelt Harald M. nur noch den Kopf über diese Handhabung.

Dass eine Bekannte mit Verweis auf seine freie Wohnung erst eine Zusage, dann aber wieder eine Absage erhalten habe, spreche Bände, so M., der sich auch an die Politik gewandt hat. Es könne ja schließlich nicht sein, dass Fördermittel für den Neubau von kommunalem Wohnungsbau in Anspruch genommen werden und vorhandener Wohnraum trotz großer Nachfrage ungenutzt bleibe, meint der frühere Wohnungsbau-Mieter.  „Mit der Not anderer Menschen spielt man nicht”, bedauert M., dass nicht nur aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen bei der Vergabe von Wohnungen durch einige Wohnungsbau-Mitarbeiter wenig transparent verfahren werde.

Wohnungsbau dementiert

Stefan Hoffmann, Geschäftsführer der Wohnungsbau GmbH Worms, verneint die Frage, ob die Wohnungsbau GmbH Worms verfügbaren und bezugsfertigen Wohnraum ungenutzt lässt. „Im Rahmen der Vorbereitung von Kernsanierungen bemühen wir uns jedoch Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Sanierungsmaßnahme mieterverträglich umgesetzt werden kann. Dies bedingt einen vorübergehenden Leerstand in den betroffenen Liegenschaften”, erklärt Hoffmann.

Maginale Leerstandsquote

„Die Leerstandquote über den gesamten Wohnungsbestand lag zum 31. Oktober 2017 für unser Unternehmen bei 1,78 %. Über 50 % dieses Leerstandes ist bedingt durch Mieterwechsel und stellt einen kurzfristigen Leerstand dar. Weitere 34 % entfallen auf modernisierungsbedingten Leerstand. Diese Wohnungen sind im Augenblick nicht bezugsfertig”, entgegnet der Wohnungsbau-Geschäftsführer dem subjektiven Empfinden, dass Wohnungen aus eigenen Liegenschaften trotz Bedarf ungenutzt bleiben.

 

 

Geschrieben in: Worms und Ortsteile