Mi., 18. Oktober 2017
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Von: 12. Juli 2017 weiterlesen →

Schwere Zeiten für Zuckerrübenanbauer

CDU-Politiker diskutierten mit Verband über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Am Freitag trafen sich die Europaabgeordnete Birgit Collin-Langen, MdB Jan Metzler sowie die Landtagsabgeordneten Christine Schneider und Adolf Kessel (alle CDU) zum Gespräch mit Vertretern des Verbandes sowie der Südzucker AG in der Zuckerfabrik Offstein. Anlass des Treffens war die aktuelle Diskussion um das geplante flächendeckende Verbot der Neonicotinoide, von dem insbesondere auch der hessisch-pfälzische Zuckerrübenanbau stark betroffen wäre. Auch generell tauschte man sich zum Thema Pflanzenschutz aus, wo sich die Landwirtschaft aktuell sehr kritischen Entwicklungen gegenübersieht.

Gutachten abwarten

„Wir stehen auf Ihrer Seite“, machten die CDU-Abgeordneten bereits zu Beginn des Gespräches klar. Collin-Langen kritisierte insbesondere, dass die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag zu einem flächendeckenden Neonicotinoid-Verbot vorgeprescht sei noch bevor das für November geplante diesbezügliche EFSA-Gutachten vorgelegt wurde. „Wenn man ein Gutachten in Auftrag gibt, dann muss man auch erst einmal das Ergebnis dieses Gutachtens abwarten!“ so Collin-Langen. Sie wandte sich außerdem gegen den Pauschalvorwurf „Wer nicht für ein Neonic-Verbot ist, ist gegen Bienenschutz.“ „Das ist ganz einfach nicht sachgerecht“, so die Europaabgeordnete. „Hier muss nach bienenrelevanten und nicht bienenrelevanten Kulturen differenziert werden. Und in der Zuckerrübe ist eine Bienenproblematik durch Neonics nun einmal kein Thema, vor allem weil sie nicht blüht!“

Bienen als Thema

Christine Schneider pflichtete dieser Aussage bei. „Es gibt keine Partei, die nicht für den Bienenschutz ist“, machte sie deutlich. „Aber wir müssen die Diskussion wissenschaftlich fundiert führen. Und Fakt ist: Die größten Feinde der Biene sind die Varroa-Milbe und der Klimawandel.“ Verbandsgeschäftsführer Dr. Christian Lang erklärte, dass ohne die Neonicotinoide keine wirksamen Insektizide gegen die Grüne Pfirsichblattlaus mehr für den Zuckerrübenanbau zur Verfügung stünden. „Die Blattlaus würde uns überrollen“, so seine Einschätzung. Damit stünde vor allem der Biorübenanbau ganz schnell vor dem Aus, warnte der Verbandsvorsitzende Walter Manz. Denn dieser profitiere bisher davon, dass der Schädling von den konventionell wirtschaftenden Nachbarn in Schach gehalten werde.
Christine Schneider monierte generell eine „fehlende Ehrlichkeit“ in der Diskussion um Pflanzenschutzmittel. „Wir werden immer Pflanzenschutz brauchen, um unsere Ernährung zu sichern“, so ihre klare Aussage.

Pflanzenschutz notwendig

„In Deutschland steht die Pflanzenschutzmittelzulassung vor einem kompletten Kollaps“, sprach Verbandsgeschäftsführer Lang hier jedoch eine grundsätzliche Warnung aus. Seit 2013 sei kein Zulassungsantrag mehr fristgerecht entschieden worden. Zusätzlich verschärft werde die Situation jetzt durch die geänderte EU-Zulassungsverordnung mit ihrem Umstieg von einem risikobasierten auf einen rein gefahrenbasierten Ansatz. Der drohende Verlust der Neonicotinoide sei somit zwar ein „herausragendes Problemthema“, aber bei weitem nicht das einzige.
„Pflanzenschutz ist heute leider Gegenstand von blindem Aktionismus auch auf europäischer Ebene“, identifizierte Schneider die Grundproblematik. Die anwesenden Abgeordneten versprachen in diesem Sinne, sich weiterhin nachdrücklich gegen eine „Emotionalisierung“ und für eine Rückkehr zu Entscheidungsprozessen auf der Grundlage von wissenschaftlichen Fakten einzusetzen.

 

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