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Über Glaube, Gott und das Haus am Dom

Dompropst Tobias Schäfer stand dem Nibelungen Kurier für ein Interview zu aktuellen Fragen zur Verfügung / Teil I

Dompropst Tobias Schäfer vor dem Rohbau des Hauses am Dom. Foto: Gernot Kirch

Dompropst Tobias Schäfer vor dem Rohbau des Hauses am Dom. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Seit rund zweieinhalb Jahren ist Tobias Schäfer Dompropst in der Nibelungenstadt. Von seinem Vorgänger übernahm er das bei den Wormser Bürgern umstrittene Projekt „Haus am Dom“. Über dieses Thema, wie auch über weitere Fragestellungen sprach er mit dem Nibelungen Kurier. Lesen Sie heute den ersten Teil des Interviews. Am Samstag erscheint die Fortsetzung, in der es um Kirchenaustritte, das Zölibat, den Glauben an Gott sowie die Frage nach dem Sinn des Lebens geht.

NK: Sie sind seit September 2014 Dompropst in Worms, war es Ihr Wunsch in die Nibelungenstadt zu kommen oder wird man auf solch einen Posten einfach versetzt?

Schäfer: Ich hatte gar nicht daran gedacht. Ich war sechs Jahre lang Pfarrer in Ingelheim und dort sehr zufrieden. Dann sprach mich 2013, kurz vor Weihnachten, Karl Kardinal Lehmann an, ob ich Dompropst in Worms werden wollte. Ich zögerte und erbat mir Bedenkzeit, dann kam der Kardinal im Frühjahr 2014 erneut auf mich zu und schließlich willigte ich ein.

NK: Nach Abschluss ihres Studiums wurden Sie im Jahr 1992 Priester. Was waren die wichtigsten Stationen ihres Berufswegs und wo haben Sie die entscheidenden Erfahrungen gemacht?

Schäfer: Im Jahr 1985 nahm ich das Studium der katholischen Theologie in Mainz auf und lebte in dieser Zeit im Priesterseminar in der Augustinerstraße. Sehr interessant war in dieser Phase ein Auslandsjahr an der Universität in Salzburg. An das Examen schlossen sich zwei Jahre Pastoralkurs an, was so etwas wie die praktische Ausbildung ist. Ab 1992 war ich Kaplan in Alzey und ab 1994 in der gleichen Funktion in Seligenstadt. Von 1995 bis 1998 nahm ich als Bischofskaplan die Aufgaben des Sekretärs des Bischofs wahr, ehe ich für zehn Jahre Pfarrer in Ober-Flörsheim war und schließlich 2008 die Pfarrstelle in Ingelheim annahm und dort bis zur Berufung als Dompropst tätig war.

NK: Was schätzen Sie an Worms?

Schäfer: Der Menschenschlag in Rheinhessen ist schon besonders. Ich mag die Offen- und Direktheit. Die Leute sagen spontan und ehrlich, was sie denken. Als Dompropst habe ich es mit vielen Milieus zu tun, das macht meine Tätigkeit abwechslungsreich und interessant. Dazu kommt natürlich die lange Geschichte und Tradition der Stadt.

NK: Was gab für Sie den Ausschlag den Beruf des Priesters zu ergreifen oder exakter, wann und wie spürten Sie, dass dies ihre Berufung ist?

Schäfer: Bereits als Kind, so mit zehn oder zwölf Jahren, wollte ich Pfarrer werden. Ich war Messdiener und mit der Erstkommunion verfestigte sich der Wunsch. Meine Eltern waren gläubig, aber nicht übermäßig religiös. Der Kirchgang sonntags gehört zu meiner Kindheit und hat mich auch irgendwie geprägt, wobei meine Eltern über meinen Wunsch schon überrascht waren. Meine Mutter sagte anfangs: „Dein Onkel wollte dies auch, als er ein Kind war, aber das hat sich wieder gelegt.“ Bei mir war dies anders, mein Wunsch verfestigte sich.

NK: Hätten Sie sich einen anderen Beruf vorstellen können?

Schäfer: Ich habe mich immer für Landwirtschaft begeistert. Als Kind habe ich mit meinen Eltern und meinen fünf Geschwistern immer auf dem selben Bauernhof Ferien gemacht. Das hat mir gefallen.

Seit rund zweieinhalb Jahren ist Tobias Schäfer Dompropst in Worms. Foto: Gernot Kirch

Seit rund zweieinhalb Jahren ist Tobias Schäfer Dompropst in Worms. Foto: Gernot Kirch

NK: Was macht ein Dompropst eigentlich den ganzen Tag? Viele Bürger wissen nur, dass Sie sonntags den Gottesdienst halten?

Schäfer: Ich habe einen sehr abwechslungsreiche Tätigkeit mit einer ganz breiten Facette von Aufgaben. Die Arbeit fängt morgens um 8 Uhr an. Meist habe ich einen vollen Terminkalender, dieser reicht von Gesprächen bei der Stadtverwaltung, etwa zum Weihnachtsmarkt, über Treffen mit Baufirmen bezüglich des Hauses am Dom bis hin zu den Gottesdiensten, Beerdigungen oder Taufen. Ich habe Verantwortung für unseren Kindergarten. Als Dekan und als Vorsitzender des Caritasverbandes fällt auch in diesen Bereichen viel Arbeit an. Meistens habe ich eine Sieben-Tage-Woche und dies bis in den Abend hinein, denn mit Menschen, die ehrenamtlich aktiv sind, kann man sich zu den Sitzungen und Gesprächen nur abends treffen.

NK: Beim Haus am Dom wurde am 17. Februar Richtfest gefeiert, die Fertigstellung ist für Herbst 2017 geplant. Wie zufrieden sind sie mit dem Fortgang der Bautätigkeit?

Schäfer: Wir liegen rund vier Wochen hinter dem Zeitplan, aber es sind nur Kleinigkeiten, an denen es hängt. Die Fertigstellung wird aber wie beabsichtigt im Spätjahr 2017 erfolgen.

NK: Von Ihrem Vorgänger, Dompropst Engelbert Prieß, haben Sie das „Haus am Dom“ quasi geerbt, wie glücklich waren Sie darüber und hätten Sie die Entscheidung in Kooperation mit dem Bistum Mainz und den beiden Gemeinden ebenso getroffen?

Schäfer: Ich stehe voll und ganz hinter dem Projekt. Bevor ich mein Amt in Worms antrat, hatte ich mich schon intensiv mit dem Haus am Dom beschäftigt, etwa die Machbarkeitsstudie gelesen. Wir haben uns auch immer wieder mit neuen Alternativvorschlägen beschäftigt: Alle genannten Varianten waren am Ende zu teuer, nicht realisierbar oder zu aufwendig. Bei einem Umbau des Liobahauses hätte es etwa Probleme mit dem dort beheimateten Kindergarten gegeben. Ich wusste, welche Diskussionen in Worms stattfinden und was auf mich zukommt.
Ich finde die Architektur des Hauses am Dom für gelungen und halte den Standort für richtig. Durch das Gebäude kommt etwa der Kreuzgang wieder besser zur Geltung und erhält seinen ursprünglichen Charakter zurück. Beim Haus am Dom geht es ja auch nicht um ein x-beliebiges Vereinsheim, sondern um einen ganz zentralen Aufenthaltsort in Worms, der repräsentativ sein sollte. Und dies auch in Anbetracht der vielen Touristen, die jedes Jahr den Dom besuchen.

NK: War die Realisierung des Hauses am Dom den Zwist in der Stadt wert, besonders wenn man sieht, welch tiefer Riss durch die Wormser Bevölkerung geht?

Schäfer: Wir haben das Haus am Dom ja nicht aus Sturheit durchgesetzt, sondern weil wir davon überzeugt sind. Selbstverständlich gibt es auch das Recht gegen das Vorhaben zu sein, aber eben auch das Recht, ein Projekt, von dem man überzeugt ist, zu realisieren.

NK: Wie groß sind die Freude und die Erwartung der Mitglieder der beiden Gemeinden St. Peter und St. Martin auf das Haus am Dom? Oder will bei all der Kritik und allem Widerstand keine rechte Freude aufkommen?

Schäfer: Die Vorfreude ist absolut vorhanden. Beim Richtfest vor einigen Wochen konnte man das spüren. Ich war selbst überrascht, wie viele Gemeindemitglieder und Bürger anwesend waren und sich mit dem Haus am Dom identifizierten.

NK: Glauben Sie, dass die Wormser Bürger sich mit dem Haus am Dom aussöhnen oder wird dies ewig ein Zankapfel bleiben?

Schäfer: Ich weiß es nicht, dazu kenne ich die „Wormser Seele“ noch zu wenig. Ich hoffe aber, dass das Haus so gut und überzeugend wird, dass sich im Laufe der Zeit die meisten Bürger mit dem Haus am Dom anfreunden können und es als Gewinn für die Stadt ansehen. Aber klar: Zurzeit gibt es noch viele Gegner und einige werden es wohl lange bleiben.

Geschrieben in: Worms und Ortsteile