Mo., 11. Dezember 2017
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Ein satirischer Anschlag aufs Zwerchfell

Ingmar Stadelmann gastiert mit seinem neuen Programm #HUMORPHOB am 16. Dezember um 20 Uhr im LincolnTheater

"Political correctness darf kein Todschlagargument für Pointen sein" – Ingmar Stadelmann kommt am 16. Dezember ins LincolnTheater.

„Political correctness darf kein Todschlagargument für Pointen sein“ – Ingmar Stadelmann kommt am 16. Dezember ins LincolnTheater.

Mit seinem aktuellen Programm  „#humorphob“ wurde Ingmar Stadelmann bereits mehrfach preisgekrönt und gewann u. a. den Jury und Publikumspreis des großen Kleinkunstfestivals 2015. Ausserdem gabs 2016 den Stuttgarter Besen. In seiner gewohnt bissigen Art schafft er es die Grenzen zwischen Kabarett und Comedy aufzulösen. Seine Humorfarbe: schwarz, schmerzbefreit und sau komisch. In #humorphob stellt sich Ingmar Stadelmann dem Kampf gegen die Humorlosigkeit mit den ihm dafür zur Verfügung stehenden Waffen: humoristischen Kalaschnikows, der Pointen-Geiselnahme, der Terror-Punchline oder als Selbstgag-Attentäter. Revolutionär, charmant, provokant, irre! Zum Tourfinale kommt er am Samstag, dem 16. Dezember, um 20 Uhr ins Wormser LincolnTheater. Wir haben im Vorfeld mit dem Comedian über sein Unverständnis für Humorlosigkeit gesprochen.

NK: Wie kam es dazu, dass der Sohn eines CDU-Politikers aus Sachsen-Anhalt ein Leben auf der Showbühne anstrebte?
I.S.: Ich habe meinen Vater damals nicht so häufig gesehen, er war sehr engagiert. Politiker zu sein bindet stark ein und ist zudem nicht so populär. Als Politiker muss man sich immer irgendwelchen Diskussionen stellen und Kompromisse eingehen, das ist nicht so mein Ding. Dafür bin ich zu egozentrisch. Auf der Bühne kann ich sagen, was ich möchte. Aber vielleicht kommt meine Zeit noch, in der ich mich politisch mehr engagieren möchte.

NK: Von Salzwedel zog es Sie bereits in jungen Jahren nach Berlin, wo sie erste Erfahrungen in der Klein-Kunstszene sammelten. Wie kam es dazu, wo Sie doch ursprünglich nach Köln gehen wollten?
IS.: Ja, in Berlin habe ich mich zunächst auf kleinen Klein-Kunstbühnen und Open-Stages in meinem Fach versucht. Heute ist das viel einfacher mit der Nachwuchsförderung, das Angebot an Open-Mic-Veranstaltungen etc. ist viel größer. Eigentlich wollte ich nach Köln gehen, aber aus künstlerischem Aspekt und nun ja, da gab es so eine Frau (grinst), wurde dann die Hauptstadt draus.

NK: Was wurde aus der Frau?
I.S: Nach drei Monaten war sie weg. Aber ich bin froh, dass sich die Dinge so entwickelt haben und ich in Berlin gelandet bin.

NK: Ist Comedymachen in Deutschland ein schweres Los?
I.S.: Kommt immer darauf an, was man vom Publikum fordert. Ich bemerke immer eine Grenze zwischen einem urbanisierten und einem ländlichen Publikum. Das ist völlig wertfrei, aber tatsächlich kommen unterschiedliche Dinge in städtischen und ländlichen Gebieten unterschiedlich an. Das ist für mich der eigentliche Schnitt in unserer Gesellschaft und die Herausforderung, das auf der Bühne richtig umzusetzen.  Aber ansonsten finde ich, Comedian ist ein sehr privilegierter Job – ich schlafe morgens so lange ich will, arbeite abends zwei Stunden und werde Vollzeit bezahlt.

NK: In Ihrer Showankündigung heißt es „#humorphob hebt die Grenze zwischen Comedy und Kabarett auf“.
I.S.: Überhaupt eine Unterscheidung zwischen Comedy und Kabarett zu machen ist typisch deutsch. In den USA ist es völlig normal, dass auch ein Stand-Up Comedian über Politik sprechen kann und eine Haltung hat. Ich versuche diesen deutschen Widerspruch aufzulösen. Ich finde auch über Politisches darf in jeder Beziehung über die Maße gelacht werden. Entscheidend bei Humor ist nicht, was man auf der Bühne erzählt, sondern wie man es erzählt.

NK: Wie politisch ist denn Ihr Programm?
I.S.: Mein „Super-Ich“ unterhält das Publikum auf der Bühne mit allem, angefangen von Geschichten über meinen Hund, bis hin zum islamischen Staat. Die Realität ist eben manchmal einfach lustig genug.

NK: Was verstehen Sie unter Ihrem „Kampf gegen die Humorlosigkeit“?
I.S.: Na ja, es hat sich so eine Form von Angst-Humor breitgemacht. Die Leute nehmen Humor zu ernst – bestes Beispiel ist die Böhmermann-Affäre oder auch der Anschlag auf Charlie Hebdo. Da haben Menschen Humor als so bedrohlich empfunden, dass sie Menschen die Witze machen, erschossen haben. Immer wenn etwas emotional nah kommt, fällt der Satz: „Da hört der Spaß auf!“ Dabei fängt er da eigentlich erst an. Ich möchte, dass mein Publikum völlig frei und schmerzbefreit lachen kann. Political correctness darf kein Todschlagargument für Pointen sein. Das Publikum darf sich sicher sein, dass hier der Spaß nicht aufhört und es eben erlaubt ist zu lachen – auch wenn es „nicht korrekt“ ist. Die Maxime lautet: Comedy ist ein Kann-Angebot! Man muss nicht alles lustig finden.

NK: Kennen Sie Worms?
I.S.: Oh ja, ich habe schöne Erinnerungen an Worms. Bei meiner letzten Tour habe ich eine der ersten Show im Lincoln gespielt, da dachte ich, diesmal beenden wir die Tour dort! Ich hoffe, ganz viele Wormser finden am 16. Dezember ins LincolnTheater, um erneut einen schönen Abend mit mir zu verbringen.

 

Tickets gibt es im Vorverkauf u.a. beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms, sowie bei allen bekannten Ticket Regional-Vorverkaufsstellen.

Das Interview führte Vera Beiersdörfer

Datum/Zeit
Datum - 16.12.2017
20:00 - 23:15

Ort
LincolnTheater

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