Mo., 20. November 2017
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Von: 19. April 2017 weiterlesen →

Wann geht es vierspurig weiter?

Ausbau der B 47 als Verbindung zwischen Autobahnen auf hessischer und rheinland-pfälzischer Seite kommt schleppend voran

Die B 47 verläuft über zwei Rheinbrücken vierspurig von Worms nach Hessen. Schon vor dem Rosengarten verengt sie sich auf zwei Spuren und führt mitten durch den Ort. Im Berufsverkehr sind Staus an der Tagesordnung.

Die B 47 verläuft über zwei Rheinbrücken vierspurig von Worms nach Hessen. Schon vor dem Rosengarten verengt sie sich auf zwei Spuren und führt mitten durch den Ort. Im Berufsverkehr sind Staus an der Tagesordnung. Foto: Klaus Manneck

Von Gernot Kirch & Benjamin Kloos | Der Spatenstich für die neue Wormser Rheinbrücke erfolgte 2005 und nach einer Bauzeit von rund dreieinhalb Jahren wurde das 745 Meter lange Bauwerk im Jahr 2008 für den Verkehr freigegeben. Daran schloss sich die Vollsperrung und Generalsanierung der „alten“ Rheinbrücke an, die im September 2013 wieder dem Verkehr übergeben wurde.

Ab diesem Zeitpunkt rollen die Autos und Lastwagen vierspurig von Worms aus über den Rhein nach Hessen. Dies funktionierte umso reibungsloser, da auf rheinland-pfälzischer Seite auch alle Zufahrtsstraßen und Rampen zur Brücke hin neu und großzügig ausgebaut wurden. Die Verkehrsinfrastruktur in Rheinhessen war also weitgehend vorhanden. 

Die noch fehlende, vierspurige Südumgehung B 47 neu um Worms herum wird mit Baukosten von 36 Millionen Euro noch im Jahr 2017 angepackt. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2022 geplant.

Doch was nutzt der großzügige Ausbau von Brücken und Straßen in Rheinland-Pfalz, wenn es in Hessen mit dem Ausbau der Bundesstraße 47 gewaltig klemmt. Denn für den Autofahrer, der aus Worms kommt, ist mit dem zügigen Vorankommen spätestens im hessischen Rosengarten Schluss, da es ab dort nurmehr zweispurig mit Höchstgeschwindigkeit 50 weitergeht – wenn diese „Spitzengeschwindigkeit“ überhaupt erreicht wird.

Denn gerade morgens und abends im Berufsverkehr sind von der Wormser Rheinbrücke an bis zu den beiden hessischen Autobahnen A 5 und A 67 Staus angesagt.

Dabei ist die B 47 ja als Verbindungsspange zwischen der rheinland-pfälzischen Autobahn A 61 über Worms bis hin zu den beiden hessischen Autobahnen A 5 und A 67 konzipiert.

Wieso keine Absprachen?
Seit 2013 warten die Rheinland- Pfälzer sehnsüchtig darauf, dass sie möglichst vierspurig um den Rosengarten und Bürstadt herum in Richtung Autobahnen kommen. Aber dies wird wohl noch dauern. Und so quälen sich die täglich rund 24.000 Fahrzeuge durch den Rosengarten.

Die große Frage bei dem Projekt ist: „Warum gab es zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen keine bessere Koordinierung und kein zeitgleiches Vorgehen bei der Realisierung?“ Es drängt sich der Eindruck auf, als mache jedes Bundesland hier so „sein eigenes Ding“.

Der Rhein scheint mehr als eine Landesgrenze zu sein, ihm kommt schon fast der Charakter einer Demarkationslinie zu. Und wenn dies beim Verkehr schon hapert und knirscht, wie mag es bei Polizei, Bildung und Terrorbekämpfung aussehen?

Im Berufsverkehr sind Staus rund um den Rosengarten an der Tagesordnung. Die meisten Bürger sehnen daher die Ortsumgehung herbei.

Im Berufsverkehr sind Staus rund um den Rosengarten an der Tagesordnung. Die meisten Bürger sehnen daher die Ortsumgehung herbei. Foto: Benjamin Kloos

Der NK sprach mit dem rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten Adolf Kessel (CDU) über die Problematik. Dieser glaubt nicht, dass dies mit den unterschiedlichen Parteibüchern der jeweiligen Landesregierungen zu tun hat, zumal die Grünen an beiden Landesregierungen beteiligt sind. Insgesamt räumt Adolf Kessel aber ein, dass die Kontakte auf lokaler Ebene intensiver sein könnten.

Der Landtagsabgeordnete Jens Guth (SPD) sagte zu der Problematik: „Im Grund gibt es eine gute Zusammenarbeit der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz, was die länderübergreifende Zusammenarbeit bei Verkehrsprojekten betrifft.

Beispielsweise der Bau der Schiersteiner Brücke (A 643). Beim Thema B 47 (neu) scheint es aber etwas anders gelagert zu sein, denn diese Maßnahme steht beim Land Hessen wohl leider nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. 

Warten auf Baubeginn 
Der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel erläuterte gegenüber dem NK, dass auf hessischer Seite erst mit den Planungen für einen vierspurigen Ausbau der B 47 begonnen werden konnte, nachdem der endgültige Standort der zweiten Wormser Rheinbrücke feststand und Baurecht vorlag.

Zudem wies Kissel daraufhin, dass die Bedingungen auf der hessischen Seite schwieriger sind als in Rheinland-Pfalz, weil in Hessen in besonderer Weise private Belange, insbesondere der Landwirte, betroffen sind.

Die jetzt favorisierte Lösung mit der Ortsumgehung des Rosengartens ist aus Sicht von OB Kissel für die Bewohner des Rosengartens mit einer erheblichen Verbesserung ihrer Lebensqualität verbunden, während diese Lösung massiv in landwirtschaftliche Interessen eingreift. Die damit verbundenen Konflikte seien der Kern des rechtlichen Verfahrens. Weiter führte der Wormser Stadtchef aus, dass er mit seiner Kollegin Barbara Schrader in Bürstadt und seinem Kollegen Gottfried Störmer in Lampertheim zwar gelegentlich über die Problematik spreche, aber die Federführung für das Verfahren beim Regierungspräsidium in Darmstadt bzw. beim hessischen Verkehrsministerium liege.

Natürlich passiert in Hessen etwas, aber insgesamt geht es sehr schleppend voran. Seit Sommer 2015 liegt für für die Ortsumgehung Rosengarten der Planfeststellungsbeschluss vor. Auf einer Länge von 3,6 Kilometern soll der Rosengarten von 80 Prozent des Verkehrs entlastet werden. Derzeit wird dieser Beschluss jedoch beim Verwaltungsgerichtshof in Kasselbeklagt, sodass dieser noch keine Rechtskraft besitzt. Ob und wann Baurecht vorliegt und die Bauarbeiten beginnen, kann zurzeit niemand mit Gewissheit voraussagen.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe des NK am Samstag den detaillierten Planungsstand in Hessen und wie die Chancen der Realisierung sind.

 

Geschrieben in: Aus dem Nibelungenland

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