Do., 14. Dezember 2017
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„Wichtiger Mosaikstein im Gesamtkonzept”

Hochwasserschutz im Altrheingebiet: Spatenstich für Neubau des Schöpfwerkes Eich / Investition zum Schutz der Menschen

Ein Teil des Maßnahmenpaketes zum Hochwasserschutz am rheinland-pfälzischen Oberrhein ist neben der Deichertüchtigung der Neubau eines Schöpfwerkes in Eich. Der Spatenstich hierfür wurde am Mittwochnachmittag im Beisein von Ulrike Höfken, Ministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten, sowie Projektverantwortlichen der SGD Süd und Repräsentanten der Verwaltung, vollzogen. Foto: Steffen Heumann

VON STEFFEN HEUMANN Der Hochwasserschutz ist ein zentrales Thema der Landesregierung. In den letzten 25 Jahren wurde in Rheinland-Pfalz über eine Milliarde Euro in unterschiedliche Maßnahmen investiert. Zu den Hochwasserschuzanlagen am Rhein zählt auch das Schöpfwerk in Eich. Nach fast 90 Betriebsjahren wird das 1928 erbaute Werk durch einen 2,6 Millionen Euro teuren Neubau ersetzt, nachdem im Rahmen einer Zustandsbewertung 2011 Mängel und ein erheblicher Sanierungsbedarf festgestellt wurden.

„Ein wichtiger Mosaikstein im Gesamtkonzept”, so Hans-Jürgen Seimetz, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd), die im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz die Hochwasserschutzanlagen am Rhein plant und baut. Als komplexe Aufgabe, bei der viele Interessen zu berücksichtigen seien, beschrieb Seimetz das Vorhaben, das nur in einer Solidargemeinschaft durchgeführt werden könne. Er freue sich, dass der Einspruch durch den Naturschutzbund zurückgezogen wurde, nachdem sich die Parteien darauf verständigt hatten, aufgrund der veränderten Tiefenlage eine Solschwelle ins Gewässer einzubringen.

Mammutvorhaben im Dialog mit den Bürgern

Ministerin Ulrike Höfen verwies auf die Notwendigkeit der Maßnahmen, da die Gefahr durch Hochwasser in der wunderschönen Altrheingegend durchaus existenzielle und lebensbedrohende Auswirkungen haben könne. Die Bedeutung des 850 Hektar umfassenden Reserveraumes mit einem Fassungsvermögen von 28 Millionen Kubikmetern sei enorm. Der Neubau mit vier effektiven Pumpen sei daher im Zusammenhang mit dem geplanten Maßnahmen gegen Extremhochwasser im Raum Eich-Guntersblum zu sehen, der durch den Schutz der Niederungen vor binnenseitiger Überflutung ergänzt werde. „Ein Mammutvorhaben, das aber immer im Dialog mit den Bürgern umgesetzt werde”, unterstrich die Ministerin die Bedeutung des Projektes, das auch aus Mitteln des nationalen Sonderrahmenplanes „Präventiver Hochwasserschutz” gefördert werde.

Dr. Helge Wendenburg, Ministerialdirektor im Bundesumweltministerium, brachte es auf den Punkt: „Wer nicht deicht, der weicht”, weiß der gebürtige Husumer aus eigener Erfahrung um die Relevanz von Hochwasserschutzmaßnahmen. Flüsse nehmen wieder mehr Raum ein, Deiche werden zurückgebaut, aber im Ernstfall müsse das Wasser aus der Fläche raus, hob Wendenburg den Stellenwert eines modernen Schöpfwerkes hervor, dass durch seine Effizienz auch die Stromkosten der Gemeinden reduziere.

Abwägung und Ausgestaltung

Die Medaille habe zwei Seiten, zeigte Verbandsbürgermeister Maximilian Abstein Verständnis für das „Dauerthema Hochwasserschutz” und wertete den Spatenstich als wichtigen symbolischen Handlungsakt. Insgesamt würden die Gefahren durch das Hochwasser durch die Maßnahmen gesenkt, fügte Abstein an. Am Leinpfad werde zudem ein neuer Durchlass mit ausreichendem Gefälle geschaffen. 40 Prozent der Gesamtkosten von 110.000 Euro trage dabei die Gemeinde Eich. Klaus Willius, Bürgermeister der Ortsgemeinde Eich, hofft, dass alle Zweifel beseitigt werden. Auf detaillierte Erklärungen der Experten setzt Willius in einem weiteren Bürgergespräch. Dass der Altrhein als größtes Schilfgebiet in Süddeutschland als Stauraum ausgewiesen werden soll, sei nicht für Jedermann plausibel. „Es ist nicht einfach mit uns!”, schloss Klaus Willius. Professor Hans-Jürgen Seimetz entgegnete, dass seitens der Projektverantwortlichen weiterhin ein möglichst breiter Beteiligungsprozess gewünscht sei, um den Anliegen aller Interessengruppen Rechnung zu tragen.

Geschrieben in: Aus dem Nibelungenland, VG Eich

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