Sa., 23. September 2017
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Worms aufs Fahrrad setzen

Radschnellwege sind bundesweit am Entstehen und sollen auch den Verkehr in der Nibelungenstadt revolutionieren / Grüne präsentieren Idee

Mit attraktiven Radschnellwege sollen die Menschen zum Umsteigen vom Auto auf das Bike bewegt werden. Foto: Gernot Kirch

Mit attraktiven Radschnellwege sollen die Menschen zum Umsteigen vom Auto auf das Bike bewegt werden. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Die Pläne für den Bau von Radschnellwegen nehmen überall in Deutschland rasant Fahrt auf. Egal, ob Berlin, Köln oder das Ruhrgebiet, in fast jedem Ballungsraum werden Strecken geschaffen oder neu gebaut. Viele Leser aus Worms werden sagen, Radwege, die haben wir auch in der Nibelungenstadt. Doch hinter Radschnellwegen verbirgt sich etwas ganz anderes, als auf „Autostraßen“ mit weißen, gestrichelten Linien ­schmale ungeschützte Korridore zu zeichnen.

Mit Radschnellwegen sind längere Strecken gemeint, die vom Auto- und Fußverkehr getrennt verlaufen. Die Hauptnutzer sollen Menschen sein, die rasch von Punkt A zu B gelangen wollen, also etwa tägliche Berufspendler, die zwischen 5 und 15 Kilometern zurücklegen. Und dies kann entweder mit herkömmlichen Rädern oder E-Bike geschehen. Menschen, die zur Arbeit fahren, sollen mit diesen attraktiven Strecken motiviert werden, vom Auto aufs Rad umzusteigen und damit den Straßenverkehr und die Parkplatznot in Kernstädten deutlich zu entlasten. Wichtige Merkmale eines Radschnellweges sind die Breite von etwa vier Metern, um ein Überholen zu ermöglichen, sowie ein größtenteils gerader und kreuzungsfreier Verlauf, damit ein zügiges Fahren gewährleistet ist. Zusätzlich soll ein Radschnellweg über hochwertige Beleuchtung und eindeutige Wegweisung verfügen und im Winter geräumt werden.

Umdenken in den Köpfen

Radschnellwege erfordern ein Umdenken in den Köpfen, eine Abkehr von der Bevorzugung des Autos und natürlich Geld, denn wie beschrieben, macht solch eine „Fahrrad-Autobahn“ nur Sinn, wenn sie unabhängig herkömmlicher Straßen und Kreuzungen verläuft. Zweckmäßig ist auch, wenn die Schnellwege immer wieder Bahnhöfe oder Stationen von Bussen und Bahnen ansteuern, sodass etwa bei schlechtem Wetter ein Umsteigen möglich ist.

Grüne gehen voran

Die Wormser Grünen haben nun eine erste Idee entwickelt, wie solch ein Radschnellweg-Netz für die Nibelungenstadt aussehen könnte. Das Grundkonzept sieht dabei fünf dieser „Bike-Highways“ vor, die sternförmig von den Stadtteilen in die City gelangen (siehe dazu die Grafik). Alle Himmelsrichtungen bzw. Vororte wären damit an die Kernstadt angebunden. Ein Schnellweg würde von Rheindürkheim nach Worms führen, die anderen von Abenheim, Pfeddersheim, Heppenheim sowie der Karl-Marx-Siedlung bzw. Weinsheim. Ziel ist dabei, den Anteil des Radverkehrs in Worms von derzeit 12 Prozent auf mittelfristig 25 Prozent zu erhöhen. Damit soll das Pkw-Aufkommen in der Innenstadt verringert werden. Und natürlich tut jeder der radelt etwas für seine Gesundheit und das Klima. Eigentlich alles Pluspunkte, wenn die Finanzierung nicht wäre. Denn die vier Meter breiten Trassen müssen ganzjährig befahrbar, also asphaltiert sein. Dazu kommt gegebenenfalls eine Beleuchtung. Will man also Radschnellwege, die den Namen verdienen, wird man nicht umhinkommen, Finanzmittel aus dem Topf für „Autostraßen“ umzusteuern. Darüber hinaus ist das Thema inzwischen auf der Tagesordnung von Bund und Land. Richard Grünewald von den Wormser Grünen forderte daher vehement, dass Worms hier jetzt rasch handelt und sich bei der Landesregierung um entsprechende Summen bemühen solle, da im Doppelhaushalt 2017/18 des Landes bereits entsprechende Mittel für Radschnellwege vorgemerkt seien. Doch neben den Geldern, so Richard Grünwald, sei es entscheidend, dass ein Paradigmenwechsel vor sich gehe und das Rad nicht mehr nur als Freizeitspaß für sonntags, sondern als Verkehrsmittel angesehen werde. Mit dem E-Bike könnten auch von nicht ganz so sportlichen Menschen ganz andere Dis­tanzen zurückgelegt werden.

Fünf Radschnellwege sollen sternförmig in das Zentrum führen. Grafik: Blum

Fünf Radschnellwege sollen sternförmig in das Zentrum führen. Grafik: Blum

Anschluss an Rheinhessen und Metropolregion

Die fünf Radschnellwege der Nibelungenstadt sollen keine isolierten Strecken nur für Worms bilden, sondern an das entsprechende überregionale Netz der Metropolregion Rhein-Neckar sowie an jenes in Rheinhessen angeschlossen werden. Somit wäre auch ein rasches Radeln nach Mannheim oder Mainz möglich. Richard Grünewald verweist auf andere Städte, wie Freiburg und Münster, die hier schon viel weiter seien. Neben den Niederlanden als klassischem Radland, bauten etwa auch die USA konsequent Radschnallwege aus. Und selbst in London entstünden gerade „Bike-Highways.“ Die Wormser Grünen möchten mit ihren Ideen den Anstoss für eine Diskussion geben, sodass rasch eine erste Pilotstrecke von Pfeddersheim nach Worms realisierte werden könne.

Lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe am Samstag (25. März), wo genau dieser Radschnellweg mit Beginn am Pfeddersheimer Bahnhof verlaufen soll.

Geschrieben in: Osthofen, Worms und Ortsteile

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