Sa., 23. September 2017
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Von: 19. März 2017 weiterlesen →

Zuversicht und Sorgen im Handwerk

Stilvoller Frühjahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Alzey-Worms mit hoch interessanter Rede und in angenehmer Atmosphäre

Kreishandwerksmeister Bernd Kiefer hielt ein beeindruckende Rede. Foto: Gernot Kirch

Kreishandwerksmeister Bernd Kiefer hielt ein beeindruckende Rede. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Die Kreishandwerkerschaft Alzey-Worms hatte am Sonntagmorgen zu ihrem traditionellen Frühjahrsempfang ins Bürgerhaus nach Flörsheim-Dalsheim eingeladen. Rund 80 Teilnehmer konnten begrüßt werden. Die meisten der Gäste waren natürlich aus dem Handwerk, aber auch Vertreter aus Landes- und Kommunalpolitik fanden den Weg nach Flörsheim-Dalsheim.

Zunächst richtete der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Alzey-Worms, Dirk Egner, das Wort an die Gäste. Im Fokus stand hierbei der Zugewinn an neuen Mitgliedern. Im weiteren Verlauf berichtete er von den zahlreichen Aktivitäten des vergangenen Jahres, wie etwa der Präsenz beim Rheinland-Pfalz-Tag. Auch wies er auf das Kursangebot hin, welches zum Beispiel in Kooperation mit dem Malteserhilfsdienst den Mitgliedern zur Verfügung steht. Auch Seminare zu rechtlichen Fragestellungen erfreuten sich großer Akzeptanz. Dirk Egner betonte die große Service- und Beratungsfunktion der Körperschaft. Abschließend sagte er, dass die Kreishandwerkerschaft innovativ und längst in der Moderen angekommen sei.

Duale Ausbildung als Erfolgsmodell

Die Hauptrede des Tages hielt Kreishandwerksmeister Bernd Kiefer. In gewohnt lockerer und souveräner Art, stets mit Humor gespickt, referierte er über alle wichtigen Themen, welche die Handwerkerschaft betrifft und bewegt. Er sparte nicht mit Lob, legte aber auch den Finger in die Wunde, wo es notwendig war.

Zunächst forderte er, dass die Meisterpflicht beibehalten bleibt. Im weitern Verlauf hob er die Bedeutung und Qualität des duales Ausbildungssystems hervor. Die Aufgabe sei es hierbei, gerade auch die Eltern von Jugendlichen über die Chancen einer Lehre zu informieren. Eine Meisterprüfung sei wie ein Bachelor-Abschluss, damit stünde den jungen Menschen ein Studium offen. Zudem seien deutsche Meister weltweit gefragt, eine internationale Karriere sei eine von zahlreichen Optionen. Bernd Kiefer erinnerte auch daran, dass jeder, der die Meisterprüfung erfolgreich ablegt, vom Land Rheinland-Pfalz eine Prämie von 1.000 Euro erhalte. Wer sich darüber hinaus selbstständig mache, bekommen weitere 2.500 Euro vom Land.

Offen für Zuwanderer

Ein wichtiger Aspekt war es für Bernd Kiefer, dass im Handwerk Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten ihre Chance bekommen. Für Hass sei bei den Handwerksbetrieben kein Platz.

An den Pranger stellt der Kreishandwerksmeister die Schwarzarbeit. Hierzu führte er aus, dass Firmen immer wieder gefragt werden: “Macht ihr dies auch ohne Rechnung?“ Er wies daraufhin, dass Schwarzarbeit Steuerbetrug und strafbar sei, ein Umstand, der einigen Kunden nicht ganz bewusst sei. Verärgert sagte er: „Ich habe noch nie gehört, dass jemand bei der Führerscheinstelle frage: Geht es auch ohne Rechnung. An Handwerkern wird die Frage aber gerichtet.“

Jeden Tag schließen zwei Bäcker

„Die Auftragsbücher im Baugewerbe sind voll“, stellt Bernd Kiefer stolz fest, fügt dann aber besorgt an: „Jeden Tag schließen in Deutschland zwei Bäcker und ein Metzger.“ Das Problem sei hier der Kundenwunsch. „Billig und immer billiger!“ Hier könnten eben viele Bäcker und Metzger nicht gegen Ketten antreten, die etwa mit Aufbackstationen billige Brotprodukte präsentierten. Viele Metzger könnten nur mit einem Catering-Service überleben, aber dies bedeute, statt 35 oder 40 Stunden nun 70 zu arbeiten.

Umbruch im KFZ-Gewerbe

Die größte Veränderung werde es in den nächsten Jahren im KFZ-Handwerk geben, so Bernd Kiefer. Die Elektromobilität werde nicht nur die Produktionsverfahren der Automobilhersteller nachhaltig umwandeln, sondern auch die Werkstätten und den Beruf des Mechatronikers. Schon jetzt stelle sich aber die KFZ-Innung auf diesen Wandel ein. Gerade in der letzten Woche habe das EWR diesbezüglich an die KFZ-Innung einen Ausbildungssatz überreicht.

Geschrieben in: Aus dem Nibelungenland

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