Sie sind hier: Home » Aus dem Nibelungenland » Genuss für Augen, Ohren, Leib und Seele
08.50 Uhr | 6. Mai 2013

Genuss für Augen, Ohren, Leib und Seele

Weltpilgertag und Rheinhessisches Pilgerfest: Sonne satt

Bei bestem sonnigem Wetter startete das Rheinhessische Pilgerfest und gleichzeitig auch der erste Weltpilgertag, der von der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland e.V. initiiert wurde. Viele Besucher wollten dabei sein und somit war die Resonanz geradezu grandios bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen. Den Tag zu gestalten unter dem Motto ‚Pilgern verbindet’, folgten sie.

Im MITEINANDER beteiligten sich entlang des Pilgerweges von Ockenheim bis Worms kirchliche, politische Gemeinden und einige Privat-Initiativen mit ihren vielen ehrenamtlichen Helfern am diesjährigen Pilgerfest, das von Spendern gefördert wurde.

Aber der Reihe nach: Schon morgens begann der Tag in einigen Gemeinden mit einem aufbauenden Pilgergottesdienst sowohl in der ev. Heidenturmkirche Dittelsheim-Heßloch (Pfarrerin Schaab beteiligt sich schon seit den Anfängen der Pilgerfeste 2001), der kath. Kirche Philippus und Jakobus in Sulzheim, in der Klosterkirche auf dem Jakobsberg, in der Klosterkirche in Pfaffen-Schwabenheim als auch in der hochgotischen ev. Kirche St. Johann besonders beeindruckend mit den tiefgehenden Predigten. So gut gerüstet und motiviert machten sich die Pilger auf den Weg.

Gleich zwischen sechs Pilgertouren mussten sich die Besucher entscheiden. In Ockenheim führten Pater Rochus und Helmut Becker die Interessierten auf dem alten Pilgerweg stetig bergauf zum Kloster auf den Jakobsberg und informierten dabei über die historischen Aspekte, die christlichen Traditionen des Pilgerns und der Pilgerrouten. Bei meditativen Texten, Lauschen der Musik oder bei der Filmvorführung zum Kloster konnten sich die Teilnehmer entspannen und von dem Anstieg erholen.
Die Hungrigen und Durstigen pilgerten ein paar Schritte weiter zum Laurenziberg und stärkten sich dort im „gemütlichen Feuerwehrhaus“, das von der Bürgerinitiative „Lebenswerter Laurenziberg“ bewirtet wurde. Wer noch etwas Kultur mitnehmen wollte, nahm an der Kirchenführung in der gotischen Wallfahrtskirche teil.

Die zweite und dritte Führung startete in Wallertheim mit unterschiedlichen Intentionen. Der Verein „Unser Wallertheim“ setzte dabei seine interessanten Ideen in Zusammenarbeit mit Vendersheim und Gau Weinheim um: Machten sich die einen auf zur spannenden Führung „Pilgern im Sinne der fünf Elemente“ wurden die anderen nach Ober-Hilbersheim „verfrachtet“ und pilgerten auf dem „Direkten Pilgerweg“ zurück über Wolfsheim. Auf dem Zwischenstopp in der ev. Kirche in Vendersheim genossen sie meditative Orgelmusik interpretiert von Herrn Scheuermann.

Am „Geografischen Mittelpunkt Rheinhessens“ in Gabsheim startete die vierte Pilgergruppe, begleitet auch von einigen Vierbeinern, dem Menschenfreund Hund. Mehr als fünfzig Personen erfreuten sich an dieser Berg- und Taltour, durch hohes Gras, über Bächlein aber auch über asphaltierte Wege, geführt von Vera und Ludwig Schott. Das Ziel Saulheim erreichten die Pilger zufrieden und gestärkt nach Rast in Schornsheim und Udenheim sowie der gelungenen Kirchenführung in der kath. Kirche in Udenheim.

Die fünfte Gruppe, die Georg Regner leitete, pilgerte ab Spiesheim auf der „Alternativ-Schleife“ über Ensheim, Wörrstadt-Rommersheim bis Sulzheim vorbei an den weithin gelbleuchtenden Rapsfeldern, den löwenzahnübersäten Feldern und Weinbergen. Empfangen wurden sie von der Sulzheimer Bürgermeisterin, die zum Pilgermahl in die Gemeindehalle einlud. Unterhalten wurden sie dabei von den schmissigen Klängen des Kath. Musikvereins. – Wer wollte konnte am Kerbegeschehen, das am gleichen Tag stattfand, teilnehmen und mit dem Autoscooter eine Runde drehen. Aber auch der eine oder andere Mohrenkopf wurde als Dessert verdrückt. Abschließend erfreuten sich die Augen der Teilnehmer noch an den wunderschönen, beeindruckenden Fotografien der Künstlerin Li Gassner im „Alten Trafoturm“.

Unter der Leitung von Jürgen Mank, dem Sprecher der Regionalgruppe „Rheinhessen“ der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland, begann die sechste große Pilgergruppe ihre Pilgerwanderung in der ev. Kirche von Rommersheim, mit den Erläuterungen zum barocken Gotteshaus durch Klaus-Günter Brand, der einige klassische Stücke auf der imposanten Orgel kredenzte. Im schönsten Sonnenglanz pilgerte die Gruppe über den Panoramaweg bis sie wieder auf dem Pilgerweg Wörrstadt erreichte. Geführt von Thomas Renner durch die evangelische Laurentiuskirche, die aus einer romanischen Basilika entstanden ist, waren die Teilnehmer überrascht, dass die barocke Stummorgel in der Kirche mehr als 2.000 Pfeifen aufweist und sogar über ein Glockenspiel verfügt. – Ihr Pilgerweg führte sie weiter zum Sulzheimer Schildbergturm mit seiner beeindruckenden Aussicht, Von der Ortsbürgermeisterin Gudrun Kayser wurden sie dort begrüßt. Nach dem Augenschmaus wurden sie von Karl-Heinz Kayser, als Jakobspilger gekleidet, an der Kirche von Sulzheim erwartet. Gekonnt launig führte er sie durch die, den Aposteln Philippus und Jakobus geweihte, Kirche. Dabei war auch zu erfahren, dass aufgrund dieses Patronats die Gemeinde Sulzheim die Jakobusmuschel im Wappen führt. Nach einem Rundgang über den Künstlermarkt schloss sich der Kreis dieser Pilgertour mit dem Weg nach Rommersheim. Der Pilgertag klang für diese Gruppe mit einem zünftigen Pilgerimbiss im Weingut Ullmer aus.

Mit den Worten: „Fünf Euro und sie bekommen einen Ablassbrief für ihre Sünden“ begrüßte verschmitzt lächelnd, die Gästeführerin Frau Listmann die Teilnehmer und zeigte auf die Kopie einer alten besiegelten Urkunde. Das war der Start des sehr informativen Rundgangs durch Worms unter dem Motto “Die viel wallfahren werden selten selig”. Bei der Tour durch und vom Dom St. Peter, zur Dreifaltigkeitskirche, dem Dominikanerkloster St. Paulus mit seinem Heidenturm (Vier Pilgermuscheln sind an der Außenfassade zu finden), der St. Martinskirche und der Liebfrauenkirche, erfuhren die Teilnehmer vieles über Heilige, ihre Reliquien, über Prozessionen und um Freud und Leid der Pilgersleit´. Die Unterschiede zwischen Pilgern (meist ein fernes Ziel), Wallfahren (regional) und Prozessionen (vor Ort) erklärte sie. Zum Abschluss las Frau Listmann mit einem Augenzwinkern ein paar Zeilen aus der frommen Helene von Wilhelm Busch: ‚Aus dem Tale zu der Höhe, in dem seligen Gedränge andachtsvoller Christenmenge fühlt man froh des andern Nähe; Denn hervor aus Herz und Munde, aus der Seele tiefstem Grunde haucht sich warm und innig an, Pilgerin und Pilgersmann….‘

Abgerundet wurde der Pilgertag für viele z.B. mit der Teilnahme an der Vesper auf dem Jakobsberg, der Marienvesper in der St. Martinskirche in Worms, oder in Pfaffen-Schwabenheim, die musikalisch umrahmt wurde von „Chorale Augustiense“.

Natur pur in der schönen Hügellandschaft Rheinhessens, mit ihren atemberaubenden Aus- und Weitblicken, beim Pilgern zu genießen, das war gerade bei Teilnehmern, die zum ersten Mal dabei waren, eine überraschende Erkenntnis. Erfreut hörten Sie, das in einigen Gotteshäusern der röm.-kath. Kirche und der ev. Kirche Propstei Rheinhessens um Punkt 12 Uhr, mit dem Glockenläuten, ein gemeinschaftliches ökumenisches Zeichen gesetzt wurde.

Das Fazit vieler Besucher: Das harmonische, friedliche Miteinander so vieler Altersgruppen, Gespräche über Gott und die Welt, die bunte Vielfalt der unterschiedlichsten Aktivitäten hatten ihren besonderen Reiz. Das Kompaktpaket von Gottesdiensten, über Pilgern, Kunst, Musik- und Filmvorführungen, Besichtigungen sowie Kirchen-Führungen bis hin zum kulinarischen Schlemmern war so einladend, dass sie auf jeden Fall wiederkommen wollen. Dieser gelungene Pilgertag machte Lust auf das nächste Pilgerfest.

Aktuelles und Interessantes zum Pilgern sind unter www.jakobusgesellschaft.eu zu finden.Beitragsbild

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

Geschrieben in Aus dem Nibelungenland

Kommentare sind geschlossen