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Allein in einer fremden Welt

Ambitioniertes Kurzfilmprojekt zur Förderung von Integration / NK im Gespräch mit Wormser Produktionsassistent Aimé-Jipsy Mikona

Schauspieler und Filmemacher Joél Sansi.

Schauspieler und Filmemacher Joél Sansi.

VON LEONIE AHLERT | Wie fühlt man sich allein in Deutschland? Allein in einer fremden Welt, mit anderer Sprache, anderer Kultur und anderen Werten?

Das beschreibt Londri Mingolo-Tite in seinem Buch über seine dreijährige Reise vom Kongo nach Deutschland und die Zeit nach seiner Ankunft. Nun soll seine Geschichte unter Regie von Joél Sansi und mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne und größeren Sponsoren verfilmt werden.

Mit im Team, in der Position des Produktionsassistenten, ist niemand anderes als der in Worms wohnende Aimé-Jipsy Mikona, der auch gerade seine dritte Nominierung zum Jugend-Engagement-Preis Rheinland-Pfalz bekannt gegeben hat.

Der NK traf sich am vergangenen Wochenende mit Aimé und bekam alle Fragen zum geplanten „Elefantenprojekt“ beantwortet.

NK: Wie bist du zu diesem Projekt gekommen?
Aimé: Schauspieler und Filmemacher Joél Sansi. Wir haben bereits mehrere Kurzfilme gemeinsam mit meiner Aktion „Worms macht die Klappe auf“ zusammen gedreht und als er mir von seiner neuesten Idee erzählte, musste ich gar nicht lange überlegen.

NK: Was ist deine Aufgabe und was möchtet ihr mit eurem Film erreichen?
Aimé: Ich unterstütze die Produktionsleitung und übernehme auch sonst viele anfallende Aufgaben, wie beispielsweise die Koordination der Schauspieler. Der Film soll ein Gewinn für die Integration werden, er ist ein Integratives Projekt. Es gibt so viele Menschen, die nach Europa gekommen sind und es durch den Kulturschock anfangs nicht leicht hatten. Oft war auch der Weg hierher eine einzige Odyssee. Integration ist kein kurzer oder einfacher Weg und das möchten wir den Deutschen verständlich machen.

NK: Ihr sucht auch weiterhin nach Sponsoren und die Crowdfunding-Kampagne ist auch noch im vollen Gange, wie werden eure Unterstützer in dieses Projekt integriert?
Aimé: Wer beim Crowdfunding mitmacht, soll natürlich nicht leer ausgehen. Wir haben einige Goodies und Prämien für unsere Sponsoren geplant, von einer namentlichen Erwähnung mit Dankeschön im Abspann bis hin zu einem Flug mit uns nach Afrika und prozentualen Anteilen am Film.

NK: Was ist deine Motivation, an diesem neuen Projekt mitzumachen?
Aimé:Bisher konnte ich bei meinen vorherigen Projekten schon beobachten, wie Menschen erreicht wurden, die ähnliches durchgemacht haben, oder solche, die einfach verstehen wollen und bereit waren, sich und die Gesellschaft zu hinterfragen und neu zu denken.
Ich selbst bin in Deutschland geboren und kenne die offene Kultur hier viel besser als die in der demokratischen Republik Kongo. Auch ich habe durch die Arbeit an Joéls Film einen neuen Blickwinkel auf das ganze erhaschen können. Viele der Flüchtlinge aus dem Kongo fliehen nicht vor der Wirtschaft, sondern vor Krieg und Unruhen. Unsere deutsche Kultur kann sich nicht zu 100 Prozent hineinversetzen, aber wir können zuhören, lernen und versuchen zu verstehen.

NK: Du bist jetzt zum dritten Mal Preisträger des Jugend-Engagement-Preises Rheinland-Pfalz, was begeistert dich an ehrenamtlichen Projekten?
Aimé: Mich begeistert, dass ich die Möglichkeit habe, etwas an unsere Gesellschaft zurückzugeben, die mir so vieles ermöglicht hat. Wenn ich in sozialen Netzwerken Nachrichten bekomme, in denen sich Menschen bedanken, meine Ideen teilen und fördern, dann sehe ich, dass sich diese Arbeit lohnt.

Eine Szene aus dem Kurzfilm „Von Kongo nach Deutschland“, der bereits 2018 abgedreht wurde.

Eine Szene aus dem Kurzfilm „Von Kongo nach Deutschland“, der bereits 2018 abgedreht wurde.

NK: Wie geht es weiter? Hast du Pläne für die Zukunft?
Aimé: Mit meinem guten Freund Fabian Jaschik vom Kurzfilm „Wischmobb“, bei dem wir uns mit dem Thema Mobbing in sozialen Netzwerken beschäftigt haben, habe ich gerade eine neue Idee entwickelt. In unserem nächsten Dreh möchten wir uns mit dem Thema Drogen und Suchtprävention beschäftigen. Das ist schon länger ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und womit wir gemeinsam Missbrauch vorbeugen wollen.

NK: Ihr plant auch im Kongo zu drehen, was bedeutet das für dich?
Aimé: Ich habe meine Wurzeln im Kongo, war aber selbst noch nie dort. Für mich ist es eine spannende Reise in die Vergangenheit meiner Familie. Toll daran ist, dass wir Londris Geschichte so nah wie möglich an der Erzählung entlang verbildlichen können. Die Kulisse soll das Buch so genau wie möglich widerspiegeln.

NK: Die Dreharbeiten haben noch nicht begonnen, wie geht es derzeit hinter den Kulissen zu?
Aimé: Sobald das Crowdfunding abgeschlossen ist, geht es richtig los. Ab Mai etwa wissen wir dann auch, mit welchem Budget wir rechnen können. Es ist schwierig, in Deutschland Filmförderung zu erhalten, aber das schreckt uns nicht ab. Das Drehbuch ist bereits in Arbeit, Joél schreibt es selbst. Bevor wir anfangen zu drehen, wollen wir bereits ein erstes Mal nach Afrika geflogen sein, damit wir schon einmal geeignete Kulissen aussuchen und auch die Lage abschätzen können. Sollte es im Kongo zu gefährlich sein, weichen wir auf eines der Nachbarländer aus. Bald stehen dann auch schon die ersten Castings an.

Unterstützer gesucht
Die Wormser können also gespannt sein, was das Team dort auf die Beine stellt. Joél Sansi plant das Projekt bereits seit zwei Jahren, direkt nach dem ersten Lesen des Buchs „Allein in einer fremden Welt“ war klar: Das muss auf die Leinwand! Wer Joél, Aimé, das Team und das Projekt unterstützen möchte, kann sich noch unter https://www.kickstarter.com/projects/152874795/alone-in-a-strange-world-the-movie?lang=de näher über den Film informieren und an der Kampagne teilnehmen oder einfach Aimé über die sozialen Netzwerke anschreiben.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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