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Auch nach 30 Jahren eine Katastrophe

Verein SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. gedenkt im April 2016 der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl / Noch immer kein Ende der gesundheitlichen Folgen in Sicht

Strahlende Gesichter gab es bei einem durch den Verein gesponsertem Kinderfest.

Strahlende Gesichter gab es bei einem durch den Verein gesponsertem Kinderfest in Kiew.

Den Strahlentod kann man nicht hören, nicht sehen und nicht riechen, aber er kommt unerbittlich. Am 26. April 1986 geschah der von vielen seit langem befürchtete Atom-GAU, der größte anzunehmende Unfall, der in einem Kernkraftwerk auftreten kann. Wenige Tage später kannte die ganze Welt den Namen des Lenin Kraftwerkes in der Nähe von Tschernobyl in der Ukraine, in dem es zu der katastrophalen Kettenreaktion gekommen war.

Große Mengen an radioaktiven Stoffen gerieten in die Atmosphäre und verseuchten ganze Landstriche. In der Welt entstanden viele Hilfsvereine, die den von der Reaktorkatastrophe betroffenen Menschen helfen wollten. So auch in Deutschland. Die Idee, in Eich einen Hilfsverein zu gründen, hatten Rolf Konersmann, Stefan Konersmann und Harald Christ im Jahre 1991. Bis die zur Vereinsgründung erforderlichen sieben Personen gefunden waren, die rechtlichen Grundlagen geschaffen wurden und der Verein in das Vereinsregister in Worms eingetragen war, verging ein Jahr, in dem die ersten Kontakte zu ukrainischen Ärzten und Familien hergestellt wurden.

Hilfe für Strahlengeschädigte
Seit 1992 bis zum heutigen Tage kann der Verein auf 78 Hilfsgütertransporte – meistenteils mit angemieteten Lastwagen (40 Tonnern) – zurückblicken, beladen mit medizinischem Gerät, Krankenhausausstattungen, Medikamenten, Kleidung und Lebensmitteln. Viele strahlengeschädigte Menschen aus der Ukraine, darunter Liquidatoren, Frauen und Kinder, konnten nach Deutschland eingeladen werden und Hilfe bei deutschen Ärzten und in deutschen Kliniken erhalten. Der Verein half, ein Kinder- und Familienerholungsheim in Ochakov am Schwarzen Meer zu erstellen und zu unterhalten, spendete u.a. eine Operationslampe für die Kardiologie der damals größten Herzklinik in Kiew und unterstützte über Jahre eine Kinderklinik in Kiew-Desniansky. Leider gab es auch traurige Anlässe während der fast 24-jährigen Hilfstätigkeit. So ist leider im Jahr 2015 ein fünfjähriges Mädchen, das einen Kopftumor hatte und dessen Familie durch den Eicher Verein unterstützt wurde, die Kosten für die Klinik in Dortmund zu bezahlen, nach über einer einjährigen Behandlung verstorben. Auch mussten die Vereinsmitglieder den Tod eines der ersten nach Deutschland eingeladenen Tschernobylkinder beklagen, das seit mehr als zwanzig Jahren Kontakt zu ihren Gasteltern in Flörsheim-Dalsheim hatte und nun als junge Frau mit 32 Jahren durch ein Brustkrebsleiden ihre zwei kleinen Kinder zurücklassen musste.

1.500 Gastkinder seit 1992
Seit 1992 führt der Verein Kindererholungsmaßnahmen für Kinder aus den Familien der Tschernobylopfer durch. Mittlerweile sind es 44 Erholungsmaßnahmen in der Region mit über 1.500 Kindern. Da die ersten Tschernobylkinder mittlerweile erwachsen und bereits selbst Eltern sind, gibt es jetzt Kinder- und Familienerholungsmaßnahmen. Weitere Erholungen für kranke Kinder und Jugendliche, die nicht nach Deutschland kommen können, wurden für diesen Personenkreis am Schwarzen Meer durchgeführt. Der Verein führt auch zweimal jährlich stattfindende Informationsfahrten für eine Woche in die Ukraine durch. Mittlerweile sind es 47 Reisen mit über 700 Teilnehmern geworden. Diese leben eine Woche in einer ukrainischen Familie, die Mitglied in unserer Partnerorganisation „Landsleute“ (Zemlyaki) in Kiew ist. Wir unterstützen die Projekte dieser ältesten Nichtregierungsorganisation in Kiew. Hierbei handelt es sich in erster Linie um Hilfe für bedürftige Kinder und Rentner.

Leider ist die Ukraine auch heute noch dringend auf die Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Der Weg vom Kommunismus in die Demokratie ist ein sehr schwieriger und diese Hilfe soll ein kleiner Beitrag zum Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses sein. Die Hilfe wird in der Ukraine sehr anerkannt, sei es vom Staatspräsidenten, dem Außenminister oder dem Oberbürgermeister der Stadt Kiew, Dr. Vitali Klitschko, die alle die Arbeit gewürdigt haben.

SOS `86 – Kinder von Tschernobyl e.V. ist ein selbstständiger Verein, er gehört keiner Dachorganisation an und finanziert sich aus Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen wie z.B. der Benefiz-Gala am 6. November 2015 in der Oppenheimer Katharinenkirche mit namhaften internationalen Künstlern. Hier möchtesich der Vereinsvorstand erneut bei dem Stadtbürgermeister und Mitglied des Deutschen Bundestages, Marcus Held sowie dem Beigeordneten der Stadt Oppenheim Hansjürgen Bodderas bedanken, die den Verein tatkräftig unterstützt haben. Als nächstes Projekt wird die Durchführung einer Dialogveranstaltungsreihe mit Studenten der größten ukrainischen Universität sein. Hierdurch soll zur Förderung von Dialog und Verständigung mit der Zivilbevölkerung beitragen  werden.

Weitere Informationen über den Verein findet man auf derWebseite www.sos-kindervontschernobyl.de.

Der Verein lädt Interessierte zur 48. Informationsfahrt in die Ukraine im Juni 2016 ein und sucht für die 45. Kinder- und Familienerholungsmaßnahme im August noch Gasteltern. Interessierte können sich beim 1. Vorsitzenden des Vereines Rolf Konersmann, Telefon 06246/7466, melden.

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