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10.11 Uhr | 28. Juli 2022
JÜDISCHES LEBEN: Ein Jahr UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz

Auszeichnung und Verpflichtung zugleich

Am 27. Juli 2021 – genau vor einem Jahr – war es soweit. Die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz wurden durch das Welterbekomitee zum UNESCO-Welterbe erklärt. Sie sind damit die 50. deutsche Welterbestätte und die erste Welterbstätte zu jüdischem Leben in Deutschland.
„Mit der Aufnahme der SchUM-Stätten in die Welterbeliste im Juli 2021 wurde ein starkes Zeichen und ein Bekenntnis zum Judentum als Teil der deutschen Geschichte gesetzt. Dieses deutliche Signal beinhaltet die enorme Chance, dass die Geschichten über SchUM einen Beitrag leisten zum Miteinander in unserer Gesellschaft. Denn sie erzählen genau davon: Vom Miteinander, von Zusammenarbeit, von Gleichberechtigung, von Umbruch und Aufbruch, aber auch von Gefahren und dunklen Kapiteln des gesellschaftlichen Miteinander. Und daher steht für alle Beteiligten neben dem Schutz und Erhalt dieser Stätten die Vermittlung dieses jüdischen Welterbes im Mittelpunkt. Die gute Zusammenarbeit sehr vieler Akteure, die durch die Welterbekoordination des SchUM-Vereins und von einem eingespielten Team der Städte, der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen und der Landesverwaltung getragen wird, ermöglicht das und daher bin ich zuversichtlich, dass wir mit großem Elan diesen Weg weitergehen können.“ sagte Stefanie Seiler, Oberbürgermeisterin von Speyer und Vorsitzende des SchUM-Vereins.

Das UNESCO-Welterbekomitee, ein Gremium aus 21 gewählten Vertretern der Mitgliedstaaten, begründete die Eintragung in die Welterbliste damit, dass es sich bei den SchUM-Stätten um richtungsweisende jüdische Gemeindezentren und Friedhöfe handele, deren Form und Gestaltung die jüdische Architektur, Ritualbauten und die Bestattungskultur in ganz Mitteleuropa nördlich der Alpen, in Nordfrankreich und England maßgeblich beeinflussten. An keinem anderen Ort könne ein vergleichbares Spektrum jüdischer Gemeindezentren und Friedhöfe die kulturellen Leistungen europäischer Juden in der Formationsphase der lebendigen Tradition des aschkenasischen Judentums bezeugen.
Der Status „UNESCO-Welterbe“ ist Auszeichnung und Verpflichtung zugleich. Im vergangenen Jahr wurden viele wichtige Schritte zum Schutz und Erhalt aber auch in der Bildungs- und Vermittlungsarbeit der SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz zurückgelegt.

 Archäologische Grabung an der Mikwe in Worms
Im Rahmen der Sanierung der Mikwe in Worms wurden im Auftrag der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Landesarchäologie Mainz, von Archäologen der Forschungsstelle Kaiserpfalz in Ingelheim am Rhein die Grabungen an der Mikwe fortgeführt. Dabei wurden Belege für eine frühere Bebauung des Synagogenbezirks gefunden. Restauratorische Voruntersuchungen und die Bauforschung sind hierbei ein erster wichtiger Schritt. Die bauphysikalischen Untersuchungen sowie die statischen Planungen sind Teil der für 2023 geplanten Baumaßnahmen. Derzeit wird auch über den Umgang mit archäologischen Funden und über den Schutz der Mikwe vor Niederschlagswasser beraten.

Archäologische Grabung an der Synagoge in Worms
Im Rahmen der Ursachenforschung für die Rissbildung in der Synagoge finden derzeit im Auftrag der GDKE archäologische Grabungen von Archäologen der Forschungsstelle Kaiserpfalz in Ingelheim am Rhein statt. Nach vorheriger statischer Interimssicherung wurden die im Westen an die Synagoge angrenzenden Bereiche bis auf Fundamenttiefe geöffnet. Die Ergebnisse der Grabungen werden für die künftige statische Sicherheit von Bedeutung sein. Darüber hinaus finden zusätzliche Kanaluntersuchungen statt und es wurden neue Entwässerungsplanungen für das gesamte Gelände auf den Weg gebracht.
Publikation „Kontinuität – Zerstörung – Authentizität. Die Wiedergewinnung des Synagogenbezirks in Worms 1945-1961“
Der gemeinsam von der GDKE und dem Stadtarchiv Worms herausgegebene Band präsentiert in einem ersten Teil Beiträge zu grundsätzlichen Fragen von Authentizität, Rekonstruktion und Wiedergewinnung von kulturellem und materiellem Erbe. Im zweiten Teil werden zentrale Fragen der Wiedergewinnung des in der NS-Zeit zerstörten Wormser Synagogenkomplexes nach 1945 samt neuen Forschungsergebnissen aus verschiedenen Disziplinen vorgestellt. Die Umfangreichen Erkenntnisse leisten einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis des außergewöhnlichen Projektes, das weit über eine reine Rekonstruktion hinausging.

Kostenlose öffentliche Führungen
Die UNESCO Welterbestätten in Worms – die Synagoge, Frauenschul, das Lehrhaus und die Mikwe sowie der Heilige Sand sind einzigartig und vorbildgebend, Abbild lebendiger Tradition und einer tausendjährigen jüdischen Geschichte. Gegenwärtig finden im Synagogenbezirk verschiedene Baumaßnahmen statt, deren Fortschritte fortan regelmäßig mit kurzen Führungen der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Hierbei werden die einzelnen Maßnahmen erläutert, die Baustellenbereiche gezeigt und zudem verdeutlicht, warum diese aktuell nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Ausgenommen ist die Mikwe, da diese nicht betreten werden kann.
Die Führung findet am Mittwoch, dem 3. August von 14 bis 14.45 Uhr, sowie an jedem ersten Mittwoch eines Monats statt.
Geleitet werden diese durch zuständige städtische Mitarbeiter der Untere Denkmalschutz Behörde und des Wormser Immobilienmanagements. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 15 Personen. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich, Einlasskarten werden in der Tourist Information ausgegeben. Reservierungen vorab sind nicht möglich. Teilnehmer sollten auf festes Schuhwerk achten, das Filmen und Fotografieren ist nicht gestattet. Weitere Informationen: www.worms-erleben.de

Planungen für ein Welterbe-Besucherzentrum
Eine 2021 gebildete städtische Arbeitsgruppe entwickelt derzeit in Ergänzung zu der Arbeitsgruppe der SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz einen stadtspezifischen einen Kriterienkatalog für eine geplantes Welterbe-Besucherzentrum in Worms. Aktuell läuft die Standortsuche. Das Verfahren soll voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen sein.

 

 

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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