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00.11 Uhr | 4. Mai 2013

Bauern- statt Nadelstreifenkantate

Die „Wormser BachConcerti“ spielten am Freitagabend zu Gunsten der ökumenischen Hospizhilfe erstmals in der Wormser Hauptstelle der Volksbank Alzey-Worms

VON ROBERT LEHR Als einen „Hort der Stabilität“ habe sich der genossenschaftliche Bankenverband in der jüngsten Finanzkrise gezeigt, so Bernd Hühn am Freitagabend bei seiner Begrüßung.

Worauf der Vorstand der Volksbank Alzey-Worms abzielte, war die Tatsache, dass bei all der berechtigten Kritik am Geschäftsgebaren so mancher Banken, man nicht vergessen dürfe, dass gerade die Volksbanken sich aufgrund ihrer Struktur nicht angesprochen zu fühlen bräuchten. Sie gehörten den Menschen der Region, in der sie wirtschafteten und nicht anonymen Aktionären oder dem Staat.

Vielleicht wollte der sympathische Banker eventueller Kritik den Wind aus den Segeln nehmen. Denn erstmals hatten er und sein Haus am Freitagabend in die große Kundenhalle am Wormser Marktplatz zu einem klassischen Konzert eingeladen. Um es vorwegzunehmen: Die Premiere war vollends gelungen.

Dabei ging es um kein neues Geschäftsmodell, keine Leerverkäufe oder Derivatgeschäfte, sondern schlicht um den guten Zweck. Im Falle des Konzertes der „Wormser BachConcerti“ eröffnete Hühn, dass die Volksbank nicht nur die gesamten Kosten übernehme, sondern die Einnahmen komplett der ökumenischen Hospizhilfe Worms zuflössen.

Angesichtes des nahezu ausverkauften Hauses darf sich Dderen Leiterin orette Nesbigall also über einen stattlichen Zuschuss für die wichtige und schwere Arbeit ihrer Ehrenamtlichen freuen. Sie begleiten Menschen im letzten Abschnitt ihres Lebens und helfen so maßgeblich mit, die eigene Würde bis zum Lebensende zu bewahren.

Wolfgang Meurer habe den Kontakt hergestellt, so Hühn, und es sei der Volksbank ein Bedürfnis, sich aufgrund der Verzahnung mit den Menschen der Region auch für diese zu engagieren.

Ungewöhnlich sei der Ort für das klassische Konzert und ungewöhnlich seien auch die Werke, die aufgeführt würden, bekannte Hühn. Satt der Bach’schen Kaffee- und seiner Bauernkantate hätte man in einem Geldhaus wohl eher eine Nadelstreifen- oder Champagnerkantate erwartet, merkte der Vorstand augenzwinkernd an.

Sandra Ehses, Burkhard Hildebrandt, Stephan Wernersbach und Christian J. Bonath waren die souveränen Hauptakteure des Abends. Foto: Robert Lehr

Sandra Ehses, Burkhard Hildebrandt, Stephan Wernersbach und Christian J. Bonath waren die souveränen Hauptakteure des Abends. Foto: Robert Lehr

Hühns Dank ging in diesem Zusammenhang auch an den Leiter der „Wormser BachConcerti“, Christian J. Bonath. Der führte kurz in die beiden weltlichen Werke ein, die auch im Schaffen des berühmten Komponisten eine Sonderstellung einnähmen.

Ihr weltlicher Charakter mit den süffisanten Untertönen im Text entspräche nicht den für Bach typischen Huldigungs- und Glückwunschkantaten, die weltlichen Herrschern gewidmet seien.

So ginge es in der Kaffeekantate um die junge Liesgen (Sopran), die fürchterlich gerne Kaffee trinkt, was ihrem Vater (Bass) überhaupt nicht passe. Er wolle es seiner Tochter verbieten wolle, so Bonath. Doch – die Damen siegten wie immer auch hier, denn Liesgen erwähle sich schlicht jemanden zum Manne, der ihr den Kaffeegenuss nicht verbietet.

Bei der bekannten Bauernkantate fänden Feierlichkeiten statt, in deren Verlauf sich ein unbekannter Bauer (Bass) mit der Bäuerin Mieke (Sopran) sich über das Fest freuen. Sie tauschen ein- und zweideutige erotische Angebote aus und sprechen über die Machenschaften eines Steuereinnehmers, das Hauptthema sei jedoch das Lob des Gutsherrn Dieskau, beschreibt der musikalische Gesamtleiter Bonath.

Und dem gelang es bestens, seine Musiker zu Bestleistungen zu motivieren. Dabei zeigte er selbst wieder vollen Körpereinsatz und hatte so im Zusammenspiel mit den Gesangssolisten auch optisch Einiges zu bieten. So kann auch klassische Musik in einem unterhaltsameren Gewand daherkommen und verliert etwas von ihrem eher akademischen Charakter.

Was die Ausführenden boten, war ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend, der von der eingängigen Musik Bachs, deren eindrucksvoller Interpretation, durch die talentierten Musiker und die originelle Umgebung geprägt war.

Ausführende Sänger waren: Sandra Ehses (Sopran); Burkhard Hildebrandt (Tenor) und Stephan Wernersbach (Bass). Sie standen wie das Orchester „Pulchra Magica“ unter der Gesamtleitung von Christian J. Bonath. Die Orgel spielte Domkantor Dan Zerfaß.

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Ein Kommentar für "Bauern- statt Nadelstreifenkantate"

  1. Wonderful essay, got the satisfaction of reading