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22.55 Uhr | 10. Juni 2021

Beste Lösung erfordert eine passende Infrastruktur

MOBILITÄTSAUSSCHUSS: Konzept für alternative Antriebe im Buslinienbündel Worms und Worms-Wonnegau soll auf den Weg gebracht werden / Einstimmiges Votum für CDU-Antrag

Der Weg zur Elektrowende ist in Worms zwar noch holprig, aber es ist etwas in Bewegung gekommen, damit alternative Kraftstoffe auch in Bussen Verwendung finden. In den kommenden Jahren kann jedoch auf fossile Brennstoffe noch nicht gänzlich verzichtet werden. Foto: Alex Fox/Pixabay

VON STEFFEN HEUMANN | Als Tagesordnungspunkt 2 in der Sitzung des Mobilitätsausschusses am Donnerstag stand ein Antrag der CDU-Fraktion, wonach die Verwaltung aufgefordert wird, gemeinsam mit EWR und VRN ein Konzept für alternative Antriebe im Buslinienbündel Worms und Worms-Wonnegau zu entwickeln. Dies soll als technische Grundlage für die anstehende Neuausschreibung des Busnetzes dienen und wurde vom Gremium einstimmig auf den Weg gebracht.

In ihrer Begründung erläuterte die CDU, dass das Europäische Parlament 2019 die sogenannte Clean Vehicle-Richtlinie (CVD) verabschiedet und damit verbindliche Ziele für die Beschaffung von emissionsarmen Fahrzeugen im ÖPNV geschaffen habe. In der Clean Vehicles Directive seien stufenweise Mindestquoten festgeschrieben worden. Es gelten für Stadtbusse folgende Vorgaben: Erste Periode (2. August 2021 bis 31. Dezember 2025): 45% der neu zu beschaffenden Fahrzeuge sollen „saubere“ Busse sein, mindestens die Hälfte davon soll einen emissionsfreien Antrieb haben, also mind. 22,5%. Zweite Periode (1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2030): Die Quote für saubere Fahrzeuge steigt auf 65%, erneut soll mindestens die Hälfte davon emissionsfrei angetrieben werden. Die Quoten der zweiten Periode gelten über das Jahr 2030 hinaus, sofern keine neuen Quoten beschlossen werden. Ein Fahrzeug sei „sauber“, wenn es alternative Kraftstoffe wie Strom, Wasserstoff, Biokraftstoffe, synthetische Kraftstoffe oder Gas nutze. Auch Plug-In Hybridbusse seien „sauber“. Als „emissionsfrei“ gelten Fahrzeuge, wenn sie keinen Verbrennungsmotor haben. Hier kämen nur Busse mit reinen Elektroantrieben (Batterie- oder Brennstoffzellenbus) als emissionsfrei in Frage.

Voraussetzungen und Infrastruktur frühzeitig abklären

Für die anstehende Neuausschreibung des Buslinienbündels Worms seien die antriebstechnischen Voraussetzungen und deren Infrastruktur frühzeitig vorab zu klären. Insbesondere sei aufgrund des hohen Strombedarfs frühzeitig der notwendige Netzanschluss für die Fahrzeugladung im Mittelspannungs-Netz des EWR zu planen. Auch eine mögliche Wasserstofftankstelle sei aufgrund von Sicherheitsvorgaben nicht überall umsetzbar. Die Systementscheidung (Batterie- oder Wasserstoffbusse oder eine Mischflotte) sowie die standort- und stromnetzseitigen Vorbereitungen des örtlichen Netzversorgers (EWR Netze) würden Vorlaufzeiten erfordern, die zeitlich nicht erst im Ausschreibungszeitraum des ÖPNV-Bündels geklärt werden könnten. Deshalb sollen frühzeitig eine Vorbereitung begonnen und dann entsprechende Entscheidungen des Stadtrates getroffen werden, wie die CDU ausführte.

Gedanken machen und gute Ideen

Klaus Harthausen, CDU, betonte, dass man sich jetzt Gedanken machen müsse und gute Ideen gebraucht würden, um in der Ausschreibung den eigenen Bedarf verdeutlichen zu können. Alfred Koch, FDP, mochte den Begriff „sauber“ weiter fassen, da hier eine Betrachtung über die Grenzen von Worms hinaus nötig sei. Timo Horst, SPD, ergänzte, dass es der politischer Wille sei, den ÖPNV in Worms mit Blick in die Zukunft klimaneutral zu gestalten. Hierbei soll auch ein Mobilitätsmanager behilflich sein. Allerdings informierte Annett Böttner, Abteilungsleiterin Verkehrsinfrastruktur und Mobilität, dass zwar die Stelle eines „Sachbearbeiters ÖPNV“ zum 1. Juli besetzt werde. Dieser müsse nach einer Phase der Einarbeitung die Prioritäten abarbeiten. „Leider nur eine Stelle und keine 5 Antragsflut“, verwies Böttner auf die zu erwartende Antragsflut. Die Machbarkeit sämtlicher Aufgaben stelle schon jetzt ein zeitliches Rätsel dar.

Aus Bausteinen auswählen

Christian Engelke, die Grünen, unterstrich, dass der Antrag durchaus stimmig sei, aber innerhalb der Verwaltung keine Kapazitäten vorhanden und ein neuer Mitarbeiter auch erstmal ankommen müsse. Marco Schreiber, Sprecher für Mobilität der CDU, betonte, dass eine gigantische Flut an Arbeit zu erwarten sei, aber ein Plan nötig sei, wie man mit den Antrieben der Zukunft verfahren soll. Fraktionskollege Harthausen ergänzte, dass das Erfüllen der Emissionsfreiheit bis 2026 eine gesetzliche Vorgabe sei. Positiv anzumerken sei, dass speziell die Bus-Batterien meist in Deutschland gefertigt würden. Die beste Lösung für Worms erfordere zudem eine passende Infrastruktur. Um diese bereitzustellen, sein ein mehrjähriger Vorlauf erforderlich. „Die Frage der Strominfrastruktur sollen EWR und VRN als Dienstleister beantworten“, plädierte Klaus Harthausen. Dort seien bereits Bausteine vorhanden, aus denen man auswählen könne. Karl Müller, FWG/Bürgerforum bekräftigte, dass man die Lösungen mit den Energieversorgern unter Berücksichtigung der auflagen abstimmen sollte. Timo Horst, SPD, pflichtete den Vorrednern bei, dass die Verwaltung hier durchaus entlastet werden kann. Denn Energiedienstleister EWR beschäftige sich bereits intensiv mit den Themen Wasserstoffenergie und Klimaneutralität. Folglich müssen man nur definieren, was erforderlich und gewollt sei und können sich die Konzepte von EWR und VRN maßschneidern lassen.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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