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„Bewältigung nur mit politischer Unterstützung möglich!“

Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V.: Experten aus drei Bundesländern koordinieren sich im Kampf gegen den Klimawandel

Die Arbeitsgemeinschaft für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau (ARGE Zuckerrübe Südwest) wendet sich an die Landesregierungen der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz mit der Forderung nach Unterstützung von Forschung und Beratung zur Bewältigung des Klimawandels.
Sorgen bereiten den Experten aus den drei Bundesländern, die in der Arbeitsgemeinschaft gemeinsam Forschung und Beratung koordinieren, schon fast in Vergessenheit geratene Krankheiten und neue Schädlinge, die durch den Klimawandel auf dem Vormarsch sind. Die Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübe Südwest hatte in dieser Woche daher Experten zur Diskussion von Maßnahmen für das nächste Jahr eingeladen. Offizialberatung, Labors, Forschungseinrichtungen, Zuckerindustrie und Landwirte waren dabei vertreten.
„Wenn der Ackerbau nicht mehr Unterstützung für Forschung und Beratung bekommt, können wir den Klimawandel nicht meistern. Wir werden gegen immer mehr Krankheiten und Schädlinge kämpfen müssen. Das betrifft Bioanbauer und konventionelle Landwirte gleichermaßen“, brachte Dr. Christian Lang, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, das Fazit des Expertengesprächs in Worms auf den Punkt.
Als besonders problematisch benannte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Rupert Bach, die Einwanderung neuer Schädlinge. Er verwies in diesem Zusammenhang speziell auf Zikaden, die aktuell massenhaft auf Feldern, in Weinbergen und Obstanlagen auftreten. Der Klimawandel fördere aber auch die bekannten Krankheiten und Schädlinge, da beispielsweise Blattläuse besser über den Winter kommen und somit schon viel früher und in größerer Zahl auftreten. Dem stünden immer weniger Pflanzenschutzmittel und damit auch mehr Resistenzen gegenüber. Ein Beispiel dafür seien gerade die Blattläuse.
Die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft sehen auch die Bundesregierung besonders gefordert, den nahezu endlosen Stau bei der Prüfung und Zulassung neuer Mittel schnell aufzulösen. „Der Staat erfüllt hier schon seit Jahren auf Bundesebene nicht mehr seine Aufgaben, da viele Behörden gegenseitig den Fortschritt verhindern!“ stellte Lang in diesem Zusammenhang fest.
Gleichzeitig fehlten auch in den Offizialberatungen der drei südwestdeutschen Länder in großem Umfang Berater, die auf wissenschaftlicher Basis die Grundlage für eine sachgerechte Bekämpfung neuer und alter Schädlinge erarbeiten. Viel zu wenige Stellen würden neu besetzt. Stattdessen würden die wenigen vorhandenen Berater immer wieder zu EU-Kontrollen abgeordnet und in öffentlichkeitswirksameren Bereichen eingesetzt. Die Zuckerrübenanbauer hätten über Jahrzehnte angewandte Forschung und Beratung zunehmend privat finanziert. In allen drei Bundesländern gebe es kaum noch staatliche Experten, die sich mit solchen Fragen beschäftigen. Der Nachwuchs fehle nahezu vollständig, sogar an den Universitäten. Gute Ackerbau- und Pflanzenschutzberatung habe kaum mehr eine Lobby, obwohl man dadurch am besten Insekten und Umwelt schützen könne. „Eine gute Beratung ist doch die Grundlage für das, was die Gesellschaft jeden Tag fordert: sachgerechten und umweltschonenden Pflanzenschutz!“ machte Lang deutlich.
Speziell auch das Verbot der Neonikotinoide treffe die deutschen Rübenanbauer hart – ohne dabei den Bienen zu helfen, führte der ARGE-Vorsitzende aus. Schließlich habe man bisher keinerlei Schäden durch Neonikotinoide in Zuckerrüben nachweisen können, die ja nicht blühen und daher gar nicht von Bienen besucht werden. Das Verbot sei dennoch ohne Rücksicht auf Verluste der Zuckerrübenanbauer durchgesetzt worden. Alternativen konnten gar nicht erforscht werden, kritisiert die Arbeitsgemeinschaft. Wirtschaft und Anbauer dürfe man jetzt mit dieser Problematik nicht einfach alleine stehen lassen.
Die Arbeitsgemeinschaft habe im Herbst bereits damit begonnen, Insekten und Viren auf den Feldern nachzuspüren. Man brauche aber Labors, Methoden und ein intensives Monitoring. Aktuell arbeiten zwei Master-Studenten aus der landwirtschaftlichen Universität Hohenheim daran. Die Arbeitsgemeinschaft ist der Überzeugung, dass anschließend zwei Doktorarbeiten über Zikaden und Blattläuse umgesetzt werden sollten. Gleichzeitig müsse man aber auch schon in sechs Monaten der Landwirtschaft erstmals neue Empfehlungen geben – eine Aufgabe, die nur gemeinsam mit den Bundesländern gelingen könne.
„Es gibt keine Landwirtschaft ohne Schutz der Kulturpflanzen“, stellte Geschäftsführer Lang klar. Die Experten werden sich daher in wenigen Wochen wieder zu weiteren Beratungen treffen. In den drei Ländern erwarte man jetzt Signale, die für die Zukunft des Zuckerrübenanbaus positive Entwicklungen ermöglichen. Dazu sollen Gespräche auf allen Ebenen beitragen, die die Arbeitsgmeinschaft gerne mit fachlicher Information unterstützen will.
Die Zuckerrübenanbauer aus Hessen und Rheinland-Pfalz sollen bereits in der Jahreshauptversammlung des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer am Montag, dem 13. August näher informiert werden. Hier will man auch erste Ergebnisse einer Vorstudie vorstellen, die die Basis für das weitere Vorgehen liefern soll. Nähere Informationen zu der Veranstaltung sind unter www.ruebe.info erhältlich. Interessierte Gäste sind herzlich eingeladen. Zur Planung bittet der Verband jedoch um vorherige Anmeldung.

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Geschrieben in Aus dem Nibelungenland

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