Sie sind hier: Home » Aus dem Nibelungenland » Der Fürst der Finsternis lud ein!
07.43 Uhr | 24. Juni 2022
FRANKFURT: Alice Cooper gab sich in der Jahrhunderthalle die Ehre!

Der Fürst der Finsternis lud ein!

Alice Cooper in Action: Foto: Rudolf Uhrig

Alice Cooper in Action: Foto: Rudolf Uhrig

VON RUDOLF UHRIG Seit über 50 Jahren ist Alice Cooper (74) im Rock-Biz. Der seit 46 Jahren mit Sheryl Goddard verheiratete Familienvater, ist gläubiger Christ, (Priestersohn) zudem Filmschauspieler („Wayne’s World“, „Freddie’s Dead“, „Bigfoot“), Moderator der Radiosendung „Nights with Alice Cooper“ und begeisterter Golfer (Handicap 2, das ist Weltklasse!)

In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte er im März 2021: „Qualität hält dich im Spiel. Man muss jede Show spielen, als sei es die letzte; jede Platte aufnehmen, als sei sie dein Vermächtnis. Wenn du diesem Leitsatz folgst, folgt dir auch dein Publikum.“ Tja und dann steht, Vincent Damon Furnier, so sein bürgerlicher Name als Alice Cooper (so der Name seiner ursprünglichen Band) als „Schockrocker“ auf der Bühne. Da verdächtig bürgerlich, auf der Bühne der wahre Alptraum. Alice Cooper ist eine Konstante, er ist authentisch; und das nehmen ihm seine Fans ab, eben, seit über 50 Jahren.

Der Vorhang fällt, „Yes, yes, I know you’re hungry, ah, and here comes dinner“ / “Feed my Frankenstein“ ist der Opener, die Menge ist von Anfang an in der Frankfurter Jahrhunderthalle dabei, singt jede Zeile mit, auch bei „No More Mr. Nice Guy“, „Bed Of Nails”, “Hey Stoopid”, “Fallen In Love“, „Go Man Go“ und natürlich da wo das Telefon „so schön klingelt….: The telephone is ringing, you got me on the run, I’m driving in my car now”, sein Hit aus dem Jahre 1971 „Under My Wheels“.

Der Bass dröhnt, Gitarren flirren, das Schlagzeug peitscht, und Tausende Hände nehmen den Beat klatschend auf. Mittendrin – oben auf der Brücke – der Gastgeber, der Meister des Horrors. Zumindest von einst, denn seine Schritte und Bewegungen sind „gemäßigter“ wenngleich seine Stimme keinen Deut anders klingt als damals, eben vor 10, 20, 30, 40 Jahren. Er krächzt, tänzelt und humpelt, ein Gehstock stützt ihn. Dann wirbelt er Dolch und Degen dandyhaft in der Luft, stolziert so übertrieben sympathisch und verscheucht seine Bandmitglieder: „Weg da, jetzt komme ich“ scheint er immer wieder anzudeuten.

Nein, ganz im Gegenteil, er weiß um die große, große Qualität seiner „Mitarbeiter“. Chuck Garric am Bass, Ryan Roxie und Tommy Hendriksen an den Gitarren sowie Glen Sobel am Schlagzeug. Und da wäre noch Nita Strauss an der Lead-Gitarre. Der 35-jährige blonde Wirbelwind ist der heimliche Star der Truppe. Ihre blonde Mähne wirbelt sie immer und immer wieder durch die Luft: Die Gitarre hängt lässig auf dem Rücken, Hendix-Syle. Sie kommt aus der „Stadt der Engel“, ist sie daher Coopers Nightmare?

Nr. 1-Erfolg in Deutschland
2021 kam das neue Album „Detroit Stories“, inspiriert von Coopers Heimatstadt heraus und damit gelang ihm zum ersten Mal in seiner Karriere ein Nr. 1-Erfolg in Deutschland. Kaum zu glauben! Aber die Bühnenshow ist seit Dekaden „best of…“: abgehackte Puppenköpfe, eine Guillotine, eine Würgeschlange, den Galgen, den elektrischen Stuhl inklusive jeder Menge Kunstblut. Das „Nostalgie-Fest „voller überbordender Spielfreude läuft und läuft inklusiver vieler Kostümwechsel. „I’m Eighteen“, „Elected“, „Only Women Bleed”, „Poison“ – all die Klassiker sind im Programm. Tja und irgendwann kommen sie dann, die Zeilen die auch jeder mit singt: „No more teachers, dirty looks“ „School’s Out“, ist die Encore, gefühlt 22.

Übrigens: Die Hollywood Vampires haben für den 30. Juni 2023 gerade eben ein Konzert auf der Mainzer Zitadelle angekündigt. Also Alice Cooper (voc.), AEROSMITH-Gitarrist Joe Perry sowie Hollywood-Schauspieler Johnny Depp (g.) und Tommy Henriksen (g./keys), kommen nach Rheinland-Pfalz. Am 6. Juli spielen Jeff Beck und Johnny Depp in der Stadthalle in Offenbach. (Diese Zeitung berichtete bereits).

Allerdings von diesem Gig werdet ihr bei uns keine Fotos sehen: die Künstler lassen keine Fotografen zu. Und das obwohl man sich zu Pandemie-Zeiten – als Künstler – lauthals und lautstark darüber beschwerte, dass sie keine Bühnenpräsenz haben und somit kein Geld verdienen. „Damals“ war der Schulterschluss zu den Solo-Selbständigen groß. Und heute: heute erteilen die Superstars eben jenen Solo-Selbständigen Berufsverbot. Nicht schön… oder?

Beitrag teilen Facebook Twitter
Geschrieben in Aus dem Nibelungenland

Schreiben Sie einen Kommentar

4 + 8 =
10 + 5 =
1 + 4 =