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11.29 Uhr | 29. August 2022
Ober-Flörsheim: Heimat- und Kulturverein erinnert an Sebastian Walter

Der „reiche Onkel aus Amerika“

Gedenken in Milwaukee an Walters Todestag. Foto: Brian Fette

Gedenken in Milwaukee an Walters Todestag. Foto: Brian Fette

Vor 100 Jahren, am 23. August, verstarb im amerikanischen Milwaukee der aus Ober-Flörsheim stammende Industrielle Sebastian Walter. Aus diesem Anlass erinnerte der Heimat- und Kulturverein im Rahmen eines Vortragsabends an den großzügigen „reichen Onkel aus Amerika“.
Untermalt durch Abbildungen zeichnete Dr. Helmut Schmahl das Leben Sebastian Walters nach. 1866 wanderte der 17-jährige Spenglergeselle in die aufstrebende Industriestadt Milwaukee aus. Dort machte er als Teilhaber eines rasch expandierenden Unternehmens, das Geschirr und andere Dinge aus Eisenblech herstellte, Karriere. 1899 zog sich Walter, mittlerweile Millionär, aus dem Geschäftsleben zurück. Mit seiner Ehefrau unternahm er mehrere Europareisen, auf denen das kinderlose Paar auch Station in Ober-Flörsheim machte.

1901 weihte Sebastian Walter vor dem Rathaus seiner Heimatgemeinde ein von ihm gestiftetes Denkmal für die Veteranen des Krieges von 1870/71 ein. Bei einem weiteren Besuch 1910 rief er die „Sebastian-Walter-Stiftung“ in Höhe von 10.000 Mark ins Leben. Ihre Mittel waren u.a. für eine Krankenschwesternstation und die Unterstützung von Hilfsbedürftigen vorgesehen. Zum Dank ernannte die Gemeinde Walter zum Ehrenbürger.
1922 verstarb Walter im Alter von 74 Jahren. Sein stattliches Grabmal auf dem Forest Home Friedhof wurde von dem aus Weinolsheim stammenden Bildhauer Charles Lohr geschaffen. Zur Überraschung der Anwesenden zeigte Schmahl zum Schluss des Vortrags ein Foto, das am gleichen Tag an Walters Grab aufgenommen wurde. Es zeigt Angehörige der Friedhofsverwaltung, die mit Brezeln in der Hand an den Wohltäter erinnerten. Im Anschluss an den Vortrag präsentierte eine der Anwesenden eine alte Brosche, in die eine Goldmünze eingearbeitet war. Das Geldstück hatte ihre Großmutter von Walter geschenkt bekommen, als sie anlässlich eines Besuchs ein Gedicht aufsagte. Heute erinnern noch das Denkmal vor dem Rathaus, der Straßenname Walterplatz, sein Geburtshaus im Saurechgässchen sowie einige Ausstellungsstücke im Heimatmuseum an den Deutschamerikaner, der trotz seines Erfolges in der amerikanischen Großstadt Milwaukee seinem Heimatdorf und dessen Bewohnern stets verbunden blieb.

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Geschrieben in Aus dem Nibelungenland

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