
Von Rudolf Uhrig › „Ich will keinen Frieden, ich will Rache.“ So sagt es die Hunnenkönigin zu König Etzel, ihrem neuen Gemahl. Und so geschieht es – unausweichlich.
Normalerweise gibt der künstlerische Leiter, Thomas Laue, am Ende der Festspiele gerne Auskunft über das nächste Stück – wer ist der Autor, wer der Regisseur? Wie wird es heißen und worum geht es? Das tat er im Sommer 2025 nicht. Er machte es spannend, und verwies auf etwas Großes, was da kommen werde.
Er hat recht behalten. Die Londoner „Macher“ von LES ENFANTS TERRIBLES, James Seager und Oliver Lansley, haben als Autoren und Regisseure in der Tat Großes, gar Großartiges geschaffen. Die „Hunnenkönigin“ wird zu einem grandiosen Publikumserlebnis.
Das politische Ränkespiel mit schmerzhaftem Verrat, ungewöhnlicher Liebe und den Rachegelüsten von Kriemhild stellte die damalige Welt auf den Kopf. Die Burgunden wurden vernichtet und das Hunnenland ins Chaos gestürzt. Schmutzige Deals wurden geschlossen und entlarvt – besteht da etwa eine Kausalität zum realen 21. Jahrhundert?
Dunkel, düster, surreal, aber auch bunt und wild, ja gar märchenhaft: Mit absurden Bildern erschaffen die Engländer eine Mischung aus Fantasie und Edge-Intensität. Und das alles auf der zentralen Drehscheiben-Bühne. Ein geniales Werk von Bühnenbildner Sean Turner.
Der typische englische Humor, ironisch wie kritisch, wird voll und ganz ausgespielt, mal melancholisch, mal düster-poetisch. Die starken visuellen Effekte wirken zum Teil magisch und mystisch. Spektakuläre Bühnenbilder, akrobatische Sequenzen und visuelle Reize bilden zusammen mit den markanten Kostümen die narrativen Bausteine, die zudem durch grandiose Tanzeinlagen und die Musik mit treibendem Rhythmus und einem starken Sounddesign maßgeblich getragen werden.
Die Autoren und Regisseure sowie das gesamte Ensemble schaffen eine dichte Atmosphäre voller Emotionen – und das von der ersten bis zur letzten Minute.
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