Sie sind hier: Home » Aus dem Nibelungenland » Domgemeinde und „Große Koalition“ im Visier

Domgemeinde und „Große Koalition“ im Visier

Die Gegner des „Hauses am Dom“ mobilisierten am Samstag zur Demo noch einmal viele Bürger / Ablehnung wird wohl noch Jahre oder Jahrzehnte bleiben

Die große Abschlusskundgebung fand am Samstag vor dem Dom statt. Foto: Gernot Kirch

Die große Abschlusskundgebung fand am Samstag vor dem Dom statt. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Die Gegner des „Hauses am Dom“ hatten für Samstag, dem 25. April, zu einer großen Demonstration gegen das Bauvorhaben der beiden katholischen Gemeinden St. Peter und St. Martin aufgerufen. Im Vorfeld herrschte selbst beim Organisator, dem Bürgerverein Dom-Umfeld, große Skepsis, ob es noch einmal gelingen würde, so viele Bürger zu motivieren wie im November 2014 beim ersten Protestmarsch. Zumal bei vielen Wormser Bürgern entweder der Satz zu hören ist: „Das bringt doch sowieso nichts mehr, die bauen es ja doch“, oder anderen das Thema inzwischen auf die Nerven geht und sie es nicht mehr hören können.

Große Beteiligung
Doch die Zweifel der Organisatoren waren unangebracht, denn bereits um 11 Uhr versammelten sich am Startpunkt vor der Martinskirche am Ludwigsplatz einige hundert Menschen, um dann gemeinsam durch die Kämmererstraße in Richtung Dom zu ziehen. Nach Aussage des Veranstalters haben sich insgesamt rund 400 Personen an dem Prostest beteiligt. Mit lauten Trommel, Plakaten, Sprechchören und begleitet von Sicherheitskräften bewegte sich der bunte Protestzug dann ab 11 Uhr bis zur Andreasstraße, sodass auf dem Domvorplatz gegen 12 Uhr die große Abschlusskundgebung stattfand.

„Ein letztes Zeichen setzen“
Mit einer flammenden, eindrucksvollen Rede sprach Mechthild Vogel vielen der Anwesenden aus dem Herzen und drückte noch einmal ihr Unverständnis über das Projekt bzw. den Standort aus und kritisierte die Kompromisslosigkeit der Bauherren bei der Durchsetzung. Sie sprach von einer „Domverbauung“ und betonte, dass der Widerstand ungebrochen sei. „Juristisch mögen sie gewonnen haben, aber moralisch sieht dies ganz anders aus“, sagte Mechthild Vogel an die Domgemeinde adressiert. Hier verwies sie auch auf die zahlreichen Kirchenaustritte und den Rückgang bei den Spenden für die Dombauverein. Mechthild Vogel verwies auch darauf, dass ein Kompromiss möglich war, wenn die Domgemeinde nur gewollte hätte. „Mit ein paar Metern hätten sie viele Wormser glücklich gemacht“, merkte Mechthild Vogel an und meinte damit die vor wenigen Wochen ins Spiel gebrachte Variante des Bürgervereins, der vorsah, das „Haus am Dom“ etwa 20 Meter von dem jetzt geplanten Standort in Richtung Andreasstraße zu verschieben. Das Wehklage und Heulen werde bei vielen Bürgern erst einsetzen, wenn das „Haus am Dom“ fertig ist und die Menschen sehen, was dies für riesige Dimension hat.

Große Koalition in der Kritik
Im Fokus der Kritik bei vielen Demonstranten standen übrigens nicht nur die beiden Gemeinden St. Peter und St. Martin, sondern genauso die „Große Koalition“ im Stadtrat aus CDU und SPD. Viele Protestler machten sie am Samstag dafür verantwortlich, dass sie das Bauprojekt nicht verhindert hat. So sagte der Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke, dass der Stadtrat bei der Vertretung des demokratischen Bürgerwillens versagt habe.

Applaus für Sürder
Großen Applaus erhielt am Samstag der CDU-Stadtrat Raimund Sürder, der als einer der wenigen Politiker von CDU und SPD erneut seinen Prostet gegen das „Haus am Dom“ ausdrückte. Er bezeichnete das Gebäude als unangemessen. Es gebe in der heutigen Zeit so viel Not und Elend auf der Welt und viele Flüchtlinge in Deutschland. Das Geld dort zu verwenden sei angebrachter als für ein Haus rund 4,5 Millionen Euro auszugeben, um dann noch einmal 2,8 Millionen in die Sanierung des Lioba-Hauses stecken zu müssen.

Ablehnung wird bleiben
Eines wurde bei der Demonstration und den Gesprächen am Rande in der Wormser City deutlich, viele Bürger haben das offene Aufbegehren gegen das „Haus am Dom“ aufgegeben, da sie keinen Sinn mehr in dem Widerstand sehen, da alle juristischen und parlamentarischen Mittel „aufgebraucht“ sind. Aber das „Haus am Dom“ lieben oder es schön finden, werden wohl nur wenige Einwohner. Irgendwie wird sich der Wormser damit arrangieren, aber den Verantwortlichen werden sie die Realisierung noch lange vorwerfen. Man denke hier nur an das Volksbank-Gebäude, von dem die Menschen noch heute sprechen. Ob es jedes Jahr zu einem Protestmarsch gegen das „Haus am Dom“ kommen wird, wie es ein Passant forderte, ist ungewiss, aber die Domgemeinde wird es schwer haben, die verlorenen Sympathie zurückzuerobern, wenn ihr dies denn je gelingt.

Wem gehört das Areal?
Eine der Kernfragen beim Streit um das „Haus am Dom“ ist sicher, wem der Dom und das Areal darum herum gehört? Ist es Kirchenbesitz, mit dem die Gemeinde machen kann, was sie will, oder ist es – zumindest moralisch betrachtet – der ganz zentrale Flecken der Stadt, der allen Bürger gehört?

Der Kardinalfehler von Politik und Kirche war von Anfang an, dass es keine Bürgerbeteiligung gab, bevor irgendwelche Pläne gemacht und Baugenehmigungen vergeben wurden. Denn hätte es eine Befragung und Einbindung der Menschen geben, wäre schnell klar geworden, was sie wollen und was nicht. Nachdem aber Pläne auf dem Tisch lagen und die Fronten verhärtet waren, gab es kaum noch Bewegung, weil eben keiner sein Gesicht verlieren und jeder auf seinem Standpunkt beharrte.

„Zu spät?“
Nun ist es für eine harmonische Lösung zu spät und der Riss durch die Bevölkerung wird bleiben. Wobei hier natürlich die Frage gilt: „Ist es wirklich schon zu spät? Noch steht doch nichts. Ein Kompromiss ist jederzeit möglich.“

Erwähnung verdient natürlich auch der Aspekt, dass es zahlreiche Befürworter für das „Haus am Dom“ gibt, die es sowohl städtebaulich, architektonisch wie auch von der Funktion her für gelungen halten. Und auch diese Meinung verdient Respekt, auch wenn es in Worms sicher die klare Minderheitenmeinung ist. Wie die wirkliche Stimmungslage in Worms ist, hätte übrigens ein Bürgerentscheid ergeben können, aber auch der war nicht wirklich gewünscht. Denn trotz aller juristischen Bedenken hätte es vielleicht doch Wege geben könne, ihn durchzuführen, wenn man gewollt hätte.

no images were found

Beitrag teilen Facebook Twitter

Geschrieben in Aus dem Nibelungenland am 26. April 2015

Ein Kommentar für "Domgemeinde und „Große Koalition“ im Visier"

  1. Sigrid Reiff sagt:

    Es ist eine Schande! Die reichen Kirchenfürsten werfen deutsche Steuergelder zum Fenster hinaus, statt Bedürftige zu unterstützen. Worms entwickelt sich zum zweiten Limburg. Soll das im Sinne Gottes sein??? Ich kann nur jedem raten, aus dem Verein Kirche auszutreten und nichts mehr zu spenden. Etwas anderes verstehen diese gefräßigen selbstsüchtigen Herren nicht!

Nibelungen Kurier - Zutrittsprüfung

Herzlich willkommen
beim Internet-Auftritt des Nibelungen Kurier – der Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland.

Seit rund 35 Jahren geben wir zweimal wöchentlich eine gedruckte Ausgabe heraus. Zusätzlich bieten wir diesen kostenlosen Onlinedienst an, auf dem wir täglich das Neueste aus Worms und der Region für Sie bereitstellen. Sowohl die gedruckte als auch die Onlineausgabe sind werbefinanziert.

Warum sehe ich nibelungen-kurier.de nicht?

Sollten Sie Probleme haben, versuchen Sie es mit einem alternativen Browser zum Beispiel:

Für Rückfragen stehen wir Ihnen unter info@nibelungen-kurier.de gerne zur Verfügung.


Impressum
Nibelungen Kurier Verlag GmbH
Print-Carl-Anlage 20
67547 Worms
Telefon: 06241 9578-0
Fax: 06241 9578-78
info@nibelungen-kurier.de

Geschäftsführer: Frank Meinel und Dieter Schaller
Amtsgericht Mainz, HRB 11190
Umsatzsteuernummer-ID DE 1499 65202
Verantwortlich für den Inhalt: Frank Meinel

Datenschutzerklärung