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10.36 Uhr | 26. Oktober 2020

Drei Treffer von Borlinghaus reichen nicht

FUSSBALL B-KLASSE: ASV Nibelungen sehen im Topduell gegen Celtic Worms vor Rekordkulisse bereits wie sicherer Sieger aus

Mann des Tages auf Seiten der Nibelungen war Kevin Borlinghaus. Alle drei Treffer gehen auf sein Konto. Hier erzielte er seinen zweiten Treffer zur zwischenseitlichen 2:0 Führung. Foto: Marcus Diehl

Mann des Tages auf Seiten der Nibelungen war Kevin Borlinghaus. Alle drei Treffer gehen auf sein Konto. Hier erzielte er seinen zweiten Treffer zur zwischenseitlichen 2:0 Führung. Foto: Marcus Diehl

VON ANDREAS BERG | Wenn das Mantelsonntagspektakel in der Wormser Innenstadt coronabedingt ausfällt, scheint der Fußballplatzbesuch an Attraktivität zu gewinnen. Dies mag nicht nur in der Wormser Spielstätte Nummer 1, der EWR-Arena, mit mehr als 500 Besuchern der Fall zu sein, sondern galt gleichermaßen auch für die Sportanlage am Holzhof, wo es auch – allerdings fünf Spielklassen tiefer – beim Duell Erster gegen Zweiter zu einem außerordentlichen Zuschauerandrang kam. Unter strenger Aufsicht des Ordnungsamtes wurden lediglich 250 Zuschauern Einlass gewährt. Bereits 40 Minuten vor dem Spiel war die Schlange an der Kasse bereits etwa 20 Meter lang. In letzter Konsequenz hofften Hunderte von Zuschauern vergeblich auf den Erwerb eines Eintrittsbändchens, viele davon gingen nach Hause, aber etwa 200 Fußballbegeisterte verfolgten letztendlich zumindest hinter dem Zaun am Parkplatz außerhalb der Sportanlage dieses Spitzenspiel.  Und sie wurden nicht enttäuscht. Es wurde ein Spiel voller Tempo, Kampfbereitschaft und Emotionen, das die Zuschauer begeisterte.

Groß war die Freude nicht nur bei Trainer Franz Graber. Auch Max Selzer eilte zur Gratulation für Kevin Borlinghaus, nach seinem zweiten Treffer. Foto: Marcus Diehl

Groß war die Freude nicht nur bei Trainer Franz Graber. Auch Max Selzer eilte zur Gratulation für Kevin Borlinghaus, nach seinem zweiten Treffer. Foto: Marcus Diehl

Borlinghaus mit dem 2:0 Treffer

Die Nibelungen und der Gast, Celtic Worms, kleiden sich traditionell in Grün. Davon musste jedoch am Sonntag das Auswärtsteam Abstand nehmen und schwenkte in ungewohnte schwarze Trikots mit gelben Lettern um.
Diese schienen zu Beginn eher eine lähmende Wirkung zu verbreiten: Weiter Einwurf der Nibelungen von rechts, der Ball tropft in bester zentraler Schussposition dem Goalgetter von Dienst, Kevin Borlinghaus, vor die Füße und dieser erzielt unter empathischem Jubel die frühe Nibelungenführung (5.). Beide Seiten zeigten sich daraufhin im Vorwärtsgang, wobei vor allem die Gäste alles versuchten – spielerisch über die Zentrale, hohe Bälle nach vorne, Standards – jedoch nie zwingend gefährlich wurden. Ganz anders die Nibelungen: Die kombinieren sich nach knapp 20 Minuten durch die rechte Seite des Celticstrafraums, Borlinghaus feuert humorlos den Ball aus spitzem Winkel in die lange Ecke: 2:0. Da ließ es sich auch Nibelungen-Cheftrainer Franz Graber nicht nehmen, seine Coachingzone zu verlassen und seinen Torschützen auf dem Spielfeld herzlich zu beglückwünschen.

Gegentorlosigkeit ist vorbei

30. Minute: Wieder Kevin Borlinghaus, wieder frei vor dem Tor und wieder zappelt der Ball im Netz, aber: Abseits, korrekt gesehen vom umsichtigen Schiedsrichter Schmidt. Die Nibelungen versuchten nun Kontrolle auszuüben und verteidigten gleichermaßen leidenschaftlich. Dass man jedoch Celtic Worms über eine komplette Spieldauer komplett ausschalten könne, beweist sich zumindest auf dem Level der B-Klasse Alzey-Worms illusorisch. Selbst wenn das Heimteam der Nibelungen in der bisher absolvierten Spielzeit mit 4 Siegen und 24:0 Toren in ihren bisherigen Heimspielen eine Traumbilanz vorzuweisen hatte, war es mit der Gegentorlosigkeit in Minute 31 vorbei: Eine scharfe Flanke von links in den Nibelungenstrafraum kann von Keeper Goettzinger nur noch gegen das Knie des direkt vor ihm postierten Dominik Mueller –gerade zuvor für Spielertrainer Gotel wegen Achillessehnenbeschwerden eingewechselt – gelenkt werden, der Ball touchiert die Latte und Mueller hat keine Probleme den zurückprallenden Ball mit dem Kopf einzunicken, nur noch 2:1. Kurz vor der Pause nochmal Gefahr für das Celticgehäuse gegenüber: Freistoß von rechts an den Elfmeterpunkt, Malke Önder kommt angestürmt, bugsiert das Leder jedoch aus fünf Metern unglücklich über den Celtickasten.

Zehnter Saisontreffer

Auch in Halbzeit zwei beschränkt sich das Heimteam keineswegs auf Ergebnisverwaltung und spielt weiter munter nach vorne – und belohnt sich selbst: Wunderbar durch die Celticabwehrreihe kombiniert steht ein Nibelungenspieler bereits frei vor Manuel Mueller im Tor von Celtic, passt jedoch uneigennützig quer auf Seyfert, der passt nochmals quer auf Borlinghaus, der ins leere Tor schiebt – 3:1, (57.) und damit bereits der zehnte Saisontreffer für den Spieler mit der Nummer 17. Gotel wechselt nun mehrfach aus, ohne jedoch einen sichtbaren Effekt bezüglich der Torgefährlichkeit seiner Mannschaft erzielen zu können. Dann waren 79 Minuten gespielt, zum ersten Mal in der Partie hatte man das Gefühl, die Nibelungen haben endgültig die Kontrolle über das Spiel erlangt. Zudem war Maas auf Seiten der „Iren“ mehr humpelnd als laufend unterwegs und das Auswechselkontingent der Gäste bereits erschöpft.

Ausgleich zum 3:3

Heimtrainer Graber stellte seinem Team bis zu diesem Zeitpunkt das zumindest kämpferisch beste Zeugnis seit Wiederaufnahme seines Amtes bei den Nibelungen aus, kein Zuschauer gab noch irgendeinen Pfifferling auf Celtic Worms. Da zog es Celtic-Kapitän und Abwehrchef Edel nach vorne. Lautstark fordert er auf der vom ballführenden Spieler aus gesehenen gegenüberliegenden Angriffsseite den Ball. Mit Ansage fliegt der Ball hoch Richtung Strafraum der Nibelungen. Genau auf den mittlerweile nahe vor dem Tor befindlichen Edel wird der Ball abgeliefert, der schließlich fast ohne Bedrängnis von ihm angenommen und eingenetzt wird: nur noch 2:3 aus Sicht von Celtic. 20 Sekunden später dann ekstatische „Celtic, Celtic“-Rufe von beiden Seiten der Spielfeldbegrenzung: Nach Wiederanpfiff verlieren die Nibelungen schnell den Ball, Celtics Torschütze vom Dienst, Artan, wird auf die Reise geschickt und sein strammer Schuss in die rechte Ecke beult das Tornetz aus: der Ausgleich zum 3:3. Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit dann die große Gelegenheit für den mittlerweile eingewechselten Robin Oender seine Nibelungen wieder in Führung zu bringen: Nach einer weiteren schönen Kombination auf der rechten Seite und butterweichen Flanke in den Strafraum der Nibelungen köpft er jedoch aus wenigen Metern den Ball haarscharf am linken Pfosten vorbei.

„Disziplin, Kampfgeist, Wille“

Aufgrund zahlreicher Verletzungsunterbrechungen pfeift Schmidt schließlich nach 99 Minuten ab. Eine Partie, bei der –so Celtic-Trainer Gotel –„bei unserem bislang stärksten Saisongegner aufgrund von `dran glauben, dran glauben, dran glauben` ein äußerst glücklicher Punktgewinn gelungen ist.“ Obwohl die Schlüsselspieler Gotel und Maas mit –hoffentlich- kleineren Verletzungen das Spielfeld verlassen mussten, sieht dies der Trainer des weiterhin einzig ungeschlagenen Teams nicht mit allzu großer Sorge: „wir sind in der Breite gut aufgestellt und können jeden Spieler kompensieren.“. Während Gotel noch keinen Gedanken an mögliche Gegner aus den anderen Gruppen, in den mit großer Sicherheit anstehenden Aufstiegsspielen verschwendet hat, blickt sein Gegenüber Graber bereits weiter voraus: „ich bin mir der möglichen Gegner aus der Gruppe Mitte und Nord bewusst, sehe jedoch mit Sorge, wie die Spitzenteams der Südgruppe sich gegenseitig die Punkte für die Aufstiegsrunde wegnehmen und ein Aufstiegsrundengegner mit vielleicht sechs Punkten Vorsprung auf uns ins Rennen gehen könnte und nicht mehr zwingend auf Sieg spielen muss.“ Zum heutigen Spiel meinte Graber:„Heute ging es nur über Disziplin, Kampfgeist, Wille und ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil, ich bin Stolz auf meine Mannschaft. Leider sind die Gegentore jeweils aus Abstimmungsproblemen der Sorte: „Nimm du ihn, ich hab ihn sicher“ entstanden, und wenn wir nicht diesen halbminütigen Blackout gehabt hätten, wären wir verdient als Sieger vom Platz gegangen“.

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Geschrieben in Fußball, Sport

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