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12.04 Uhr | 28. März 2021

Erneut nur ein schwaches Ausreichend!

ADFC Fahrradklima-Test 2020: Ergebnisse für Worms zeigen große Unzufriedenheit der Fahrradfahrerinnen und Radfahrer

Ausdrücklich lobte Günter Niederhöfer die Stadt für die jüngst erfolgte Abtrennung eines Fahrradstreifens in der Unterführung Speyerer Straße. Ansonsten sei in den letzten Jahren nur wenig für den Radverkehr getan worden.

Ausdrücklich lobte Günter Niederhöfer die Stadt für die jüngst erfolgte Abtrennung eines Fahrradstreifens in der Unterführung Speyerer Straße. Ansonsten sei in den letzten Jahren nur wenig für den Radverkehr getan worden.Foto: Robert Lehr

VON ROBERT LEHR | Die topographischen Voraussetzungen für den Radverkehr hier in Worms sind eigentlich nicht schlecht, alles liegt nah beieinander und ist weitgehend mit Radwegen verbunden“, so Günter Niederhöfer bei der Vorstellung der Wormser Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatestes 2020 am Donnerstagabend. Zu einer ZOOM-Schalte hatte der emsige Vorsitzende des Wormser Radfahrclubs eingeladen, um anhand einer Präsentation die Probleme aufzuzeigen, die die Radfahrenden in der Nibelungenstadt umtreiben.

Und zu diesen gehört u.a. der schlechte bauliche Zustand der erwähnten Fahrradwege sowie das Verhalten der Autofahrerinnen und Autofahrer, welche Radwege- und streifen oftmals zuparken. Hier wünschten sich die 531 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der jährlich stattfindenden Erhebung eine verstärkte Ahndung seitens der Ordnungsbehörde und Polizei.

Damit seien laut Günter Niederhöfer auch die zwei Hauptkriterien für zufriedene Radfahrende identifiziert: Der Komfort und die Sicherheit. Nur durch die Erfüllung dieser Aspekte sei auch das im Wormser Stadtrat verabschiedete Ziel zu erreichen, den Radanteil im Verkehrsmix auf 25 Prozent zu erhöhen.

Vor diesem Hintergrund sei in den letzten Jahren im Worms zu wenig passiert, so Niederhöfer. Auch das angekündigte Mobilitätskonzept lasse auf sich warten. In dessen Rahmen könne man nämlich auch die Voraussetzungen für den Radverkehr optimieren. Dieser habe erfreulicherweise schon vor Corona zugenommen, fände aber nicht die entsprechenden Rahmenbedingungen vor. 

So erkläre sich auch das schlechte Abschneiden der Nibelungenstadt, die mit der (Schul-)Note 4,2 in ihrer Ortsgrößenklasse zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern Platz 82 von bundesweit 110, und in Rheinland-Pfalz Platz 4 von 6 Städten erreicht habe. Damit sei das Ergebnis für Worms sogar noch etwas schlechter als in den Vorjahren.

Genaue Ergebnisse im Netz
Die genauen Fragestellungen mit den kompletten Ergebnissen des Fahrradklimatestes finde man auf der Homepage des Wormser ADFC unter https://www.adfc-worms.de, so Nierderhöfer. Ebenso finde man dort eine Verlinkung zu den bundesweiten Erhebungsdaten.

Als höchst erfreulich sieht Günter Niederhöfer es an, dass die Teilnahme an der aktuellen Erhebung in Worms um stolze 17 Prozent gestiegen sei. Daraus folgert er, dass das „Interesse ja offensichtlich vorhanden ist“. 

Umso aussagekräftiger sei das Ergebnis, das durch die Einzelnoten mit zustande gekommen sei: Die Wormser Radfahrerinnen und Radfahrer geben der Falschparkerkontrolle eine 5,2, dem Sicherheitsgefühl im Verkehr eine 4,8, in den Konflikten mit den KfZ sehen sie eine 4,7, ebenso schlecht bewerten sie das Fahren im Mischverkehr.

Dem Fahren auf Radwegen bzw. deren Komfort geben sie eine glatte 5 und der Breite der Wege sogar eine 5,4. 

Auch erfreuliche Aspekte
Demgegenüber sei es erfreulich, dass das Befahren von Einbahnstraßen mit einer 2,2 und das Angebot von NextBike mit einer 2,5 recht positiv bewertet werde.

Für Günter Niederhöfer steht fest: „Die Corona-Zeit hat viele Menschen neu auf das Rad gelockt – und wir wollen, dass sich auch die Neuaufsteigerinnen und Neuaufsteiger auf dem Rad wohl und sicher fühlen“. Aufgrund der Ergebnisse könne man leicht sehen, dass dies in Worms aber leider nicht der Fall sei. Vielmehr bräuchte man ein durchgängiges, innerstädtisches Netz an guten und sicheren Radwegen“. Dafür hätten der Bund und auch das Land mit Sonderprogrammen ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt. Diese gelte es jetzt im Rahmen eines Mobilitätskonzeptes entsprechend einzuplanen.

Kinder im Fokus
An die halbstündige Präsentation schloss sich eine rege Diskussion unter den ca. 15 Teilnehmern der Online-Veranstaltung an.

Monika Stellmann verwehrte sich etwas gegen den Eindruck, es werde zu wenig oder gar nichts getan für den Radverkehr. Sie selbst nutze die Route aus dem Eisbachtal für den Weg zur Arbeit und sei eigentlich „sehr zufrieden“. Auch Klaus Harthausen erkannte an, „dass die Defizite seitens der Stadt wohl bekannt sind“ und an deren Beseitigung gearbeitet werde.  

Ein weiteres Thema waren auch die Kinder und Jugendlichen und ihr sicherer Weg zur Schule. Hier gebe es sicherlich noch Bedarf nach einem Schulwegekonzept, klang es aus der Runde. Alexandra Täuner regt hier an, dass man für einen bestimmten Zeitraum die Schülerinnen und Schüler datenschutzkonform mit Trackern ausrüste, um so deren Wege und eventuelle Gefahrenstellen zu ermitteln.

Auf die immer wiederkehrende Kritik an der Beschaffenheit der Straßen und Radwege konterte Annett Böttner, Abteilungsleiterin Verkehrsinfrastruktur und Mobilität bei der Stadt Worms, dass man dort rund 4 Mio. Euro im Jahr für „das Flicken maroder Beläge ausgibt“. Durch die finanzielle Ausstattung der Stadt seien ihr aber „die Hände gebunden“. Aber sie versprach: „Wir stehen in den Startlöchern“. 

Als lobenswert – wenn auch schon vor 2005 angelegt – wurden die Radspuren am Neuhauser Tunnel erwähnt, wobei der anhaltend schlechte Zustand der Straße dort Anlass für deutliche Kritik gab.

Als lobenswert – wenn auch schon vor 2005 angelegt – wurden die Radspuren am Neuhauser Tunnel erwähnt, wobei der anhaltend schlechte Zustand der Straße dort Anlass für deutliche Kritik gab.Foto: Robert Lehr

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

Ein Kommentar für "Erneut nur ein schwaches Ausreichend!"

  1. Jens Sander sagt:

    Solange ich regelmäßig sehe, dass Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig fahren statt auf dem „neuen“ Fahrradstreifen, bei Rot über die Ampel fahren, im Kreisel einfach reinfahren obwohl man als Autofahrer bereits da ist, gefühlt über 50% bei Dunkelheit kein Licht anhaben….
    Solange dieses Fehlverhalten geduldet wird, sollte man den Autofahrern nicht weiter die Spuren verengen, Straßen sperren oder sonstige Vorteile den Radfahrern zugestehen.
    Denn die Kluft zwischen Autofahrern und Radfahrern wird immer größer….und der arme Radfahrer lacht sich eins ins Fäustchen.