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16.52 Uhr | 7. Januar 2023
MAHNMAL: Zur Erinnerung an Ludwig Ebert am 6. Februar um 14.30 Uhr auf dem Bürgersteig der Schwerdstraße 13

Erste Stolperstein-Verlegung in Osthofen

Seit dem Jahr 2000 hat Gunter Demnig mit seinem Stolperstein-Projekt ein europaweites, einzigartiges Kunstwerk und Mahnmal geschaffen. Endlich wird Osthofen Teil davon.

„Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1.265 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas.
‚Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist‘, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten …“ (Zitat aus der Homepage www.stolpersteine.eu)

Für Ludwig Ebert

Auf Initiative des Osthofener Arbeitskreises 9. November und in Zusammenarbeit mit Warmaisa e.V. Worms wird am 6. Februar, um 14.30 Uhr auf dem Bürgersteig der Schwerdstraße 13 der erste Osthofener Stolperstein für Ludwig Ebert verlegt. Am Vormittag ab 9 Uhr werden in Worms 23 Stolpersteine verlegt.

Ludwig Ebert war Mitbürger jüdischen Glaubens. Er lebte 50 Jahre in Osthofen, arbeitete 25 Jahre in der Papier- u. Pappdeckelfabrik im Ziegelhüttenweg, gründete das Papierwerk Osthofen und über Jahrzehnte garantierte er unzähligen Osthofener Familien ihren Broterwerb.
1914 gründete er zusammen mit Carl Schill, Wilhelm Bansbach, Dr. Danielsen, Fritz Rauch, der Ehefrau des Pfarrers Illert, Bürgermeister Schmitt, Bankdirektor Merkelbach und anderen die Kriegsfürsorge Osthofen und wurde Vorstandsmitglied. Der Verein betrieb ein Hilfs-Lazarett in der heutigen Carl-Schill-Turnhalle.
Zwei Jahrzehnte war Ludwig Ebert im Vorstand der Osthofener Synagoge, er war 1. Vorsitzender der AOK Osthofen und Mitglied des Steuerausschusses des Kreistages.
Die örtlichen Nationalsozialisten straften ihn als Juden mit Verachtung: 1934 sperrten sie ihn im KZ Osthofen ein – es war auf dem Gelände der ehemaligen Papier- u. Pappdeckelfabrik im Ziegelhüttenweg eingerichtet worden, wo er jahrelang in führender Position tätig gewesen war. Seine eigene Firma musste er an einen „Arier“ verkaufen.

Flucht nach Amsterdam

Für einige Zeit kam er in Worms bei Isidor Kiefer unter, dem letzten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Worms und Initiator des Wiederaufbaus der Wormser Synagoge, bevor er weiter nach Frankfurt und Amsterdam floh. Zehn Jahre lang versuchte er den Nazis zu entkommen, aber als 76-Jähriger wurde er in den Niederlanden interniert, nach Auschwitz deportiert und drei Tage später ermordet. 79 Jahre nach seinem Tod wird für Ludwig Ebert ein Stolperstein gelegt.

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Geschrieben in VG Wonnegau

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