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13.09 Uhr | 5. September 2019

„Fangen Sie an!“

LANDWIRTSCHAFT: Agrarbloggerin Jutta Zeisset begeistert bei Jahreshauptversammlung in Worms

Die Bloggerin überzeugte bei der Jahreshauptversammlung.

Die Bloggerin Jutta Zeisset zeigte mediale Lösungsvorschläge auf. 

„Zukunft gestalten im Social-Media-Zeitalter“ – unter dieses Motto hatte der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. in diesem Jahr seine Hauptversammlung gestellt.

„In Gesprächen mit unseren Mitgliedern erleben wir immer wieder, dass insbesondere die aktuelle Negativdiskussion über die Landwirtschaft als belastend empfunden wird“, erläuterte der Verbandsvorsitzende Walter Manz hierzu in seiner Begrüßungsansprache. „Und vor allem stellen wir fest, dass politische Entscheidungen immer stärker von solchen Negativdiskussionen bzw. gesellschaftlichen Strömungen beeinflusst werden. Dabei sind es nicht mehr in erster Linie die Fakten, die zählen, sondern das, was die Bevölkerung vermeintlich will oder nicht will.“

Falsche politische Entscheidungen
Was aber, wenn die Wahrnehmung und Meinung der Bevölkerung auf Grundlage von vereinfachten, verzerrten, einseitigen und leider allzu oft auch schlichtweg falschen Darstellungen und Berichterstattungen gebildet wurde? – „Ab dann wird es gefährlich“, warnte Manz „Denn dann werden falsche politische Entscheidungen getroffen, Weichen für die Zukunft falsch gestellt, Irrwege beschritten.

Dann führen die – gut gemeinten, aber letztlich eben ungeeigneten – Verbesserungsbemühungen am Ende schlimmstenfalls dazu, dass das genaue Gegenteil von dem erreicht wird, was Politik und Gesellschaft eigentlich wollten.“

Viele Herausforderungen
Insofern betreffe das Thema Kommunikation die Landwirte nicht nur im Hinblick auf die allgemeine Stimmungslage, sondern vor allem auch ganz konkret im Hinblick auf die Rahmenbedingungen, die der Landwirtschaft politisch vorgegeben werden.

Tatsächlich sieht Manz viele der Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft aktuell steht, mindestens mitverursacht durch mangelhafte Kommunikation zwischen Landwirten und Bevölkerung. „Die Landwirtschaft hat also dringenden Nachholbedarf beim Thema Kommunikation“, stellte der Verbandsvorsitzende vor diesem Hintergrund fest.

„In ihrem ureigensten Interesse. Denn die Fakten sind EINE Sache. Wenn diese Fakten aber nicht ankommen – in der Bevölkerung, in der Politik -, dann haben wir als Landwirte auf die Dauer einen ganz schlechten Stand. Dann werden wir endgültig zum Spielball von jeweiligen kurzfristigen Stimmungslagen.“

Entscheidende Grundvoraussetzung
Mit der erfolgreichen Agrarbloggerin und Buchautorin Jutta Zeisset hatte der Verband daher eine Expertin eingeladen, die aufzeigen sollte, wie der Berufsstand es besser machen kann. Zeisset wies dabei gleich zu Beginn auf die entscheidende Grundvoraussetzung hin: „Wir müssen da sein, wo die Menschen sind!“ Und das ist – wie Zeisset darlegte – heute in erster Linie und zunehmend auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen.

„Ihr habt als landwirtschaftliche Familie alle eine Story“, erklärte sie ihrem aufmerksamen Publikum. „Diese Story müsst Ihr erzählen. Das macht den Landwirt zum Menschen.“ Zeissets mitreißender und hochinformativer Vortrag machte Lust auf Social Media und konnte mit konkreten Empfehlungen für den richtigen Umgang mit den jeweiligen Medien v.a. auch ein Stückweit vorhandene Vorbehalte und Ängste (Stichwort „Bauern-Bashing“) abbauen.

Anschluss nicht verlieren
Die wachsende Vielfalt der Kommunikation sei durchaus eine Herausforderung. Angesichts dessen sei es aber umso wichtiger, überhaupt irgendwo anzufangen. „Suchen Sie sich das Medium, mit dem Sie sich wohlfühlen“, riet Zeisset. „Aber fangen Sie an! Sonst verlieren Sie den Anschluss!“

Aber auch die ganz konkreten Herausforderungen für die Branche blieben in der Veranstaltung nicht außen vor. Südzucker-Vorstand Dr. Thomas Kirchberg referierte vor diesem Hintergrund darüber, wie das Unternehmen auf die erschwerten Rahmenbedingungen reagiert und welche Lösungsansätze insbesondere auch im pflanzenbaulichen Bereich aktuell für die landwirtschaftliche Praxis erarbeitet werden.

Produktivität und Nachhaltigkeit
Auch der Verband hat angesichts der zahlreichen pflanzenbaulichen Fragestellungen in einem veränderten klimatischen und politischen Umfeld eine Forschungsoffensive gestartet. Dazu zählt u.a. ein Projektvorhaben zu einem nachhaltigen Insekten- und Krankheitsmanagement im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri).

„Ich freue mich sehr, dass auch ein Antrag zum Zuckerrübenanbau gestellt und ausgewählt wurde!“ erklärte Andy Becht, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium, anlässlich der Jahreshauptversammlung. „Und ich darf Ihnen schon jetzt zu diesem starken Netzwerk gratulieren, das diese wichtigen Fragestellungen bearbeiten wird!“

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