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13.05 Uhr | 21. Februar 2019

„Freude am Mitgestalten und Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung“

Impulsabend Damenwahl: Diskussion mit Politikerinnen im Landkreis Alzey-Worms

Stephanie Jung (Mitte) Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat Alzey, diskutierte mit den Gästen. Foto: Simone Stier

Stephanie Jung (Mitte) Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat Alzey, diskutierte mit den Gästen. Foto: Simone Stier

Auch nach 100 Jahren Frauenwahlrecht in Deutschland sind in den politischen Gremien Frauen nicht ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend mit 50 Prozent vertreten. In der laufenden Legislaturperiode beträgt der Frauenanteil bei den Abgeordneten im Bundestag lediglich 30 Prozent, im Landtag liegt er bei 33 Prozent und im Kreistag Alzey-Worms sind 28 Prozent der Mitglieder Frauen. „Demokratisch und gerecht wäre es, wenn mindestens die Hälfte der Plätze in den Räten und Parlamenten von Frauen besetzt würden“, fordert Katharina Nuß, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Alzey-Worms. Den Rückblick auf das historische Datum „19. Februar 1919“ nahm Nuß zum Anlass, um mit Politikerinnen und Frauen, die sich zu einer Kandidatur entschlossen haben oder diese in Erwägung ziehen, ins Gespräch zu kommen.

Denkwürdiger Tag deutscher Parlamentsgeschichte
„Der 19. Februar zählt zu den denkwürdigen Tagen der deutschen Parlamentsgeschichte. Mit Marie Juchacz wurde 1919 zum ersten Mal in einem deutschen Parlament eine Frau als Abgeordnete „zum Wort aufgerufen“. Einen Monat zuvor war das Frauenwahlrecht Gesetz geworden. Dabei war Marie Juchacz, die spätere Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, eine von 41 Parlamentarierinnen bei 423 Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung“, erinnerte Nuß.

Um vor dem Hintergrund der am 26. Mai in Rheinland-Pfalz anstehenden Kommunalwahl mehr Frauen zu ermutigen, sich auf den Listen der Parteien auf einem aussichtsreichen Platz zu positionieren und um Tipps und Ideen für eine erfolgreiche politische Tätigkeit zu vermitteln, hatte Nuß gemeinsam mit der Ortsbürgermeisterin Ute Klenk-Kaufmann (Eppelsheim) zum Impulsabend „Damenwahl“ in den Bürgersaal nach Eppelsheim eingeladen. Rund 80 interessierte Frauen und Männer waren gekommen, um mit erfahrenen Politikerinnen aus der Region ins Gespräch zu kommen. „Was hindert Frauen, sich politisch zu engagieren? Wie erleben Frauen politische Arbeit in den Gremien? Wie vereinbaren sie Familie und Politik? Was motiviert Frauen, bei den jetzt bevorstehenden Kommunal- und Europawahlen im Mai 2019 zu kandidieren?“, lauteten unter anderem die Fragestellungen.

Frauen trauen sich zu wenig
In lockeren Gesprächsrunden bei Getränken und rheinhessischen Tapas, die die Eppelsheimer Landfrauen vorbereitet hatten, tauschten die Gäste Erfahrungen aus, sprachen über Netzwerkbildung und die Möglichkeit, Familie, Beruf und politische Arbeit zu organisieren. „Frauen sind in ihrer Entscheidung, sich kommunalpolitisch zu engagieren, oft zu zögerlich und trauen sich zu wenig zu“, so die einhellige Meinung. Und auch die Gesellschaft sei gefordert, das Ehrenamt stärker zu fördern. Frauen, die politische Ämter übernehmen und Familienarbeit leisten, seien unter Umständen nicht mehr zeitlich in der Lage, Vollzeit zu arbeiten.

Dies wirke sich negativ auf den Rentenanspruch aus. „Eine Lösung wäre es, den ehrenamtlichen Einsatz mit Rentenpunkten zu belohnen“, so Nuß. Um bei der politischen Arbeit Ideen wirkungsvoll in die Gremien einzubringen sei es darüber hinaus wichtig, mit Frauen parteiübergreifend Netzwerke zu bilden und Erfahrungen auszutauschen. „Viele Frauen haben das Potential, sich in die Politik einzubringen. Man muss sich nur trauen sich zu positionieren, aber auch ein dickes Fell zulegen und unter Umständen Anfeindungen aushalten. Im Gegenzug macht es viel Freude, das eigene Umfeld mitzugestalten und die Stadt oder Ortsgemeinde weiter voran zu bringen. Und die politische Arbeit eröffne die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln“, berichteten die Politikerinnen über ihre Erfahrungen und ermunterten zum Mittun.

Mit dabei waren die Politikerinnen:
Ute Balz, Waltraud Fahl, Jennifer Fröhlich, Corinne Herbst, Stephanie Jung, Elisabeth Kolb-Noack, Isabelle Merker, Nina Macher, Iris Peterek, Jaqueline Rehn, Pia Schellhammer, Elfriede Schmitt-Sieben.

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Geschrieben in Aus dem Nibelungenland

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