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19.54 Uhr | 17. Februar 2021

Gleiche Bildungschancen bieten und Benachteiligungen abbauen

JUGENDHILFEAUSSCHUSS: Konzeption zum Einsatz der Mittel des Sozialraumbudgets einstimmig befürwortet / Mehr Spielraum und Geld für Personal in Tageseinrichtungen

Mit den Mitteln für das Sozialraumbudget sollen besondere personelle Bedarfe, die sich in einer Kita aufgrund der sozialräumlichen Lage in einem benachteiligten Wohngebiet ergeben, finanziert werden. Foto: LMoonlight/Pixabay

VON STEFFEN HEUMANN | „Da steckt viel Musik und Arbeit drin“, lobte Sozialdezernent Waldemar Herder am Mittwoch die Präsentation von Sozialraumplaner Tobias Schasse. Dessen Ausführungen dienten dem Jugendhilfeausschuss als Beschlussgrundlage für die Zustimmung zur „Konzeption zum Einsatz der Mittel des Sozialraumbudgets“. Mit der Einführung des neuen rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten-Gesetzes (KiTaG) zum 1. Juli 2021 erhalten die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe Zuweisungen des Landes zur Deckung von personellen Bedarfen und Verstärkungen, die in Tageseinrichtungen aufgrund ihres Sozialraums oder anderer besonderer Bedarfe entstehen können (Sozialraumbudget). Der Stadt Worms stehen 1,6 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen bis zu 60 Prozent der zweckdienlichen Personalkosten gedeckt werden. Der kommunale Eigenanteil beläuft sich auf 1.073.342 Euro.

Anreiz für Fachkräfte

„Das erlaubt jetzt auch mittelfristige Planungen im Personalbereich“, so Waldemar Herder. Mit kurzfristig angelegten Betreuungsmaßnahmen habe man schlechte Erfahrungen gemacht, erklärte Herder. Die Kommune könne nun Schwerpunkte setzen und habe dabei einen größeren Spielraum. 85% der Mittel fließen in den Bereich „Sozialräumliche Bedarfe“ zur Deckung von Personalkosten bei Einrichtungen in benachteiligten Wohngebieten und ca. 15 Prozent der Mittel in den Bereich „Andere Bedarfe“, wie betriebserlaubnisrelevante Ausgaben bei zwei Standorten oder bei Leistungen zur Teilhabe bei der Aufnahme von Kindern mit Behinderung.

Mittel gezielt einsetzen

In der Mai-Sitzung des Ausschusses will Herder weiter auf das neue KiTa-Gesetz eingehen. „Da sind wir noch in der Bestandsaufnahme“, fügte der Dezernent an. Ein Plus von 75 Stellen für alle Wormser Einrichtungen wird angestrebt, „möglichst ohne wesentliche Platzreduktionen, aber mit baulichen Verbesserungen“. „Statt nach dem Gießkannenprinzip werden die Mittel dort eingesetzt, so sie am sinnvollsten sind“, befand Waldemar Herder mit Blick auf den „Sozialraum-Gedanken“.

Personalschlüssel wird Sozialraumbedarf angepasst

Tobias Schasse erläuterte, dass für jede Kita mit Bezug auf ihre Angebotsstruktur die Personalstärke ermittelt werde und danach am Bedarf angepasst eine unterschiedliche Personalisierung erfolge, wenn etwa benachteiligte Kinder besonders gefördert werden müssten oder mehr sozialpädagogische Kompetenzen erforderlich seien. Daraus resultiere der jeweilige Personalschlüssel aus dem Sozialraumbudget. Die entwickelten Modelle von Kita!Plus (in Worms als sozialräumliche Familien-Netzwerke ausgestaltet), der Spiel- und Lernstuben und der Fachkräfte mit interkultureller Kompetenz sollen weiterentwickelt und als wesentlicher Baustein einer Präventions- und Bildungskette ergänzt werden.

Nur Personalkosten sind gedeckelt

Insgesamt stehen 2,6 Millionen Euro jährlich für einen Zeitraum von 5 Jahren zur Verfügung. Das Land übernimmt jedoch nur die Personalkosten. Insgesamt können mit diesen Mitteln 35 Vollzeitstellen abgedeckt werden. Das Personal soll dabei auch träger- oder einrichtungsübergreifend eingesetzt werden. Ziel sei es, gleiche Bildungschancen zu bieten und Benachteiligungen abzubauen, betonte Schasse. Im Detail nannte der Experte die verdichtete Problemlage im Norden, Süden, dem Zentrum, im Süd-Westen von Worms und Teilen in Neuhausen. Dort gelte es entsprechende Mittel und sozialraumbezogenes Personal durch ein mehrfach gestuftes Verfahren einzusetzen. Man sei jedoch „genötigt“ alle 5 Jahre die Gelder neu zu verteilen und das Grundmodell zu überprüfen bzw. Indikatoren neu zu bewerten. Um eine gewisse Personalstabilität zu erreichen, soll bereits nach zwei Jahren ein Zwischenbericht erfolgen.

Kein Neidprogramm, sondern gerechte Verteilungsstufen

„Kein Neidprogramm, sondern gerechte Verteilungsstufen je nach Rangordnung“, wie Sozialraumplaner Tobias Schasse konstatierte. Irgendwo müsse man einen Cut setzen, um die Kinder zu unterstützen. Für einen höheren Bedarf gäbe es nicht mehr Geld. Das Augenmerk liege daher auf den vorhandenen Ressourcen. Die deutliche Erweiterung des finanziellen Spielraums hat allerdings auch einen Haken: Kita-Ausflüge und Eintrittsgelder oder externe pädagogische Angebote sind Extras, für die es kein Budget gibt. „Bei der Sachkostenübernahme herrscht noch Klärungsbedarf“, wie Dezernent Herder anmerkte. „Zunächst haben wir in der Tat nur mehr Manpower“, bestätigte Tobias Schasse.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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