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  • Di., 03. September 2013, 17:25 Uhr
    Kirchenpräsident Jung predigt unter dem Heidenturm in Dittelsheim

    „Gottes Segen ist für alle Menschen“

    Unter dem Heidenturm: Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN, Architekt Uwe Blumenstein, Pfarrerin Rita Schaab, Architekt Joachim Gottstein, Dekan Harald Storch (von links). Foto: Yvonne Schnur, Evangelische Öffentlichkeitsarbeit (eöa/ys)


    „Seit dem Bestehen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) predigt hier zum ersten Mal ein Kirchenpräsident“, begrüßte Kirchenvorstandsmitglied Dr. Ulrich Kretschmer die zahlreichen Gottesdienstbesucher am Sonntag in der Dittelsheimer Heidenturmkirche. Nachdem die evangelische Kirche vor einem Jahr aufwändig saniert wurde, besuchte Kirchenpräsident Dr. Volker Jung am vergangenen Sonntag Gottesdienst und Gemeindefest.

    „Der Segen ist das Wichtigste“, wandte sich Jung in seiner Predigt an die Gemeinde. Ausgehend von der biblischen Erzählung über Jakob und dessen Traum von der Himmelsleiter, stellte Jung dar, dass auch die „Verlorenen“ Gottes Segen empfangen: „Gottes Segen ist für alle Menschen, wir müssen ihn uns nicht verdienen“. Damit kam Jung auch auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu sprechen. Dies wird in den Medien nicht zuletzt diskutiert, seit sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau jüngst dafür ausgesprochen hat. „Gottes Segen ist für Alle“, betonte der Kirchenpräsident in diesem Zusammenhang noch einmal.

    Menschen von Gottes Wort berührt
    Wie Jakob in der biblischen Geschichte vom Segen Gottes überrascht wird, würden auch heute noch Menschen von Gottes Wort berührt, so der Kirchenpräsident. „Wenn wir spüren ‚das trifft mich‘ – dann redet Gott“, so Jung. Deshalb habe der Besuch des Gottesdienstes für viele Menschen nach wie vor einen hohen Stellenwert: „Wir wünschen, dass Gott unser Herz anrührt und uns ein Wort des Glaubens gibt – deshalb ist es auch gut, dass wir Kirchen bauen.“

    Das Sanierungsprojekt der Dittelsheimer Heidenturmkirche skizzierte das Darmstädter Architektenduo Uwe Blumenstein und Joachim Gottstein. „Seit 900 Jahren wird an dieser Kirche gebaut und auch wir ließen keinen Zentimeter unberührt“, scherzte Gottstein. Neben der Sanierung des Innenraums und einer neuen Fassung für den außergewöhnlichen Kirchturm wurde ein Traum von Pfarrerin Rita Schaab Wirklichkeit: Ein Anbau mit Küche und Toiletten, der auch den zahlreichen Pilgern zu Gute kommt, die auf dem Jakobsweg an der evangelischen Kirche Halt machen. So herzlich wie in dieser Gemeinde seien sie selten aufgenommen worden, so die Architekten. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstandsvorsitzenden Gerd Rothfuß sein „ein Segen“ gewesen.

    Aufschlussreicher Vortrag von Kunsthistoriker Roese
    Einen aufschlussreichen Vortrag über die Entstehungsgeschichte der Heidenturmkirchen bot im Rahmen des anschließenden Gemeindefestes der Kunsthistoriker und Bildhauer Gerd Roese. Seine Ausführungen richteten sich gegen die weitverbreiteten Annahmen, die Heiden- oder Sarazenentürme seien als Denkmäler des Triumphs zum Andenken an die „Befreiung“ des Heiligen Landes entstanden oder, so eine weitere Vermutung, der Grabeskirche in Jerusalem nachempfunden. Vielmehr sei die Kuppelbekrönung der Kreuzauffindungskapelle (Helena-Kapelle) am Fuße der Jerusalemer Grabeskirche Vorbild für die besonderen Türme gewesen, die außer in Dittelsheim nur in Alsheim, Guntersblum und Worms zu finden sind. Mit dieser Theorie sei auch zu erklären, warum die kurze Zeit der Bautradition von 1108 bis 1115 ein jähes Ende fand, so Roese: Nach 1115 befand sich die Kreuz-Reliquie nicht mehr in der Helena-Kapelle. Die Kirchen als Heidenturmkirchen zu bezeichnen sei vor dem Hintergrund dieser Annahmen „völlig unsinnig“, schloss Roese.

    Für eine festliche Stimmung im Gottesdienst sorgte die Chorgemeinschaft Dittelsheim-Hessloch unter der Leitung von Heinrich Lott, die Orgel spielte Christian Seibert. Petra Fluhr schenkte den Zuhörern eine bezaubernde Variationen über „Les Follies d’Espagne“ von Marin Marais für Oboe. Beim anschließenden Gemeindefest im herrlichen Pfarrgarten musizierte der Musikverein Hessloch.

     

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