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18.31 Uhr | 30. Juli 2013

Grüne wollen sich nicht mit „Tierfabrik” abfinden

Fraktionsvorsitzender Daniel Köbler besuchte auf seiner Sommertour Gimbsheim und kritisierte dort die geplante Erweiterung des Legehennenbetriebs der Firma Hego

 Kritik an der geplanten Erweiterung des Legehennenbetriebes zeigten die Grünen-Politiker direkt am Zaun des Unternehmens. Von links: Daniel Köbler, Jan Paul Stich, Pia Schellhammer und Elisabeth Kolb-Noack. Foto: Gernot Kirch

Kritik an der geplanten Erweiterung des Legehennenbetriebes zeigten die Grünen-Politiker direkt am Zaun des Unternehmens. Von links: Daniel Köbler, Jan Paul Stich, Pia Schellhammer und Elisabeth Kolb-Noack. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag, Daniel Köbler, machte auf seiner Sommertour am Dienstag zunächst in Worms beim geplanten Gewerbegebiet ”Hoher Stein” Station, dann fuhr er weiter nach Gimbsheim. Auf der zweiten Etappe wurde er von drei Grünen-Politikern aus der Region begleitet: Der Landtagsabgeordneten Pia Schellhammer, dem Bundestagskandidat Jan Paul Stich und der Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Elisabeth Kolb-Noack.

In erster Linie wollte sich Köbler in Gimbsheim über den Legehennenbetrieb der Firma Hego informieren, der seine Anlage nahezu verdoppeln will. Gegenüber der Presse erneuerten die Grünen-Politiker ihre massive Kritik an dem Projekt. Alleine schon aus Gründen des Tierschutzes lehnten sie die Art der Haltung ab, bei der 18 Hühner auf einem Quadratmeter existieren müssten. „Es geht um das Leid der Tiere“, sagte Daniel Köbler.

500.000 Hennen
Seit die Firma Hego vor rund anderthalb Jahren den Antrag auf Erweiterung des Betriebes von rund 200.000 auf 500.000 Legehennen in Gimbsheim gestellt hat, erregt das Thema die Bürger. Ihre Einwände konnten die Bewohner im Frühjahr diesen Jahres auf einem öffentlichen Erörterungstermin im Gimbsheimer Rathaus vorbringen. Hierbei konnte die Firma Hego nicht alle Bedenken und Einsprüche aus dem Weg räumen, sodass weitere Untersuchungen notwendig wurden.

Neues Gutachten
Marco Sussmann von der Kreisverwaltung Alzey-Worms erläuterte dem NK am Dienstag auf Nachfrage, dass eine Entscheidung über die Genehmigung der Erweiterung noch nicht gefallen sei. Es würden nochmals alle Einwände geprüft. Diesbezüglich habe die Kreisverwaltung ein weiteres, diesmal externes Gutachten in Auftrag gegeben. Hierbei ging es unter anderem über Lärm- und Verkehrsbelastung sowie die Lage in einem Hochwassergebiet. Das Ergebnis erwarte die Kreisverwaltung gegen Ende des Jahres. Vorher könne zur Genehmigung keine Aussage getroffen werden. Marco Sussmann wies aber darauf hin, dass es bei dem Genehmigungsverfahren auf Kreisebene nicht um das generelle Thema Tierschutz gehe, denn dies falle unter das Europarecht. Vielmehr könne das in Auftrag gegeben Gutachten „nur” die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften prüfen.

Öffentlichkeit wachrütteln
Landtagsabgeordnete Pia Schellhammer sagte am Dienstag, dass alleine schon die Auftragsvergabe für ein neues Gutachten durch den Landkreis einen Erfolg darstelle. So seien bisher etwa die Bedenken der hessischen Gemeinden überhaupt nicht berücksichtigt worden. Auch habe man Aspekte des Hochwasserschutzes zu wenig beachtet. Was würde etwa passieren, wenn der Rhein über den Damm trete und die Legehennenanlage unter Wasser setze und tausende von Tieren sterben? Muss dann mit einer Seuchengefahr gerechnet werden, fragte Pia Schellhammer weiter. Auch müssten die Diskussionspunkte bezüglich Lärm- und Geruchsemissionen tiefergehend untersucht werden.

Keine Tierfabriken
Doch ginge es bei ihrem Engagement gegen die Erweiterung weit über die rein technischen und juristischen Fragen hinaus, erklärte Jan Paul Stich. Man wolle ein öffentliches Bewusstsein schaffen, dass solche ”Tierfabriken” nicht erwünscht seien.

Elisabeth Kolb-Noack ergänzte, dass es in Gimbsheim noch zwei weitere Legehennenbetriebe existierten. Würden alle Erweiterungen verwirklicht, gäbe es in Gimbsheim bald rund 1 Millionen Hühner.

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2 Kommentare für "Grüne wollen sich nicht mit „Tierfabrik” abfinden"

  1. Thomas sagt:

    „hessische Gemeinden“?