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17.59 Uhr | 23. September 2021

Hier Feierstunden, dort Lehrstunden

Fußball Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar: VfR Wormatia Worms dominiert das Stadtderby und pfeffert TSG Pfeddersheim vor 1.606 Zuschauern eine 7:0-Packung um die Ohren

Jean-Yves M’voto düpiert die halbe TSG-Abwehr beim Treffer zum 3:0 (34.). Der Innenverteidiger des VfR nutzt dabei seine Lufthoheit im TSG-Strafraum auf Flanke von Tevin Ihrig konsequent aus. Foto: Felix Diehl

Jean-Yves M’voto düpiert die halbe TSG-Abwehr beim Treffer zum 3:0 (34.). Der Innenverteidiger des VfR nutzt dabei seine Lufthoheit im TSG-Strafraum auf Flanke von Tevin Ihrig konsequent aus. Foto: Felix Diehl

Von Jürgen Jaap |Erstens kommt es anders … und Zweitens als man denkt. Mittwoch, 22. September 2021, 19.10 Uhr über der EWR-Arena Worms: Das Flutlicht der vier riesigen Masten geht an. Das konnte man erwarten. 19.20 Uhr auf dem Platz: Drei Wassersprenger geben dem Rasen den letzten Schliff.

Auch das war zu erwarten. 19:30 Uhr am Mittelkreis des Fußballplatzes: Die zwei Mannschaften des VfR Wormatia Worms und der TSG Pfeddersheim präsentieren sich stolz den 1.606 Zuschauern, die voller Spannung auf das Stadtduell der beiden besten Wormser Fußballteams hin fiebern. Ein offenes Spitzenspiel der Süd-Staffel der Fußball Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar ist am achten Spieltag der Saison 2021/2022 ob der Vorleistungen beider Teams zu erwarten.

21.15 Uhr im weiten Rund der EWR-Arena: Die Fans der Wormaten feiern ihre Derbyhelden für einen historischen 7:0-Erfolg, der höchste Sieg der Wormser in einem Pflichtspiel seit 2008. Die Kicker der TSG Pfeddersheim stehen wie begossene Pudel umher – und wissen kaum, wie ihnen geschah. Das war nun wirklich nicht zu erwarten.

Daniel Wilde: „Männerfußball gegen Jugendfußball“

Nur Einer hatte so eine Vorahnung. „Die Wormatia holt sich den Sieg, na klar, wie immer“, orakelte Hans-Joachim Kosubek kurz vor dem Anpfiff. Der Wormser Bürgermeister und leidenschaftliche Fan der TSG Pfeddersheim behielt zwar Recht, hätte aber wohl kaum diese Lehrstunden vorhersagen können, die die Elf seines Herzens quittierte. „Das war Männerfußball gegen Jugendfußball“, brachte Daniel Wilde das Geschehen auf den Punkt. Der sichtlich mitgenommene 33-jährige Trainer der TSG schob nach: „Wormatia ist in der Saison 2021/2022 nun angekommen – dank uns.“

Bei diesen offenen Worten musste sein Wormser Trainerkollege Kristjan Glibo bei der Pressekonferenz nach der Partie ein wenig schmunzeln. Sebastian Kaster war kurz zuvor ob der deftigen Klatsche kein bisschen zum Schmunzeln zumute. Der Kapitän der Pfeddersheimer bemühte Oliver Kahn, den deutschen Torwart-Titan: „Was uns fehlte, waren Eier! Dabei hatten wir uns doch so viel für das Spiel vorgenommen.“

Wormatias Forechecking raubt TSG die Luft

Viel dieses Vorhabens ließ die TSG nicht erkennen, obgleich die Elf von Daniel Wilde mit der Empfehlung eines 7:2-Kantersieges gegen Tabellenführer FC Hertha Wiesbach die paar Kilometer rüber vom Uwe-Becker-Stadion eigentlich mit einer breiten Brust hätte machen müssen.

Dafür sorgten die Wormaten von Beginn weg für gehörigen Druck, obwohl mit Sandro Loechelt, Martin Röser, Luca Graciotti, Fatih Köksal und Henrique gleich fünf wichtige Mittelfeldspieler verletzt fehlten. Kristjan Glibo hatte seinen Kickern aggressives Pressing ganz tief in der Hälfte der TSG verordnet.

Jannik Marx (Mitte) eröffnet den Torreigen für den VfR Wormatia Worms bereits nach acht Minuten. Fast immer kamen im Wormser Stadtderby die Kicker der TSG Pfeddersheim, wie hier Elias Burkert (links), einen Schritt zu spät. Foto: Felix Diehl

Jannik Marx (Mitte) eröffnet den Torreigen für den VfR Wormatia Worms bereits nach acht Minuten. Fast immer kamen im Wormser Stadtderby die Kicker der TSG Pfeddersheim, wie hier Elias Burkert (links), einen Schritt zu spät. Foto: Felix Diehl

„Vor so einer fantastischen Kulisse holst du automatisch alles aus dir raus“, erklärte VfR-Kapitän Lennart Grimmer das Erfolgsrezept seiner Mannschaft. Alle zehn Feldspieler der Wormaten (Kristjan Glibo: „So viele Hüte habe ich gar nicht, wie ich angesichts der Leistung meiner Truppe ziehen möchte.“) raubten dem Spielaufbau der Pfeddersheimer die Luft.

Wormatia drängt und trifft

Fehlpässe (Wilde: „Unfassbare, kapitale Ballverluste“) waren die logische Folge der permanent anlaufenden Wormaten. Ein Ballgewinn nebst langem Pass auf Jannik Marx sorgte durch dessen präzisen Abschluss für das 1:0 (8.). Gleiches Spielchen beim zweiten Tor. Adrian Kireski stiehlt der TSG das Spielgerät, Pass zu Simon Joachims, Schlenzer ins rechte Eck, staunen und jubeln im weiten Rund (26.). Große Torchancen von Jannik Marx (7.), Gibriel Darkaoui (13., 18., 30.) und Luis Kiefer (28.) hätten das Ergebnis bereits nach einer halben Stunde in die Höhe schrauben können.

Jean-Yves M’voto auf Flanke von Tevin Ihrig in seiner typischen Manier mit einem satten Kopfball in den linken Winkel (34.) und Lennart Grimmer nach klasse Zuspiel von Mark Knäblein (43.) holten Versäumtes nach. „Die TSG ist gegenüber den letzten Spielen nicht wieder zu erkennen. Und eine bissige, laufstarke und treffsichere Wormatia auch nicht“, fasste Uwe Franz, Sportdezernent der Stadt Worms, das Geschehen der ersten Hälfte und den 4:0-Zwischenstand messerscharf zusammen.

Mit Applaus in die Paus’

Die Wormser Kicker durften da schon unter dem Beifall der VfR-Fans auf der Haupttribüne rein in die Halbzeitpause. In der Pause ging über dem Stadion der Mond auf, ein Lichtlein bei den Gästen aber nicht. „Wir haben aus der ersten Hälfte nichts gelernt und präsentierten Wormatia die Tore weiter auf dem Tablett“, wirkte Daniel Wilde ratlos.

Ob’s womöglich am kurzfristigen Ausfall beim Aufwärmen von Verteidiger Henrik Nagel lag, dass die TSG-Defensive zeitweise überfordert wirkte, sei dahingestellt. Jedenfalls zog der VfR weiter sein Pressing auf. Und mit Noel Eichinger und Joey Lieshout brachte Kristjan Glibo zwei weitere Joker, die stachen. Eichinger warf sich ins Getümmel im Strafraum, wurde gelegt, Elfmeter (65.). Joey Lieshout netzt mit der ersten Ballberührung vom Punkt sicher ein (66.) – das erste Pflichtspieltor des jungen Wormatia-Stürmers noch dazu.

Kristjan Glibo: „Werbung für den Fußball in Worms“

Und weiter ging die wilde Fahrt der Wormaten. „Werbung für den Fußball in Worms, ich bin stolz auf mein Team“, umschrieb Kristjan Glibo den Rest der Feierstunden. Feierstunden zugleich auch für Goalgetter Noel Eichinger, der erst einen langen Pass von Lennart Grimmer verwertete (70.), und schließlich mit einem Dribbling an TSG-Keeper Alexander Loch vorbei den 7:0-Endstand markierte (81.).

Von den Rängen drang mittlerweile längst ein „hier regiert der VfR“ und „die Wormatia, die Wormatia, die Wormatia spielt so schön“. Stimmte alles haargenau und passte auf ein Stadtderby, das auf Augenhöhe startete, schnell zum Spiel in eine Richtung mutierte, und letztendlich in einer bitteren Lehrstunde für die TSG und einem Feiertag des VfR mündete.

Fußball Oberliga Rheinland-Pfalz-Saar – Staffel Süd:
VfR Wormatia Worms – TSG Pfeddersheim 7:0 (4:0)
VfR Wormatia Worms: Cymer – Grimmer, M’voto, Ihrig, Knäblein – Marx (82. Gotel) – Asamoah, Kireski (72. Lickert), Joachims – Kiefer (60. Eichinger), Darkaoui (64. Lieshout).
TSG Pfeddersheim: Loch – Amos, Leposhtaku, Himmel (72. Yeboah), Burkert (88. Oruc), Bhatti (46. Lieberknecht) – Huth, Oehler (79. Kopaliani), Schmidt – Dautaj, Kaster.
Karten: VfR Wormatia Worms – Gelb: Kireski (35.), Marx (39.). / TSG Pfeddersheim – Gelb: Bhatti (39.), Schmidt (40.).
Tore: 1:0 Marx (8.), 2:0 Joachims (26.), 3:0 M’voto (34.), 4:0 Grimmer (43.), 5:0 Lieshout (66. / Foulelfmeter), 6:0 Eichinger (70.), 7:0 Eichinger (81.).
Zuschauer: 1.606.

 

 

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Geschrieben in Sport

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