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Kein Kind an der Hand, aber eines im Herzen

Der „Soroptimist International Club Worms e.V.“ unterstützt den „Sternengeflüster e.V.“ / Schwieriges Thema offen angehen

Jacqueline Pieper, Melanie Böttger und Stephanie Weißenburger (von links) mit den Andenken, die sie persönlich für die Betroffenen vor jedem Einsatz zusammenstellen.  Foto: Robert Lehr

Jacqueline Pieper, Melanie Böttger und Stephanie Weißenburger (von links) mit den Andenken, die sie persönlich für die Betroffenen vor jedem Einsatz zusammenstellen. Foto: Robert Lehr

Von Robert Lehr | Sie heißen Mia Marie, Paul oder Celine, sind von ihren Eltern mit riesiger Freude erwartet worden und haben doch niemals oder nur kurz das Licht der Welt erblicken dürfen. Maria Mia, Paul und Celine sind die Namen echter Sternenkinder – sie sind vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben. Um betroffene Eltern und Angehörige in ihrer Trauer zu unterstützen, haben sich bereits im Jahr 2015 „Sternenkindereltern“ in einer in Worms und Umgebung tätigen Selbsthilfegruppe organisiert. Daraus entstand im vergangenen Jahr der „Sternengeflüster e.V.“.

Tiefe endlose Trauer
„Der Tod eines Kindes kann Eltern in eine tiefe, scheinbar endlose Trauer stürzen, die sie allein schwer überwinden können“, so Jacqueline Pieper. Die 1. Vorsitzende des Vereines ist selbst eine zweifache Sternenkindmutter und weiß daher nur zu gut, „wie wichtig es ist, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen“. Deshalb gehen sie und ihre Vereinskolleginnen in der Vereinsarbeit offen mit ihren eigenen Schicksalen um. Das helfe, Blockaden abzubauen.

Die Vereinsgründung sei nicht nur aus rechtlichen oder finanziellen Gründen folgerichtig gewesen, ergänzt die 2. Vorsitzende Melanie Böttger. „Man kann als Verein wesentlich mehr bewirken als eine Selbsthilfegruppe. Auf diese Weise lässt sich ein viel umfangreicheres Angebot aufbauen“, denn schließlich ginge es ja darum, Hemmschwellen bei Betroffenen abzubauen und „ein schweres Tabuthema offen anzugehen“.

Dazu gehöre u.a. der „Austausch mit anderen Betroffenen in Gesprächsgruppen, das gemeinsame Erstellen von Andenken, die Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Sternenkinder, aber vor allem auch die Unterstützung in der Akutsituation vor Ort, so Stephanie Weißenburger.

Gemeinsam mit Jacqueline Pieper sorgt sie seit Gründung des Vereins für Beistand in entsprechenden Notsituationen. Um die Hilfe noch gezielter und professioneller leisten zu können, nehmen die beiden derzeit an einem zertifizierten Fernstudium teil. Dieses gliedert sich in zwei Module, bei denen im ersten der Tod an sich und im zweiten dann die klinischen Aspekte beim Verlust eines Kindes thematisiert werde. Die Kosten für zwei Studierende, die sich dann in Notsituationen abwechseln könnten, liegen allerdings bei insgesamt 3.500 Euro.

Mechthild Streicher und Pia Müller (3.von rechts und 2. von links) sind die eigentlichen Initiatoren der Spende, die auf Vermittlung der Soroptimistinnen um Brigitte Oßwald zustande kam (4. von rechts). Foto: Robert Lehr

Mechthild Streicher und Pia Müller (3.von rechts und 2. von links) sind die eigentlichen Initiatoren der Spende, die auf Vermittlung der Soroptimistinnen um Brigitte Oßwald zustande kam (4. von rechts). Foto: Robert Lehr

Ausbildung unterstützt
Für einen jungen Verein zuviel, dachte sich Pia Müller und schlug ihrer Mutter Mechthild Streicher vor, statt Geschenken zu deren 70. Geburtstag, für den „Sternengeflüster e.V.“ zu sammeln. Sensibilisiert für das Thema wurde Pia Müller, die derzeit selbst schwanger ist, durch eine Vorstellung des Vereins beim „Soroptimist International Clubs Worms“, dem sie selbst angehört. Mechthild Streicher zeigte sich von dem Vorschlag sehr angetan, so dass sie ihre Gäste bat, statt Geschenken Geld für den „Sternengeflüster e.V.“ zu spenden.

Das Geburtstagskind selbst zeigte sich am Mittwoch noch ganz angetan von der Spendenfreudigkeit ihrer Gäste: „Streng genommen sind sie es ja, von denen das Geld kommt“.

1.500 Euro übergeben
Und so wurde die stolze Summe von 1.500 Euro am Mittwochabend in der Café Bar Borgnolo im Haus am Dom übergeben. Dessen Besitzer Filippo Borgnolo sei „ein großer Unterstützer unserer Arbeit“, so Brigitte Oßwald, aktuelle Präsidentin der Wormser Soroptimisten. Diese internationale Service-Organisation „ist das weltweit größte Netzwerk berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen“ und verstehe sich als eine „starke Stimme von Frauen für Frauen“.

Raum für Trauer geben
Schnell ergaben sich an diesem Abend persönliche Gespräche und das Interesse auf beiden Seiten schien sehr groß zu sein. „Wir sind froh, wenn sich unser Anliegen auf eine breitere Basis stützen kann“, unterstrich Melanie Böttger, schließlich verlieren alleine in Deutschland jährlich 45.000 Frauen ein Kind. Damit es aber nicht einfach als „verloren“ gelte, sei es z.B. wichtig, ihm einen Namen zu geben und ihm nach Möglichkeit mit Erinnerungsstücken einen dauerhaften Platz im Leben zu schaffen, so Jacqueline Pieper. Stephanie Weißenburger erzählte in diesem Zusammenhang von der Möglichkeit, einen 3-D Hand-und Fußabdruck anzufertigen, was der Verein den Betroffenen kostenfrei bei seinen Einsätzen anbietet. Wichtigstes Element der Trauerarbeit aber bleibe das persönliche Gespräch, so Jacqueline Pieper. Hier könnte man einen geschützten „Raum für Trauer“ schaffen, das persönliche Gespräch unter Betroffenen böte die besten Ansatzpunkte für konkrete Hilfe, die so zur Selbsthilfe für Eltern und Angehörige werden könne.

Netzwerk schaffen
Wichtig für die zukünftige Arbeit sei es, ein Netzwerk aufzubauen, um im Notfall schnell und professionell helfen zu können, betonte Jacqueline Pieper. Von daher sei sie froh, dass auch Inge Gerbig am Mittwoch vor Ort war. Sie sei – ebenso wie die Gynäkologie im Klinikum Worms oder bestimmte Bestatter – ein unmittelbarer Draht zu den Betroffenen und unverzichtbarer Baustein dieses Netzwerkes.

Die Hebamme selbst zeigte sich froh über die Hilfe von „Sternengeflüster e.V.“. Mit dem Verein könne sie jetzt einen kompetenten Ansprechpartner empfehlen, der Eltern und Angehörigen in der traumatischen Situation wirksam helfen könne.

Gedenken an Muttertag
Für alle, die Kontakt mit dem „Sternengeflüster e.V.“ aufnehmen möchten, bietet dessen Homepage unter www.sternen-gefluester.de oder auf dessen Facebook-Seite einen zwanglosen Erstkontakt. Jacqueline Pieper steht auch unter Telefon 0174/9324707 oder E-Mail pieper@sternen-gefluester.de gerne zur Verfügung. Natürlich freut sich der junge Verein auch über Geldspenden unter IBAN: DE45 5535 0010 0022 0138 59, BIC: MALADE51WOR.

Da Trauer aber auch einen Ort des Erinnerns braucht, hat „Sternengeflüster e.V.“ im Wormser Wäldchen am Äschebuckel einen Baum als Gedenkbaum gemeinsam mit der Stadt Worms ausgesucht. Am Muttertag, dem 12. Mai, wird er offiziell eingeweiht.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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