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09.00 Uhr | 6. August 2022
MITTELHAHNTAL: Stellungnahmen des BUND und der Wormser Grünen zur Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes

„Keine weitere Naturzerstörung mehr“

BUND und Wormser Grüne plädieren für den Erhalt wertvoller Ackerböden im Mittelhahntal. Foto: Robert Lehr

Von Florian Helfert › Der BUND-Worms ist entschieden gegen die Ausweisung neuer Industrie- und Gewerbegebiete wie beispielsweise im Mittelhahntal. „Seit Jahrzehnten erleben Umweltschützer das gleiche Ritual. In Sonntagsreden bekennen sich Politiker aller Parteien zu mehr Umweltschutz. Geht es aber um die konkrete Umsetzung, wird das alles vergessen“, klagt Michael Leukam,Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe in Worms.

Konkretes Beispiel: Die Stadt ist Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“, Mitglied im „Klimabündnis der Städte“, Mitunterzeichner des „Mayors Adapt“ und sie hat sich zur Lokalen Agenda bekannt. „Niemand hat die Politik dazu gezwungen, aber mit all diesen freiwilligen Initiativen hat sie sich zu weitreichenden Maßnahmen verpflichtet u. a. auch dazu, das Siedlungswachstum zu begrenzen. Und es tut sich ja auch etwas“, so Leukam weiter. Derzeit arbeite die Stadtverwaltung an Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Sogar ein Hitzetelefon werde eingerichtet, um alte Menschen vor gesundheitlichem Schaden zu bewahren. Zeitgleich aber solle im Mittelhahntal ein neues, über 40 Hektar großes Gewerbegebiet gebaut werden. Das Gebiet weist laut BUND äußerst wertvollen Ackerboden auf und versorgt die Innenstadt auch mit kühler Frischluft. „Dort ist die Klimaanlage von Worms. Die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln ist unerträglich. Dies zerstört Vertrauen und beschädigt unsere Demokratie. Warum macht die Politik sich nicht ehrlich und bekennt sich für das eine oder das andere“, erklärt Michael Leukam.

„Die Wahrheit ist unbequem“

„Man kann nicht Flächen versiegeln und gleichzeitig den Boden schützen. Man kann nicht neue Hitzeinseln schaffen und gleichzeitig die Kaltluftzufuhr erhalten. Man kann nicht Hallen bauen und gleichzeitig Nahrungsmittel erzeugen. Man kann nicht Emissionen reduzieren und neue Industriegebiete ausweisen. Die Wahrheit ist unbequem, aber die Zeit des Lavierens ist zu Ende. Wir müssen uns entscheiden, ob wir weitermachen wie bisher oder ob wir es ernst meinen mit einer nachhaltigen Entwicklung“, so Leukam.

Jeden Tag werden ihm zufolge in Deutschland 60 Hektar Land versiegelt. Jeden Tag würden 150 Tier- und Pflanzenarten weltweit aussterben. „In Europa brennen die Wälder, verdorren die Felder und tausende Menschen sterben an den Folgen der Hitze. Weltweit hungern 800 Millionen Menschen – und es werden jeden Tag mehr“, schildert Leukam. Angesichts dieser existenziellen Krisen dürften keine weitere Flächen versiegelt und keine weiteren, wertvollen Ackerböden versiegelt werden. Wer dies dennoch fordere, mache sich schuldig. „Stattdessen müssen wir alles daransetzen, unsere Städte grüner zu machen, Flächen zu entsiegeln, Emissionen zu senken, Abfälle zu vermeiden und die Natur zu schützen“, fordert Leukam.

Grüne mahnen Klimagutachten an

Nur auf Grundlage von Daten und Fakten kann laut einer ergänzenden Stellungnahme der Grünen über das Mittelhahntal entschieden werden. Es gelte, Interessen abzuwägen. „Uns fehlt bislang eine eingehendere Untersuchung der klimatischen Funktionen des Mittelhahntals“, mahnt deren Fraktionsvorsitzender Richard Grünewald ein Klimagutachten an. Zum Zeitpunkt des Klimakonzeptes Innenentwicklung vor zwei Jahren sei das Mittelhahntal sowie weitere Gebiete nicht spezifisch untersucht worden. „Sich ergebende klimatischen Fragen harren also noch einer vertiefenden Analyse“, so Grünewald weiter.

Anstelle von „Glaubensbekenntnissen zu Gewerbegebieten“ müsse ein spezielles Klimagutachten zur Relevanz des Mittelhahntales für die nahe Innenstadt beauftragt werden. Natürlich beantworte ein solches Gutachten nicht alle Fragen zum Gewerbegebiet, noch nehme es dem Rat die Entscheidung ab. Daher könnten die einzelnen Ergebnisse noch immer unterschiedlich gewichtet werden. „Aber wer seriös bleiben möchte, wird dann nicht hinter die Klima-Fakten zurückkönnen“, setzt Grünewald seine Hoffnung in ein Klimagutachten.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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