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„Kiez trifft Mafia“ – Ein Wirtschaftskrimi

Neuer Roman von Julius Franzot in Guntersblum vorgestellt

BeitragsbildNachdem der Autor Julius Franzot seinen jüngsten Roman „Kiez trifft Mafia“ bereits zur Leipziger Buchmesse präsentierte, fand er jetzt in seiner Wahlheimat Guntersblum Hörer – neue Leser wohl auch.

Der promovierte Pharmazeut hätte seinen „Wirtschaftskrimi“ nie über Monate „erarbeiteten“ können, wären ihm Einblicke nur per Phantasie möglich. Aber Franzot wirkte sowohl in Frankfurt wie Catania in verantwortlichen Positionen. –Er sah im Wortsinn ein, wie „Mobbing“ sich als Firmenstrategie etabliert bei der Hoechst AG, um unrentable „Zweige“ eines Konzerns abzuhacken. Ein Thema, das er im Vorgängerroman „Nicht mit mir“ vielschichtig beleuchtete. – Und Franzot erfuhr ab 1998, wie Süditaliener Geschäfte abwickeln. So lernte er den „Mythos Mafia“ hautnah kennen und darf deshalb erzählen. Anders sogar als gewohnt.

Wer rasante Verfolgungsfahrten durch düstere Viertel Palermos erwartete oder gar auf skrupellose Killer mit vernarbten Gesicht hoffte, sah sich enttäuscht im Untergrund des Museums.

Franzots Prosa verzichtet auf das „Schwarz-Weiß“ früher Gangsterfilme. Er malt vielmehr subtil, Nuancen reich am Bild einer Organisation, die unsichtbar fast agiert – integriert ins Wirtschaftsleben weit über die Straße von Messina hinaus.

Das Techtelmechtel zwischen der „ehrenwerten Gemeinschaft“ Süditaliens mit der Frankfurter Rotlichtszene verrät der Klappentext – regt ein „misslungener Drogendeal“ an.

Doch der Autor verzichtet darauf, durchs Schlüsselloch „Professioneller“ zu blinzeln, um gespielt – gekaufte Lust weiter zu verkaufen. Kein Milieu – Drama lockt, das gefallene oder gekaufte Mädchen heiligt. – Ebensowenig nutzt er Leute aus, die an der Nadel hängen.

Franzots Stil verzichtet auf Sensationen. Schiff sprach von „fiktivem Realismus“: „Schauplätze, ob nahe des Ätnas oder des Rheins, bestechen durch sinnliche Authentizität, während Personal und Handlung zwar frei erfunden sind, jedoch durchaus ‚mögliche Szenarien beschreiben.“

Korruption, Geldwäsche, „Etikettenschwindel“ genügen als Stichworte … Und obwohl käufliche Liebe und Drogen gewissermaßen alles in Gang setzen, so schlachtet Franzot so heiße Themen nie „genüsslich“ aus. Sex von der Stange und dafür nötige Mädchenimporte sind wie auch „Dealer“ nur Mittel zu Zweck, die im Hintergrund bleiben.

Lieber beleuchtet und denunziert Franzot Mechanismen der Macht, als ohnmächtige Opfer vorzuführen. Er stellt eher käufliche Politiker, skrupellose Anwälte, aufstrebende Manager oder andere „Randfiguren“ bloß, um aufzuzeigen, dass „relativ kleine Gruppen“ ökonomische Macht kontrollieren. Andersdenkende, Abtrünnige, spucken solche „Kerngruppen“ gnadenlos aus.

Die ewig anonyme „Mafia“, einst vom „Schulterschuss“ zwischen verarmten Bauer und wohlhabenden Sizilianern motiviert, sieht Franzot heute als „Mutter aller Oligarchien“ aber auch als „Sozialversicherung. Franzots literarischer „Aufstand“ gegen solche Konzepte mag biographisch motiviert sein, aber er gestattet sich gehörige Spritzer Systemkritik, indem vulgärer Kapitalismus entlarvt wird.

Einfühlsam malt Franzot authentische „Kulissen“. Leser spüren die geübte Handschrift des Reiseschriftstellers; durchaus hilfreich, um „ambivalenten Gestalten“ und deren Machenschaften auszuhalten.

Mehr als nur eine „Lesung“ erlebte – und erduldete – das Publikum. „Kerngruppen“ anzuprangern, vermögen Buchstaben. Mehr nicht. – Mutig, um „Verhältnisse“ zu ändern, müssen alle bleiben.

 

 

 

 

 

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