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08.24 Uhr | 21. April 2021

Kommunion bis auf Weiteres ausgesetzt

RUMÄNISCH-ORTHODOXE GEMEINDE: Kontroverse Debatte um Gottesdienst in Corona-Zeiten / Gespräche, Kontrolle und Stellungnahme

Die Rumänisch-orthodoxe Gemeinde in Worms. Foto: Mirco Metzler/Die Knipser

VON STEFFEN HEUMANN | Auf den NK-Bericht am Samstag „Ein heiliger Löffel für alle Gläubigen“ reagierte die rumänisch-orthodoxe Gemeinde in Worms bis auf Weiteres mit dem Verzicht auf die Verabreichung der Kommunion. „Gottesdienste und Zusammenkünfte von Religions- oder Glaubensgemeinschaften, die den Charakter einer größeren Veranstaltung erreichen, sind untersagt“, lautet ein Passus aus den geltenden Regeln in Rheinland-Pfalz. Daran muss sich auch die rumänisch-orthodoxe Gemeinde messen lassen, um das Corona-Virus, durch gemeinsame Anstrengung einzudämmen. Der Glaube mag Berge versetzen, aber das ist in Pandemie-Zeiten keine Rechtfertigung, die es erlaubt, sich über das Gesetz und den Schutz der Gesundheit von Mitmenschen zu stellen.

Erwartet kontrovers wurde der NK-Bericht auch in den sozialen Medien wie Facebook und der NK-Homepage diskutiert. Die Auffassung, getreu der jahrhundertelangen Tradition folgend, dass für die Gemeinschaft der Gläubigen ein einziger geweihter Löffel ausreichend sei, statt aus gegebenem Anlass auf die Einwegvariante zurückzugreifen, bleibt suspekt. „In Griechenland war der silberne Löffel Grund für die Schließung der Kirchen im März 2021. Was tut die Wormser Behörde? Hier zuschauen und dem Rest der Bevölkerung weiterhin Kontakte verbieten?“, meint Ana.

„Wie kann man nur so unverantwortlich sein? Überall gibt es Auflagen damit das Virus sich nicht weiter verbreitet, auch wir Christen schränken unsere Gottesdienste ein“, kommentierte Marcus den NK-Beitrag. „Ich bin froh, dass es aber auch dort jemand gab, der diesen Zustand mal öffentlich gemacht hat“, heißt es weiter. „Es geht hier um Beschlüsse und Verordnungen, die die Politik im Kampf gegen das Virus angeordnet hat. An die soll sich jeder, egal welcher Nationalität, welchen Geschlechts oder welcher Religion halten“, meinte Silas.

Im Gespräch dem NK erläuterte Bürgermeister Kosubek, dass man mit der Gemeinde in intensiven Austausch stehe und deutlich gemacht habe, dass Kirchen sich nicht im rechtsfreien Raum befinden. In Absprache mit dem Gesundheitsamt würden mit der Gemeinde weitere Maßnahmen abgesprochen, damit sämtliche Vorgaben erfüllt würden. Im Hinblick auf die anstehenden Feiertage in der Gemeinde kündigte Kosubek an: „Wir kontrollieren das auch!“

Stellungnahme der 
Gemeinde in Auszügen

„Wir bedauern sehr, dass die Durchführung unseres Gottesdienstes zu vermeintlichen Bedenken bei den Bürgern der Stadt Worms geführt hat. Gerne beziehen wir zu den angemerkten Punkten Stellung, um eben diese Bedenken vollständig auszuräumen. Unsere Gemeinde unterliegt ebenso wie andere Gotteshäuser und Glaubensrichtungen den Auflagen (Corona) der Stadt Worms und praktiziert diese vorbehaltlos. Bezugnehmend auf die geschilderten Umstände bestätigen wir die Teilnahme am Gottesdienst von maximal 60 Personen, von denen Kindern unter dem Alter von 14 Jahren nicht dazu gerechnet werden, so wie es laut Gesetzt § 1, der 18. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland Pfalz vorgegeben ist. Die Räumlichkeiten erlauben uns bei Einhaltung des Mindestabstandes eine Teilnehmerzahl von 70 Personen, die daher sogar unterschritten wurde. Die vom Bundesland vorgegebenen Hygienevorschriften liegen in schriftlicher Form öffentlich am Eingang aus und werden von den Besuchern des Gottesdienstes gewissenhaft umgesetzt. Anschließend werden die Gläubigen von bereitstehenden Platzanweisern zu den gekennzeichneten Stehplätzen innerhalb des Gotteshauses geleitet.

Die Nachvollziehung der Teilnehmer ist anhand der handschriftlich geführten Registrierungsliste jederzeit gewährleistet und wird selbstverständlich auf Anfrage der entsprechenden Stellen diesen zur Verfügung gestellt. Die heilige Kommunion wird gemäß der alten Tradition der heiligen Väter aus einem Kelch mittels eines einzigen Löffels verabreicht. Bei der Verteilung des Leibes Christi wird der Inhalt des Löffels in den Mund des Gläubigen gegeben – jeglicher Körperkontakt wird dabei strengstens vermieden. Eine Pflicht für die Teilnahme an der heiligen Kommunion während des Gottesdienstes gibt es nicht. Der Abstand und die Maskenpflicht wurde während der Gottesdienst Zeremonie von den Gläubigen strikt und gewissenhaft eingehalten. Wir räumen ein, dass die Aufnahme aus einem ungünstigen Winkel erfolgte, sodass der visuelle Eindruck entstand, die erlaubte Anzahl von Gottesdienstbesuchern sei überschritten.

Um auch in Zukunft jegliche Missverständnisse auszuschließen, wird laut Beschluss unseres Kirchenrates bis auf Weiteres die Verabreichung der Kommunion ausgesetzt. Die zulässige Teilnehmerzahl der Gläubigen am Gottesdienst weiterhin streng und gewissenhaft eingehalten und dokumentiert. Zum allgemeinen Verständnis ist zu sagen, dass der Priester unserer Gemeinde als Vorsitzender authorisiert ist sein Wort innerhalb der Gemeinde durchzusetzten. Dies bedingt allerdings stets einer absoluten Entsprechung der kirchlichen als auch der gesetzlichen Ordnung. Eine alleinige Entscheidung des Priesters, vor allem in Bezug auf die Abläufe des Gottesdienstes innerhalb der Pandemie gibt es nicht. Alle Entscheidungen werden innerhalb des Kirchenrates besprochen und entschieden. Der rumänisch-orthodoxe Bischof hat im vergangenen Jahr eine Richtlinie zur Einhaltung der Hygienestandards während der Pandemie bindend für alle rumänisch-orthodoxe Pfarreien/Gemeinden in Deutschland erlassen.                 Der Gemeinderat

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

Ein Kommentar für "Kommunion bis auf Weiteres ausgesetzt"

  1. Willi Plappert sagt:

    Wer’s glaubt der glaubt bestimmt auch das ein Zitronenfalter Zitronen faltet.