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  • So., 10. November 2013, 08:06 Uhr
    Songwriter Todd Thibaud begeisterte im Guntersblumer Kleinkunstkeller

    Konzert der Sonderklasse

    Die unteren Stufen kühler Steintreppen boten als Notsitze später Ohrenzeugen für wenigstens akustischen Spaß im übervollen Kulturkeller Guntersblum. – Begeistert schon von ersten Takten des seitens der Kritik seit Jahrzehnten gefeierten Songwriters Todd Thibaud fieberten mitsummende Kenner ebenso mit wie zufällig, neu Angelockte. – Immerhin dreimal gastierte diese fabelhafte Stimme bereits, die Alltagsleid und Freude poetisch feiert, bereits vor Ort.

    So nahm es niemand übel, dass mit Sean Staples sein kongenialer Partner ausfiel, weil dessen Pass, abgelaufen, am Flughafen die Ausreise nach Deutschland unterband. – Welch eine Geschichte zum Start eines Konzerts, eben nicht erfunden für weitere Lieder. Pulsierendes Leben packt Katastrophen gern am Händchen. Und davon profitiert ein Meister der Gitarre, der zudem noch poetisch texten vermag. So geriet die Suche nach „Sean“ zum „Running Gag“ des hinreißenden Abends zur Nacht.

    Neue Titel boten Unerhörtes
    Langeweile, weil vielleicht nur allzu Vertrautes von der Bühne purzelte, kam selbst bei eingefleischten Fans nie auf. Das brandaktuelle Album „Waterfall“ bot genug Unerhörtes, um beim sympathischen Gig zu überraschen. Da erzählt „Not for me“ von Rhythmen der Nacht, die bewegen. – Doch bald wandelt er auf Straßen, die er niemals fand. Und im nach Zukunft fahndenden „What may come“ gesteht der Barde, mehr verloren zu haben, als er je besaß, bitter schmeckt seine Atemluft.

    Doch von Verzweiflung keine Spur bei diesem melancholischen Spötter, der für „evergreen“ Stars wie Chris De Burgh Songmaterial schrieb und dessen Erstlingswerk bereits 1998 erschien.

    Warm fühlte Todd jene Hand, die die dunkle Decke wegzog, unter der er sich lange verkroch. So sieht er sich als Wasserfall für sie, als ewig Fließendes, das ihren Körper umspült. Zärtlich,  doch flüchtig wirken solche Elemente einer Sprache der Liebe. Und  „Liebe“ entdeckt mannigfach mal gehauchte, bald nüchtern berichtet, auch leidvoll hinaus geschrien Lyrik. Oft ringt verträumte Melodie mit zweifelndem Text um Vorherrschaft im verrückten „House of Love“.

    Augenzwinkernd merkt der Interpret an, dass seine Frau, mit der er seit 25 Jahren treu verbandelt sei, angesichts der Flut „romantischer“ Gedichte anfrage: „hast Du mir nicht was zu beichten?“ – So habe er sich angewöhnt, von „guten und bösen Liedern“ auszugehen.

    Hörer reagieren ergriffen, fast ertappt. So einzigartig Thibauds Wortwahl, so all- verbunden vertraut fesseln Inhalte., die von kitschigen Phrasen und tausendmal vernommenen Herzschmerz absehen.

    Elektrisierende Gesangs- und Sprechstimme
    Hinzu kommt eine elektrisierende Gesangs- und Sprechstimme. „Wie erotisch“, schwärmt kein Groupie, sondern eine sonst selbstbewusst Alleinerziehende auf dem Klappstuhl nebenan. Wie wahr.

    Ansonsten thematisieren Kompositionen, die immer wieder zum Lauschen einladen: Fernweh auf Heimatsuche beispielsweise. Natur, die sich kulturell überbaut sieht, Politik, der kaum jemand noch traut.

    Was Todd Thibaud auch immer anstachelt, er bringt es authentisch rüber. Glaubhaft agiert da einer leibhaftig auf der Kleinkunstbühne, den wiederholt der WDR-Rockpalast in volle Hallen und unzählige Wohnzimmer per TV brachte. Er kann einfach formulieren und Noten setzen. Rein akustisch kommt seine Botschaft noch besser an. – Zwei „Vorhänge“, sechs Zugaben belegen das.

    Immer wieder verwundert es, dass ein schlichtes „Heimatmuseum“ in rheinhessischer Provinz im Wortsinn „artig“ auffrischt. – „Zehn Euro Eintritt“, bemerkt ein eigens aus Saarbrücken  angereister Fan, stolz die signierte LP umarmend: „Unglaublich.“ – Mit diesem persönlichen Statement sollten alle „Nachbarstädte“ den Hut ziehen vor feiner Programmgestaltung, vor Kulturarbeit im bald eingemeindeten Nest. – Klasse, vorbildlich.

     

     

     

     

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