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09.41 Uhr | 16. Mai 2013
Während einer viertägigen Fahrt tauchten 15 Schülerinnen und Schüler aus Worms und Umgebung ein in die türkische Kultur und das Leben der Metropole Istanbul

Kulturerfahrung „intensiv“ am Bosporus

Eisberg“Organisiert und begleitet wurde dieser Kulturaustausch vom Rotary Club Worms und seiner Jugendorganisation, den „Wormser Rotaractern“. Ziel der Reise war das sogenannte „Jugendforum“, das Istanbuler Rotarier und Rotaracter bereits zum 17ten Mal veranstalteten und das in diesem Jahr unter dem Motto „Lösungsansätze zur Konfliktbewältigung zwischen Kulturen“ stand.

Auf dem wunderschönen Campus der „Bosporus Universität Istanbul“ treffen sich zu dem Forum jährlich 150 bis 200 Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichsten Istanbuler Schulen, um über gesellschaftspolitische Themen zu diskutieren und neue Freundschaften untereinander zu schließen. In diesem Jahr waren nun zum ersten Mal ausländische Gäste zu diesem bunten Treffen eingeladen, und mit 15 Schülerinnen und Schülern, begleitet von neun Rotaractern und Rotariern, stellte die Wormser Gruppe den größten Teil der internationalen Teilnehmerschaar.

„Die bisher schönste Reise meines Lebens“, „Mein Bild von der Türkei hat sich komplett geändert“ und „Ab liebsten würde ich jetzt mit Rotary-Schüleraustausch für ein Jahr nach Istanbul gehen oder später dort studieren“, waren nur einige der begeisterten Kommentare von Teilnehmern zum Ende der Reise. Zu diesem positiven Bild hat sicherlich beigetragen, dass die Deutschen ausschließlich in Gastfamilien untergebracht waren und damit hautnah das Leben in einer türkischen Familie erfahren durften.

Auch touristische Highlights standen auf dem Programm
Auch vermittelte die Reise einen Überblick über die touristischen Highlights, angefangen von einem Besuch des Topkapi-Palastes, über einen Besuch der „Blauen Moschee“ bis hin zu einem Rundgang über den Istanbuler Basar. Das moderne Leben der 14 Millionen-Einwohner Metropole zeigte eine Bootsfahrt auf dem Bosporus mit zum Teil herrlichen Aussichten über die angrenzenden Stadtgebiete und historischen Bauten sowie ein Bummel über dem Taskim-Platz und seiner umliegenden Einkaufsstraßen.

Allerdings blieb die Gruppe auch nicht von den negativen Seiten einer solchen Großstadt verschont, zumindest was die Verkehrssituation mit ihren vielen Staus anbelangt. An einem Vormittag hatten die deutschen Schülerinnen und Schüler dann die Gelegenheit, eine türkische Schule kennenzulernen. Die „Rotary High School Istanbul“ öffnete den Gästen ihre Türen und – wie sich später herausstellen sollte – auch ihre Herzen. Die Schule wurde 2005 aus rotarischen Mitteln gebaut, seither aber vom Staat betrieben. Erst in deutsche und türkische Schüler getrennt, sollten die Arbeitsgruppen beschreiben, wie sie ihre eigene Kultur sowie die Kultur des anderen Landes in fünf Begriffen charakterisieren würden. So konstatierten die deutschen Jugendlichen etwa, dass wir Deutschen eher unpatriotisch sind, die türkischen Jugendlichen beschrieben sich selbst u.a. anderem als herzlich und improvisationsreich und hielten uns Deutsche z.B. für patriotisch und organisiert. In der anschließenden Vorstellung der Gruppenergebnisse wurden die Begriffe dann erläutert und vielleicht bereits einige Vorurteile ausgeräumt.

Zum Abschluss des Besuches zeigten die türkischen Schüler den Deutschen ihre Schule, es kam zu vielen individuellen Gesprächen und zu regelrechten Verbrüderungsszenen beim Abschied. Jetzt werden schon die Pläne zur Gründung eines rotarischen Schüler-Clubs in Worms geschmiedet, um möglichst bald eine Partnerschaft mit den Türken schließen zu können und dieses Erlebnis vielleicht schon im nächsten Jahr zu wiederholen. Höhepunkt der Reise war dann sicherlich das eigentliche Jugendforum am darauffolgenden Tag. Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für den Staatsgründer Atatürk und dem Abspielen der Nationalhymne, auch das sicherlich eine interessante interkulturelle Erfahrung für die Deutschen. Anschließend diskutieren die fast 200 Teilnehmer, aufgeteilt in Gruppen von 8-10 Personen, das Thema des Forums „Motto „Lösungsansätze zur Konfliktbewältigung zwischen Kulturen“.

Hochprofessionell von den türkischen Rotaractern und Rotariern organisiert, bot die Veranstaltung trotz der großen Teilnehmerzahl auch viel Raum für Individualität. So wurden die Schülerinnen und Schüler z.B. in den Pausen mit selbstgebackenen Teilchen und anderen Leckereien von den Rotariern versorgt und ein spontanes Klavierkonzert im Pausenraum unterstrich die gelöste Atmosphäre. Ganz informell setzten sich die Arbeitsgruppen auf die grüne Wiese, unter Palmen oder auch mal auf eine Feuertreppe. Es wurde eifrig diskutiert und die Ergebnisse dann anschließend im Plenum präsentiert. Besonders eindrucksvoll waren die gemeinsamen Präsentationen von Deutschen und Türken, die auch teilweise in der jeweils anderen Sprache etwas sagten und somit das Zusammenwachsen der beiden Kulturen gleich in die Tat umsetzen.

Dass „Kultur ein Eisberg ist“, von dem man oft nur einen kleinen Teil sieht und dessen Rest man sich oft mühsam erschließen muss, war nur eine von vielen Erkenntnissen, die von den Jugendlichen vorgetragen und erläutert wurden. Die Aspekte „Ausbildung“ und „Lernen von Sprachen“, um sich ein Verständnis von anderen Kulturen erarbeiten zu können, wurde als ein Lösungsansatz zum besseren Verständnis und zur Vermeidung von Konfliktlösungen hervorgehoben. Viele Adressen wurden am Ende des Forums getauscht und schon während des Forums setzte sich der Dialog via Facebook und Twitter fort. Begeistert von der überwältigenden Gastfreundschaft und dem Organisationstalent der Türken verabschiedete sich die Wormser Gruppe dann nach vier ereignisreichen und interessanten Tagen und war sich bereits bei der Abreise sicher: es wird eine Fortsetzung geben! Bildmaterial: In der „Rotary High School“ diskutierten die deutschen Schülerinnen und Schüler mit Gleichaltrigen über kulturelle Unterschiede und Eigenheiten diskutierten die deutschen Schülerinnen und Schüler mit Gleichaltrigen über kulturelle Unterschiede und Eigenheiten

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