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21.41 Uhr | 27. April 2021

Leistungsstark und rentabel, aber doppelte Höhe!

UMWELT- UND AGRARAUSSCHUSS: Repowering-Projekt präsentiert / Windpark Worms R nimmt Fahrt auf / Zwei hochmoderne Anlagen in Planung

Drei alte Windenergieanlagen sollen weichen und zwei neue und moderne Anlagen auf der Herrnsheimer Höhe Richtung Leiselheim und Autobahn entstehen. Die geplanten Enercon E160-Anlagen sollen 21,5 Millionen kWh/Jahr an Ertrag liefern.  Foto: J. Ketelaars/Pixabay

VON STEFFEN HEUMANN | Am Dienstag stellten die Firmen juwi AG und wiwi consult GmbH & Co.KG ihr Kooperationsprojekt im Windpark Worms vor. In diesem Repowering-Projekt ist der Abbau von 3 alten Windenergieanlagen und ein anschließender Neubau von zwei neuen Windenergieanlagen zwischen Herrnsheim und Leiselheim in Blickrichtung Mörstadt vorgesehen. Die Neuplanung wird im Rahmen eines immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens durchgeführt. Vereinbart ist die Zahlung von ca. 20.000 Euro pro Jahr und Windenergieanlage an die Stadt Worms. Ab dem zweiten Quartal 2023 sollen die Giganten ans Netz gehen.

Von Anfang an mit offenen Karten spielen

Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek erklärte, dass ohne Windenergie die Ergiewende kaum zu schaffen sei. Natürlich widme man sich auch intensiv dem Thema Wasserstoff, aber im Bereich der Windkraft könne man mit dem Vorhaben einen Schritt weiter kommen. „Und wir wollen von Anfang an mit offenen Karten spielen“, betonte Kosubek. Im Windpark Worms R würden drei alte Anlagen komplett zurückgebaut und durch zwei neue moderne Anlagen ersetzt, wie Christiane Beer, Projektmanagerin von juwi erläuterte. Das Repowering sei auch deshalb notwendig, weil die alten Anlagen lediglich auf eine Standsicherheit von rund 20 Jahren ausgelegt seien und nur für diesen Zeittraum eine Gewährleistung des Herstellers bestehe. Die Baugenehmigung und Vergütung seien ebenfalls befristet, so dass sich der weitere Betrieb nicht mehr lohne.

Gesamthöhe von 246,6 Meter

Nur leistungsstarke neue Anlagen seien daher wirtschaftlich, betonte die Fachfrau und verwies auf weitere Details. So betrage die jeweilige Nabenhöhe der beiden neuen Anlagen 166,6 Meter. Die Gesamthöhe belaufe sich auf 246,6 Meter, um maximalen Wind mitnehmen zu können. Diese Form der effizienteren Nutzung des Windpotentials punkte aber auch beim Thema Artenschutz und lasse sich darüber hinaus besser ins Netz integrieren. Zum Vergleich: Die alten Anlagen weisen eine Nabenhöhe von 85 und eine Gesamthöhe von 123 Metern auf!

Rückbau bis zur Ackerfläche

Christiane Beer führte weiter aus, dass der Rückbau der drei Anlagen komplett bis zur Wiederherstellung der Ackerfläche erfolge. Aufgrund angefertigter Gutachten wären auf der benötigen Fläche keine geschützten Biotope betroffen. „Der Feldhamster habe mittleres Potential“, so Beer. Heißt, der Hamster lebt zwar in der Gegend, ob die Population ähnlich dem Gewerbegebiet Am hohen Stein das Zeug hätte, um das Windenergie-Projekt zu verhindern, ist spekulativ. Zudem sollen keine weiteren sensiblen Brut- und Gastvogelarten am geplanten Standort heimisch sein. Außer der Feldlerche und dem Feldhamster, für die aber Ausgleichsflächen in Form von Blühstreifen geschaffen würden. Fledermäuse sollen durch eine nächtliche Betriebszeiteneinschränkung ebenfalls kaum in ihrem Lebensraum gestört werden. Da die Anlage nachts gedrosselt laufe, sei eine Überschreitung des Schallpegels nicht zu erwarten. „In der Summe sind die zwei neuen Anklagen leiser, als die drei alten“, fasste die Projektleiterin zusammen. Durch eine bedarfsgerechte Befeuerung für Flugobjekte mittels Transponder, würden sich die Warnlichter nachts automatisch einschalten, eine durchgängiges „Geblinke“ entfalle somit.

2.000 Meter Kabeltrasse bis zum Netzanschlusspunkt

Bärbel Steen, wiwi Consulting Mainz, nahm Bezug auf die erforderlichen Maßnahmen im Bereich Infrastruktur und Zuwegung. Vieles könne über bereits bestehende Wege geregelt werden. Großkomponenten für den Bau der Anlagen sollen über die Tank- und Rastanlage angefahren werden. Benötigte temporäre Lagerflächen mit Schotter würden später ebenfalls zurückbebaut, wie Steen mitteilte. In Richtung Klinikum müssten rund 2.000 Meter Kabeltrasse bis zum Netzanschlusspunkt verlegt werden. An ein oder zwei Stellen seien Spülbohrungen vorgesehen, um bestehende Gehölze zu erhalten. Mit der Unteren Naturschutzbehörde stehe man in Kontakt. Diese würden den ganzen Prozess begleiten. Weitere Abstimmungen wolle man demnächst bei einem Vorort-Termin treffen, ergänzte Bärbel Steen. Für Kabel und Trassen wolle man städtische Flächen nutzen, Wegeflurstücke seien nur am Rande tangiert.

Wenn die Rechnung aufgeht, beläuft sich der Anteil der Kommune je erzeugter Kilowattstunde Strom auf 0,2 Cent. Die Ausschüttung pro Anlage beträgt somit jährlich 20.000 Euro. Ein weiterer Anteil entfällt auch auf die Gemeinde Mörstadt. Sofern Anfang Mai das Genehmigungsverfahren angestoßen ist, sollen die Unterlagen zum Projekt einen Monat lang öffentlich ausgelegt werden. „Wir wollen alle Akteure frühzeitig informieren und auch die Ängste nehmen“, betonte Christiane Beer. Die Windmessung laufe bereits ganzjährig, mit der Vermarktung wolle man ab dem 2. Quartal 2022 beginnen, schätzt Beer. Ob Dienstleister wie EWR zu den Investoren in die Windenergie zählen, ist offen.

1.100 Meter Abstand zur Wohnbebauung

„Kommen wir zu den Fragen aller Fragen“, verwies Bürgermeister Kosubek auf den Abstand der Anlagen zur Wohnbebauung. Der betrage laut juwi mindestens 1.100 Meter im südlichen Bereich Richtung Klinikum, Herrnsheim und Leiselheim. Allerdings falle dieser mit Blick auf Aussiedlerhöfe geringer aus. Der Focus richte sich in der Gesamtbetrachtung lediglich auf Siedlungen, nicht auf einzelne Höfe. Die reine Bauzeit der beiden Anlagen belaufe sich auf etwa 6 Monate, informierte wiwi-Bauingenieur Torsten Höllwarth. Der Einfluss auf den Wildwechsel halte sich dadurch in Grenzen. Schäden an landwirtschaftlicher Fläche würden im Anschuss instand gesetzt. Die neuen Fundamente seien oberirdisch mit Überschütttung geplant und nach Ende der Laufzeit damit leichter wieder zu entfernen. Betonbruch werde vor Ort recycelt und als Baumaterial eingesetzt, der Stahl ebenfalls vermarktet. Falls die Altanlagen nicht von anderen Firmen übernommen werden, erfolge eine Komplettentsorgung, so Höllwarth.

Diplom-Ingenieur Wolfgang Reich, Abteilung 3.05 – Umweltschutz und Landwirtschaft, unterstrich aus städtischer Sicht, dass die Vorgehensweise von juwi AG und wiwi consult bislang korrekt verlaufen sei und ansonsten auch mit Blick auf den Naturschutz keine Bedenken bestünden. „Dunkler, leiser und leistungsstärker, aber fast doppelt so groß“, merkte Patricia Sonek, SPD, an. Sonek erinnerte sich daran, dass einige Herrnsheimer Bürger sich bereits erheblich an der Höhe der alten Anlagen gestört hätten. Christian Engelke, Bündnis 90/Die Grünen, befand, dass der Schritt, inklusive der technischen Weiterentwicklung, positiv sei, um die Energiewende als Ziel zu erreichen. Hans-Josef Diehl, Vorsitzender der Jagdgesellschaft, sprach von einem erheblichen Einfluss durch die Störung im Revier auch für Hasen, Rehe, Fasane und Feldhühner. Juwi-Projektleiter Jan Kronenwerth fügte mit Blick auf die neuen und effizienten Anlagen an, dass sich die Amortisation verkürze und rund 30 Prozent des in der Region vorhandenen Windpotentials ausgeschöpft werden kann. „Wir werden die Interessen der Stadt nachhaltig vertreten“, unterstrich Hans-Joachim Kosubek. Die Akzeptanz für das Vorhaben sei weitaus höher, als noch vor 10 Jahren, so der Bürgermeister, „und an den Anblick haben sich viele Wormser gewöhnt“.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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