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12.43 Uhr | 11. Juni 2019

„Mittelstand meets Startup“

KMU meets KMH zeigt neue Wege / IHK und Hochschule helfen bei Matching-Prozess und beraten

Die beteiligten Profis des von IHK organisierten „Mittelstand meets Startup“.

Die beteiligten Profis des von IHK organisierten „Mittelstand meets Startup“.

Zusammenkommen, sich austauschen, voneinander profitieren und daraus einen Mehrwert ziehen – darum geht es in der Wormser Veranstaltungsreihe „KMU meets KMH“, bei der kleine und mittelständische Unternehmen auf eine kleine mittelständische Hochschule treffen. Diesmal ging es ganz besonders ums richtige Zusammenkommen und voneinander Profitieren: „Mittelstand meets Startup“, lautete der Veranstaltungstitel und die Kernfrage: „Wie kann Innovation durch Beteiligung gelingen?“. Professoren und Fachleute gaben Antworten. Die zahlreichen Gäste im Hörsaal stellten Fragen. Und wie immer bei diesem Treffen von Wirtschaft und Wissenschaft, das von der IHK für Rheinhessen und der Hochschule Worms seit fast zehn Jahren organisiert wird, hatten die Besucher Gelegenheit, sich auch direkt mit den Profis zu vernetzen.

Innovation und Kapital vereinen
„Startups haben Innovations-Potenzial, ihnen fehlt es aber an Kapital“, sagte IHK Geschäftsführerin Andrea Wensch. Etablierte Unternehmen hingegen verfügten über Kapital und suchten Innovationen. „Das Konzept des Corporate Venture Capital bringt beide Seiten zusammen“. Venture Capital Investoren beteiligen sich an Unternehmen, werden Gesellschafter und schaffen so notwendiges Kapital für das Startup. Wensch sprach von einem „regelrechten Boom“. Weil es unterschiedliche Risiken gebe, sehe es die IHK als eine wichtige Aufgabe an, Unternehmen dabei zu helfen, den richtigen Weg zu finden.

Ungenutzte Chancen
Der Vizepräsident der Hochschule, Professor Henning Kehr, der die Veranstaltung moderierte, sah etwa den Existenzgründertag der Hochschule als gute Gelegenheit an, bei der Unternehmen mit Startups in Kontakt kommen können. Die Zusammenarbeit von kleinen und mittleren Unternehmen mit Start-ups sei noch deutlich ausbaufähig. Der Mittelstand lasse noch viele Chancen ungenutzt. Genaue Zahlen nannte Michael Graef, Professor für Entrepreneurship an der Hochschule Worms, aus Studien: Über 95 Prozent der KMU, die bereits einmal mit Startups zusammengearbeitet haben, würden dies auch künftig tun. Bei 60 Prozent der Beteiligungen werden demnach fast alle Ziele komplett erreicht. Graef: „KMU und Start-ups können ungemein profitieren“. Der Professor nannte aber auch das große Risiko beim Namen: Totalverlust. Denn im Unterschied zum gewöhnlichen Kredit wird die investierte Venture Capital Summe in der Regel nicht verzinst und muss auch nicht zurückgezahlt werden.

Fehlen einer standardisierte Vorgehensweise
Wie die rechtliche und betriebswirtschaftliche Einordnung genau aussieht, welche steuerlichen Auswirkungen Corporate Venture Capital hat und welche vertraglichen Ausgestaltungen es gibt, darüber informierten Jens Kollmar, Professor für Steuerwesen und der Fachanwalt für Steuerrecht, Jan Erik Jonescheit. Deutlich wurde, dass in vielen Fällen noch eine standardisierte Vorgehensweise fehlt. „Die Suche dauert in der Regel sechs bis zwölf Monate“, zitierte Graef aus einer Studie. Und viele Kontakte entstünden eher zufällig. Trotz allem: „Die Zufriedenheit ist hoch“. Wensch ließ durchblicken, dass die IHK ihre bestehenden Angebote bei Bedarf erweitere, beispielsweise für einen strukturierten Matching-Prozess.

Herausforderungen für Startups und KMU-Corporates
Als generellen Tipp gab Professor Kollmar den Zuhörern mit auf den Weg: „Es ist nicht ratsam einen Fall allein wegen der Steuer zu gestalten“, wichtiger sei es, dass zuerst wirklich Geld verdient werde. Aus der Praxis berichteten VRM-Geschäftsführer Oliver Walz (Geschäftsführer der VRM GmbH & Co. KG) als Corporate Investor und Merkurist Geschäftsführer Jonathan Schulz als Startup über ihre Beteiligung und Synergien: Der Business-Pionier Merkurist – ein regionaler Online-Nachrichtendienst, der mit eigener webbasierter Technik seine lokale Berichterstattung mit Apps und Algorithmen neu gestaltet – will von jahrelanger Expertise bei VRM profitieren; VRM wiederum will sich mit frischem Startup-Wind ein Stück weit neu erfinden: Trends erkennen, sich neue Technologien zu eigen machen und „insgesamt mehr Geschwindigkeit bekommen“, so Walz. Beide Geschäftsführer verdeutlichten, dass bei der Entwicklung von Innovationen Startups und  KMU-Corporates vor der gleichen Herausforderung stehen. Denn beide müssen neue Produkte, Dienstleistungen, Prozesse oder Geschäftsmodelle entwickeln.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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