So., 10. November 2013, 08:00 Uhr
Dankeschön-Frühstück der LandFrauen im Kreis Worms
Nicht “gegen” Männer aber “für” Frauen
Das traditionelle “Dankeschön” für die LandFrauen-Ortsvorsitzenden oder Vorstandsmitglieder hat seinen festen Platz im Jahresablauf. Jedes Jahr denken sich die Kreisvorstandsmitglieder etwas aus, wie sie für eine Überraschung sorgen können. Diesmal begrüßte Kreisvorsitzende Hannelore Reinheimer die Frauen zu einer Frühstücksveranstaltung im anheimelnden Ambiente im Hotel Sandwiese und sprach gleichzeitig Dank aus für die vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden in den Ortsvereinen und über die Ortsgrenzen hinaus. Auch die ehemaligen Kreisvorsitzenden Ilse Groebe und Beate Glaser folgten gerne der Einladung , die auch dem Erfahrungsaustausch und der Kontaktpflege dient. Besondere Ehrung wurde den ehemaligen Ortsvorsitzenden von Eich, Marlies Uhrig, Mettenheim, Gisela Fischer und Westhofen, Renate Strubel zuteil. 20 Jahre und mehr leiteten sie die Geschicke ihrer Ortsvereine und haben nun die Verantwortung erfolgreich an die nächste Generation übergeben. Natürlich bleiben sie ihren Vereinen treu, können jetzt aber unbeschwert am Vereinsgeschehen teilnehmen und genießen es.
Ganz besonders freute sich die Vorsitzende, dass die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreis Alzey-Worms, Katharina Nuß nach den kulinarischen Leckerbissen zu einem Vortrag bereit war. Über 26 Jahre ist sie schon im Amt, hat Höhen und Tiefen erlebt, bleibt immer am Ball und lässt nicht nach in ihren Bemühungen das Rollenverständnis von Frauen und Männern in die richtigen Bahnen zu lenken. “Ich habe nichts “gegen” Männer, aber ich habe etwas für “Frauen”! Das ist durchaus legitim, zumal die Frauen über 50% der Bevölkerung stellen. In Politik, Wirtschaft , Kirche und anderen Institutionen ist davon wenig zu erkennen.
Ernst und Humor liegen bei Katharina Nuß dicht beieinander, das wissen nicht nur die LandFrauen. Die Zuhörerinnen waren aber doch leicht irritiert als sie ihren Vortrag begann: “Historischen Wurzeln geschuldete spezifische Rollenerziehung und ihre Auswirkung auf die Frauen des 21. Jahrhunderts”, das klang des Frauen doch ein wenig suspekt und die Vorsitzende unterbrach den hochgestochenen Redefluss der Referentin: “Frau Nuß, so war das nicht abgesprochen!” Die so angesprochene legte sogleich ihr Konzept aus der Hand und begann noch einmal von vorn. In der ihr eigenen lockeren Art oft mit einem Augenzwinkern verbunden , brachte sie nun die doch meist ernsten Themen fast kabarettistisch an die “Frau”. Sie reicht nicht lange zurück, die Geschichte der Frauenrechte. Um 1900 gab es weder Wahl- noch Versammlungsrecht, den Ehemann suchten meistens die Eltern aus. Der Vater übergibt die Tochter vor dem Altar von seiner in die Hand des Ehemanns, heute wirkt diese Geste romantisch, hat aber einen ernsten Hintergrund. Berufstätigkeit oder -Wahl, lag selten in den Händen der Frau. Der Ehemann hatte immer bis in die 1970er Jahre ein Veto-Recht.
Gleichberechtigung kommt langsam voran
Frauen durften weder alleine größere Anschaffungen tätigen noch Wohnungen mieten. In der Politik tut sich seit den 1980er Jahren langsam etwas, von einem 50% Anteil kann aber noch lange geträumt werden. Hinter den starken und erfolgreichen Männern stehen noch immer die Frauen im Hintergrund zur Unterstützung bereit, umgekehrt ist das eher selten anzutreffen und dann oft auch noch belächelt. Das Rollenverständnis gibt es immer noch nicht her, das “Mann” selbstbewusst als “Erzieher oder Hausmann” auftreten kann. Bei Einstellungsgesprächen ist es für Männer keine Hürde, wenn Kinderwunsch angesagt ist und auch bei der Pflege sind es immer noch die Frauen, die diesen Part übernehmen: “Männer pflegen ihr Auto - Frauen die Schwiegermutter!”, so Katharina Nuß, dabei soll sie noch schön aussehen, nicht älter werden, gepflegt und bescheiden sein. Schon kleinste Mädchen sind mit ihrem Aussehen oder ihrer Figur unzufrieden oder haben sonst etwas an sich auszusetzen, das setzt sich in allen Altersstufen fort.
Doch Frauen sollen auch zu den Spuren des Alters stehen, jede Falte erzählt eine Geschichte und auch Risse oder Steine auf dem Weg können Personen prägen oder weiter entwickeln. Nachteile bei der Rente bzw. Altersarmut ist meist bei Frauen anzutreffen, hier gibt es noch große Felder zur Bearbeitung für die Gleichstellungsbeauftragten und auch für die LandFrauen.
Kleine Beispiele der unterschiedlichen Kommunikation von Frauen und Männern rundeten den Vortrag ab und brachten die Frauen noch mal zum Schmunzeln. Mit Nichtgesagten Sätzen können Männer eben wesentlich weniger anfangen als Frauen, die einen 7. Sinn für das Ungesagte haben und über das unterschiedliche Verhalten ständig nachgrübeln und Fehler immer erst mal bei sich selbst suchen.