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22.51 Uhr | 15. Februar 2021

Mietpreis bringt „Maulwurf“ auf die Palme

KAUFHOF-AREAL UND SOZIALES RATHAUS: Anonymer „Mitarbeiter der Verwaltung" gibt vertrauliche Info an die Presse / OB Kessel weist Vorwürfe zurück

Galeria Kaufhof lädt Foto: Florian Helfert

Der Ton um die Kaufhof-Zukunft und die geplante Anmietung des Nebengebäudes durch die Stadt wird schärfer.  Archivfoto: Florian Helfert

VON STEFFEN HEUMANN | Im nicht-öffentlichen Teil des Stadtrates wollte die Verwaltung am vergangenen Mittwoch über Details der geplanten Anmietung des Kaufhofnebengebäudes informieren. Aufgrund offener Fragen wurde eine Entscheidung vertagt. Bis zur Zustimmung sollen weitere Fakten auf den Tisch kommen, damit das Vorhaben, dort für rund 100 städtische Mitarbeiter im neuen „Sozialen Rathaus“ einen modernen Arbeitsplatz zu schaffen, endlich realisiert werden kann. Kritische Töne am Vorgehen wurden am Montagabend in einer Rundmail an Vertreter der Presse laut. Im Anhang brach ein „Mitarbeiter der Verwaltung“ sein Schweigen und fügte der Anlage auch gleich die vertrauliche Kaufhof-Beschlussvorlage aus dem Stadtrat als PDF-Datei.

„Verhalten ein absolutes Unding“

Motivation für den vermeintlichen Absender, der vorgibt, Mitarbeiter der Wormser Verwaltung zu sein, ist, dass er nicht länger schweigen und mitansehen könne, „wie die Stadt zu Grunde gerichtet wird“. Intern habe man nie eine genaue Bedarfsanalyse für Räumlichkeiten abgeschlossen, über andere Optionen oder Szenarien sei zudem nicht einmal gesprochen worden. Gleiches gelte auch für die Planungen auf dem Salamandergelände. Ein weiterer Vorwurf in Richtung Stadtspitze: Die Anmietung des Kaufhof-Nebengebäudes zu dem in der Beschlussvorlage genannten Mietzins. Dieser sei rein auf ein Versprechen des Oberbürgermeisters zurückzuführen. Über bessere Konditionen sei mit dem Immobilieneigentümer überhaupt nicht verhandelt worden, behauptet der unbekannte Absender. „Für mich und viele meiner Kollegen, ist dieses Verhalten ein absolutes Unding, da wir somit aktiv gegen das Wohl der Stadt Worms agieren“, schließt der „Mitarbeiter der Verwaltung“.

„Vorwürfe nicht nachvollziehbar“

Oberbürgermeister Adolf Kessel konnte auf NK-Anfrage nicht nachvollziehen, dass ein „Mitarbeiter seiner Verwaltung“ solche Vorwürfe in die Öffentlichkeit tragen will. „Das wäre schade“, bedauerte OB Kessel, sofern der Absender tatsächlich aus den Reihen der Verwaltung stammt. Denn, wie Adolf Kessel betont, sei es ihm seit seinem Amtsantritt ein wichtiges Anliegen, die Kommunikation und die Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung zu verbessern. Klausurtagungen hätten jedoch bislang nicht den gewünschten Erfolg erbracht, musste Kessel eingestehen, dass noch viel Sand im Getriebe herrscht. Allerdings wolle man sich Zeit lassen, um auch mit externer Unterstützung ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen.

Neuer Sachstand nach einvernehmlichen Gesprächen

Inhaltlich machte OB Kessel klar, dass bei den genannten Kosten keineswegs Mondpreise, sondern marktübliche Konditionen aufgerufen wurden. Vom einem Alleingang distanzierte sich Kessel deutlich. In der ersten Beschlussvorlage ist ein jährlicher Mietpreis in Höhe von rund 567.000 Euro genannt. Über die Gesamt-Vertragslaufzeit von 15 Jahren betrachtet, ergeben sich daraus laut Vorlage rund 6,5 Millionen Euro. Allerdings betonte Adolf Kessel mit dem Verweis auf aktuelle Verhandlungen, dass man sich in sehr einvernehmlichen Gesprächen mit dem Eigentümer der Immobilie aus Starnberg jetzt auf ein Mietverhältnis von 10 Jahren plus eine zweimalige Option auf jeweils 5 Jahre geeinigt hätte. In der Summe ergebe sich daraus aus ein niedrigerer Mietpreis. „Da war die erste Beschlussvorlage nicht konkret genug“, berichtet Kessel. Ungeachtet der Vorwürfe erläuterte Oberbürgermeister Adolf Kessel, dass der aktuelle Handlungsbedarf, den städtischen Mitarbeitern zeitgemäße Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, hoch sei. Nicht zuletzt im Bereich 5 seien die Räumlichkeiten in der Hagenstraße arg sanierungsbedürftig. „Die Pläne für das Kaufhofnebengebäude liegen vor“, ergänzt Kessel. Die Immobilie sei hervorragend für den Bereich „Soziales“ und eine Kapazität von rund 100 Mitarbeitern geeignet.

Wie das Büro der Zukunft gestaltet werden soll, nimmt OB Kessel mit Vertretern der Verwaltung demnächst bei einem Vor-Ort-Termin in Ludwigshafen in Augenschein. Dort wurde das ehemalige Kaufhof-Gebäude zur neuen Heimat von mehreren hundert Beschäftigten aus dem kaufmännischen Bereich der Technischen Werke Ludwigshafen. „Hier müssen wir als Stadt neue Wege gehen“, betont Kessel. Für Ende des Monats ist zudem ein Pressegespräch geplant, in dem Vertragspartner „Ehret+Klein“ zusammen mit der Verwaltung über die Neuentwicklung des Kaufhof-Areals im Zentrum von Worms informieren wollen.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

2 Kommentare für "Mietpreis bringt „Maulwurf“ auf die Palme"

  1. HPG sagt:

    Das Thema Digitalisierung ist offensichtlich noch nicht in Worms angekommen. Ein vermeintlicher Mietvertrag über 10, ja sogar mit Option auf weitere 5 bis 10 Jahre beweist die unweigerliche Unfähigkeit der Weitsicht unserer Wormser Amtsträger und deren gewählter Vertreter.
    Die digitale Revolution der letzten 10 Jahre und die Projektion auf die nächsten 5 Jahre macht eigentlich eine solche Investition in die Kaufhof Immobilie unnötig. Länger als 5 Jahre in unserem digitalen Zeitalter zu denken ist schon grob fahrlässig. Da freut sich nur Einer – der Vermieter. Gesicherte Einnahmen auf Staatskosten. Bei diesen Summen, die da im Raum stehen, könnte die Stadt die Immobilie auch kaufen. Dann hätte man in 15 Jahren wenigstens den Substanzwert für Grund und Boden und dem darauf stehenden Objekt. Zinsen zahlt man derzeit ja eh so gut wie keine. Oder aber eine sinnvolle Investition in digitale Medien, die es obsolet machen den Verwaltungstrackt immer weiter auf zu blasen.
    Es wäre schön, wenn die handelnden Personen für das was hier beschlossen wird, wie in der freien Wirtschaft auch, mit Haus und Hof haftbar gemacht werden könnten.
    Dann würden sehr viele Entscheidungen mit Sicherheit gänzlich anders ausfallen….

  2. MN sagt:

    Für 20 Jahre Miete ergibt sich ein Preis von 11,3 Millionen. Plus notwendige Investitionen und Instandhaltungen.
    Ob sich das rechnet? Ist das Gebäude so viel wert? Ist ja auch schon älter…