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18.21 Uhr | 18. Februar 2021

Pilotprojekt wird weiter fortgeführt

MOBILITÄTSAUSSCHUSS: Ergebnis der Verkehrserhebung „Fahrradstraße in der Speyerer Straße“ vorgestellt / Weitere Daten, bessere Erkenntnisse, dann konkretere Planungen

Eine Videoerhebung durch die Habermehl & Follmann Ingenieurgesellschaft mbH der Speyerer Straße in Worms im Zuge der Straßenumgestaltung in eine Fahrradstraße und deren Analyse, dienten als Grundlage für die Entscheidung, das Pilotprojekt fortzuführen

Eine Videoerhebung durch die Habermehl & Follmann Ingenieurgesellschaft mbH der Speyerer Straße in Worms im Zuge der Straßenumgestaltung in eine Fahrradstraße und deren Analyse, dienten als Grundlage für die Entscheidung, das Pilotprojekt fortzuführen Foto: Robert Lehr

VON STEFFEN HEUMANN | Der Mobilitätsausschuss nahm am Donnerstag das Ergebnis der Verkehrserhebung zum Pilotprojekt „Fahrradstraße in der Speyerer Straße“ zur Kenntnis. Der seitens der Verwaltung konstatierten erhöhten Akzeptanz von Anwohnern und Verkehrsteilnehmern steht gegenüber, dass die Umsetzung einer durchgängigen Radverbindung aus Richtung Eisbachtal bis zum Marktplatz nur dann Sinn ergibt, wenn durch weitere planerische Maßnahmen die Rahmenbedingungen angepasst und optimiert werden. Der Pilotversuch soll daher bis zum Ausbau der Speyerer Straße weitergeführt werden, zumal keine Nachteile für die Verkehrsteilnehmer bestehen und sich aus den weiteren Erkenntnissen gegebenenfalls Lösungsansätze für konkrete Planungen ableiten lassen.

Gabriele Adams, Teamleiterin im Bereich Verkehrsinfrastruktur und Mobilität, stützte das Ergebnis der Verkehrserhebung auf eine Verkehrszählung im Mai 2019 mittels Videoerhebungen an zwei Stellen und die Erhebung im September 2020, um einen Vergleich zur Situation vor und nach der Einrichtung der Fahrradstraße zu erhalten. Neben dem werktäglichen Tagesverkehr wurde ebenfalls der Radverkehr im Zählzeitraum von 6 bis 19 Uhr verglichen. 2019 wurden bei der Querschnittsbelastung 4.260 Fahrzeuge, darunter 213 Radfahrer gezählt. 2020 waren es 3.320 Fahrzeuge, davon 408 Fahrräder, die sich meist in Richtung Innenstadt bewegt hätten, so Adams.

Keine besonderen Auffälligkeiten in der Konfliktanalyse

Vom haltenden Müllfahrzeug bis zum Ausweichen eines Fahrrades auf den Gehweg sei eine überschaubare Zahl an Auffälligkeiten registriert worden. „Eher harmlos, nie eine gefährliche Situation“, erläuterte Gabriele Adams. An Fakten haben sich der KfZ-Verkehr um 22 Prozent im Vergleichzeitraum verringert, aber der Fahrradverkehr um 91 Prozent erhöht. Der Schwerverkehr basierte hauptsächlich auf dem Linienbusverkehr, auch würde die Zahl der registrierten Konfliktpunkte mit 16 einer eher niedrigen Rate entsprechen. Folglich der Vorschlag aus dem Bereich 6: Das Pilotprojekt soll weiter laufen. Parallel hierzu soll die Schaltung der Lichtsignalanlage angepasst sowie eine weitere Beschilderung angebracht werden und auf die Fahrradstraße hinweisen. Eine erneute Zählung und Überprüfung soll im September diesen Jahres erfolgen. Auch deshalb, weil die Klosterstraße zum Zeitpunkt der vorangegangenen Erfassung gesperrt war und Teile des Verkehrs auf den Bereich der Speyerer Straße ausgewichen seien.

Ziel bleibt durchgängige Verbindung

„Ziel bleibt die sichere Eisbachtal-Verbindung über die Speyerer Straße bis zum Marktplatz. Ob als Radstraße oder in Form einer anderen Lösung, bleibt abzuwarten“, betonte Baudezernent Uwe Franz. Laut Toni Ras, AfD, sei die zweimalige Zählung – trotz des standardisierten Verfahrens – nicht aussagefähig genug. Alfred Koch, FDP, bemängelte, dass die positive Wahrnehmung von Anwohnern nur mündlich erfolgt und daher nicht belastbar sei. Klaus Harthausen, CDU, zeigte sich erstaunt über die hohe Zahl an Verkehrsteilnehmern, obwohl die Straße doch nur von Anwohnern genutzt werden soll. „Wohin mit dem Bus“, fragte Harthausen in die Runde, „allerdings wir wollen ja den ÖPNV stärken und durch eine andere Linienführung nicht die Fahrzeiten verlängern“. Eine Trasse aus dem Eisbachtal sei ein Muss, formulierte Timo Horst, SPD. Erforderlich sei daher ein durchgängiges Netz und keine isolierte Betrachtung. Horst hofft daher seitens der Bauverwaltung auf zeitnahe Alternativen und Lösungsvorschläge.

Richard Grünewald, Die Grünen, verwies auf das Ziel einen 25-Prozent-Radanteil im Gesamtverkehrsaufkommen zu realisieren. Den Konflikt mit dem Busverkehr gelte es daher ebenso zu lösen, wie einen attraktiven Radverkehr aus dem Eisbachtal zu ermöglichen. „Wie kommt man von der Unterführung in die Stadt? Schutz- und Radstreifen kollidieren mit Bus. Es gibt keine ausreichende Fahrbahnbreite“, fügte Grünewald an. Sein Credo: Weitermachen, mehr Daten sammeln und Varianten überlegen, gegeneinander abwägen und das Ergebnis entspannt diskutieren.

Keine Tricks aus der Zauberkiste

Marco Schreiber, CDU: „Ein Stück Fahrradstraße davor und dahinter, das passt nicht. Wir müssen eine vernünftige Verlängerung finden und Alternativen bis zur Einbahnstraßenregelung prüfen. Die aktuelle Situation macht nicht glücklich.“ Alexandra Zäuner, SPD, hob hervor, dass es keine Tricks aus der Zauberkiste gibt. Mit Bezug auf eine sicherere Variante für Radfahrer und einem Bereich, in dem Kinder und Schüler unterwegs seien, müsse man auch Kompromisse eingehen. Christian Engelke, Die Grünen, lobte, dass die Gremien und Verwaltung engagiert die künftige Gestaltung angehen und etwas bewegen wollen. Ob ein Stern- oder Ringverkehr, durch den man auch den WEP besser anbinden könne, besser sei, bleibe offen.

Weitere Maßnahmen adhoc nicht umsetzbar

Abteilungsleiterin Annett Böttner hob hervor, dass es zweifellos dringlich sei, den Radfahrern etwas Gutes zu tun. Weitere Planungen seien aber adhoc nicht umsetzbar, sondern nur im Rahmen des Mobilitätskonzeptes. Dieter Hermann, Abteilungsleiter der Straßenverkehrsbehörde, ergänzte, dass man mit der Bauverwaltung konform gehe. Eine Einbahnstraße sei aber zunächst keine Option. Weitere Lückenschluss-Planungen bis zum Neumarkt könnten allerdings vorgenommen werden. Hermann rechnet aber vor Ende nächsten Jahres nicht mit konkreten Resultaten.

 

 

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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